Royals

Charles III.: Das sind seine merkwürdigsten Marotten

Jonas Erlenkämper
| Lesedauer: 5 Minuten
Das ist die neue Reihenfolge der britischen Royals

Das ist die neue Reihenfolge der britischen Royals

Nach dem Tod von Queen Elizabeth II. hat sich die Reihenfolge der Anwärter auf den britischen Thron geändert.

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London.  König Charles distanziert sich von Prunk. Briten danken es dem Ex-Pannenprinzen, über dessen Marotten sie sich lange lustig machten.

Der Herzog von Norfolk muss jetzt schauen, wie er das hinbekommt. Charles hat dem 65-jährigen Edward Fitzalan-Howard einen herausfordernden Auftrag erteilt: Der Duke aus Ostengland soll des Königs Krönung vorbereiten. Fitzalan-Howard hatte zuletzt schon das Begräbnis von Queen Elizabeth geplant – doch Charles’ Amtseinführung wird für den hochrangigen Adligen eine besonders anspruchsvolle Mission werden.

Denn der König setzt den Rotstift an und macht dem Herzog detaillierte Vorgaben: Wie der Palast mitteilt, schwebt Charles (73) eine Zeremonie vor, die zwar ähnlich würdevoll daherkommen soll wie die Krönung der Queen (†96) im Jahr 1953 – jedoch wesentlich bescheidener ausfallen muss.

Klar, die „coronation“ – die am 6. Mai 2023 stattfinden soll, fast genau 70 Jahre nach der Machtübergabe an die Königin – wird alles andere als eine lockere Party im engsten Familienkreis. Wie zur Trauerfeier für Charles’ Mutter werden 2000 geladene Gäste in London erwartet. Doch das wären 6000 weniger als in den 50ern.

König Charles III. wird zum Modernisierer

Statt der damaligen drei Stunden dürfte die Prozedur in der Westminster Abbey nur 60 Minuten dauern. Sprache, Garderobe, Gästeliste – alles soll dem Palast zufolge moderner, zeitgemäßer, bodenständiger erscheinen. Auf den Herzog von Norfolk wartet viel Arbeit.

Ausgerechnet Charles macht Schluss mit Prunk – der Mann, von dem überliefert ist, dass er sich von seinen Dienern die Zahnpasta auf die Bürste drücken lässt. Der morgens seine Zeitung, Handtücher, Socken und sogar seine Schnürsenkel gebügelt haben möchte. Der seinen eigenen Toilettensitz und angeblich seinen Teddybären aus Kindertagen mit auf Reisen nimmt.

Der sich bis zu sieben unterschiedlich lange gekochte Frühstückseier vorsetzen lässt, um nach der Methode „Köpfen und Testen“ das Ei zu finden, das die richtige Konsistenz hat, wie der Autor Jeremy Paxman (72) einst in seinem Enthüllungsbuch „On Royalty“ schrieb: „Wenn der Prinz das Gefühl habe, dass Ei Nummer fünf noch zu flüssig sei, könne er Nummer sechs den Kopf abschlagen oder Nummer sieben“, schrieb Paxman unter Berufung auf einen Vertrauten des heutigen Königs.

Mehr über den König: Der Mann, der bei Charles III. die Backen aufblasen darf

Charles und seine Marotten

Während seiner mehr als sieben Jahrzehnte dauernden Ausbildung zum Thronfolger musste der ehemalige Pannenprinz dermaßen zahlreiche Offenbarungen über peinliche Allüren über sich ergehen lassen, dass er vielen Landsleuten als lächerliche, zumindest aber verschrobene Figur galt.

Es ist nicht lange her, da unkte die Zeitung „Times“: „Charles’ Problem ist, dass wir ihn zu gut kennen. Wir haben Jahrzehnte damit verbracht, seine Meinungen, Interessen und Marotten kennenzulernen, ganz zu schweigen von den erschütternden Details aus der Seifenoper seines Privatlebens.“ Dass er in den ersten Amtstagen vor laufenden Kameras über klecksende Füller meckerte, passte allzu gut ins Bild.

Charles, der laut eigener Aussage mit Pflanzen spricht, schien im Umgang mit Menschen und seinen Gefühlen unbeholfen. 2005 lästerte er während eines Interviews gegenüber seinen Söhnen über einen BBC-Reporter – „furchtbar, der Typ“ – und vergaß, dass sein Mikrofon eingeschaltet war.

Unvergessen ist das Pressegespräch, zu dem er kurz nach der Verlobung mit Prinzessin Diana (†36) lud. Als ihm ein Journalist die eigentlich recht simple Frage stellte, ob er verliebt sei, murmelte er nervös wirkend: „Was immer Liebe bedeuten mag“ – und vermittelte schon vor der Traumhochzeit den Eindruck, dass sein Herz nicht unbedingt an der Lady hing.

Diana gab später zu Protokoll, die „seltsame Antwort“ habe sie traumatisiert. Der vermeintliche Tiefpunkt war erreicht, als Mitschnitte von Telefonaten mit Camilla (75), der heutigen Königsgemahlin, auftauchten, in denen Charles sich wünschte, ein Tampon zu sein.

Charles ist nicht mehr peinlich

Das alles gerät nun in den Hintergrund. Noch im Mai dieses Jahres glaubte einer Umfrage nach nur jeder dritte Brite, dass Charles ein guter König sein werde. Zuletzt hingegen wurde er für seine Bürgernähe gefeiert, als er sich vor dem Buckingham-Palast von Zaungästen umarmen und küssen ließ.

Bei der abgespeckten Krönung soll indes nicht alles anders werden. Wie seine Mutter wird Charles wohl die mehr als 350 Jahre alte, mit Saphiren, Smaragden, Rubinen, Diamanten und Perlen besetzte Edwardskrone aufsetzen. Die Queen hatte sie für die Zeremonie extra verkleinern lassen. Für Charles’ Kopfform muss sie wohl erneut angepasst werden. Noch eine Aufgabe für den Herzog von Norfolk.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.