Faktencheck

Kann man durch eine Blutspende Corona-Impfschutz bekommen?

Alina Juravel
| Lesedauer: 4 Minuten
Was Sie über Ihre Blutgruppe wissen sollten

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Warum es nützlich ist, seine Blutgruppe zu kennen, erfahren Sie im Video.

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Berlin  In Sozialen Netzwerken kursieren derzeit Warnungen, es sei gefährlich, wenn Geimpfte Blut spenden. Was ist dran an diesen Meldungen?

  • Im Netz kursieren derzeit viele Gerüchte zum Coronavirus und Blutspenden
  • So fragen sich derzeit einige Menschen, ob der Impfschutz eigentlich übertragbar ist
  • Und auch, ob man sich durch eine Blutspende mit Corona infizieren kann
  • Alle Fragen und Antworten zum Thema lesen Sie hier

Zahlreiche Fake News zu Corona verbreiten sich so schnell wie das Virus selbst. Mit gezielten Falschinformationen und Verschwörungstheorien versuchen einige Nutzerinnen und Nutzer ihre Mitmenschen zu verunsichern. Derzeit kursieren Meldungen im Internet zum Thema Blutspenden.

Auf diversen Plattformen wird behauptet, dass das amerikanische Rote Kreuz keine Blutspenden mehr nach einer Corona-Impfung zulassen würde. Die Impfung würde die natürlichen Antikörper zerstören. Weil die Meldung sich so rasend schnell verbreitete, bezog das amerikanische Rote Kreuz Stellung und entkräftete auf seiner Webseite diese Gerüchte.

Rotes Kreuz geht gegen Fake News vor

„Geimpfte Personen können selbstverständlich weiterhin Blut spenden, solange sie beschwerdefrei sind und sich zum Zeitpunkt der Spende wohl fühlen“, schreibt das amerikanische Rote Kreuz.

Ähnlich äußert sich auch das deutsche Rote Kreuz (DRK): „Gegen Corona geimpfte Personen können weiterhin bedenkenlos Vollblut, Plasma und Thrombozyten spenden, sofern sie die geltenden Zulassungskriterien erfüllen“, erklärt der Sprecher des Blutspendedienstes des Roten Kreuzes, Patric Nohe, gegenüber unserer Redaktion und weiter: „Eine Impfung gegen SARS-CoV-2 zerstört weder das Immunsystem der geimpften Person noch eines möglichen Transfusionsempfängers.“

Auch das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das die Sicherheit von Impfstoffen und Arzneimitteln in Deutschland überwacht, hält eine Blutspende von geimpften Personen für unbedenklich. Dennoch müssen Geimpfte bei der Blutspende einiges beachten.

Wie lange muss ich nach einer Corona-Impfung warten, bis ich Blut spenden darf?

Der Blutspendendienst des DRK empfiehlt, nicht gleich am Tag der Corona-Impfung zur Blutspende zu gehen, um eventuell auftretende Symptome voneinander abgrenzen zu können. „Fühlen sich geimpfte Personen gut, können sie gleich am nächsten Tag Blut spenden“, sagt Patric Nohe, Sprecher des Blutspendedienstes.

Diese Vorgabe gilt übrigens auch für Impfungen mit abgetöteten Erregern, wie etwa gegen Tetanus, Poliomyelitis, Influenza oder die FSME-Impfung. Impfungen mit lebenden oder abgeschwächten Viren (zum Beispiel Mumps, Masern, Röteln, Gelbfieber) oder Impfungen gegen Hepatitis B führen zu einer Wartezeit von vier Wochen bis zur Blutspende, teilt das Robert Koch-Institut (RKI) mit.

Kann ich durch gespendetes Blut eines Geimpften Impfschutz bekommen?

„Nein, das geht leider nicht“, sagt Patric Nohe. Nach derzeitigem Kenntnisstand wird der Impfschutz nicht im Spenderblut übertragen.

Werden Blutkonserven auf Corona untersucht?

Nein. Das DRK verweist dabei auf eine Studie des PEI. Demnach ist die Gefahr einer transfusionsbedingten Übertragung des SARS-CoV-2 nach bisherigem Erkenntnisstand als unbegründet anzusehen.

Was passiert, wenn ich erst nach der Blutspende erfahre, dass ich mit Corona infiziert bin?

Wer nach der Blutspende Symptome bemerkt oder gar positiv auf das Coronavirus getestet wird, soll sich unverzüglich bei der kostenfreien Hotline des DRK unter 0800 11 949 11 melden.

Nach Angaben des RKI, gibt es jedoch keinen Hinweis darauf, „dass Sars-CoV-2 durch Blut übertragbar ist und eventuell durch unerkannt infizierte Personen auf Patientinnen oder Patienten übertragen wird“.

Darf ich Blut spenden, wenn ich mit jemandem Kontakt hatte, der möglicherweise Corona hat?

„Derzeit werden Personen, die Kontakt mit Infizierten oder Erkrankten hatten, nicht zur Spende zugelassen“, sagt Patric Nohe. Die Kontaktpersonen müssen aus Sicherheitsgründen eine Wartezeit von zwei Wochen vor der nächsten Spende einhalten.

Auch Personen mit Symptomen wie Halskratzen, Schüttelfrost, Husten oder Kurzatmigkeit sowie einer erhöhten Körpertemperatur werden nicht zur Spende zulassen.

Dürfen Genesene Blut spenden?

Personen, die an Covid-19 erkrankt waren oder sind, dürfen erst vier Wochen nach ihrer Genesung Blut spenden. Patric Nohe weist darauf hin, dass Genesene zudem mit einer Plasmaspende anderen Patienten helfen können, die Krankheit zu überwinden.

In diesen speziell hergestellten Präparaten (Rekonvaleszenten-Plasma) liegen die Antikörper der Genesenen in stark angereicherter Form vor.

Welche Zulassungskriterien für Blutspenden gibt es gerade?

In Deutschland darf grundsätzlich jeder gesunde Mensch zwischen 18 und 68 Jahren mit einem Mindestkörpergewicht von 50 Kilogramm Blut spenden. Frauen können viermal in zwölf Monaten und Männer sogar sechsmal innerhalb eines Jahres Blut spenden. Für Erstspender liegt die Altergrenze bei 60 Jahren.