Justiz

Coronavirus: US-Familie verkaufte Bleiche als Heilmittel

Berlin.  Einer Familie aus den USA wird vorgeworfen, Bleichmittel als Corona-Therapie verkauft zu haben. Offenbar hatte die Idee fatale Folgen.

Lichttherapie oder Desinfektionsmittelinjektion für Corona-Patienten? Kopfschütteln über Trump

Lichteinstrahlung oder sogar eine Injektion von Desinfektionsmitteln: Mit Ideen für mögliche Behandlungsmethoden für Coronavirus-Patienten hat US-Präsident Donald Trump für Fassungslosigkeit gesorgt.

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Ein Vater und seine drei Söhne sollen in den USA ein giftiges Bleichmittel als Wunderheilmittel gegen das Coronavirus verkauft haben. Laut Aussagen der Staatsanwaltschaft sind mehrere Menschen nach der Einnahme gestorben. Die US-Justiz hat nun gegen die Familie ein Strafverfahren wegen Betrug und Verstößen gegen das Lebensmittel- und Medikamentenrecht eröffnet.

Mark Grenon und seine Söhne vertreiben den Justizangaben zufolge bereits seit geraumer Zeit ein Mittel namens Wunder-Mineral-Lösung (auf Englisch als MMS abgekürzt). Grenon soll angepriesen haben, dass es nicht nur gegen das Coronavirus helfen, sondern auch Alzheimer und Krebs heilen kann.

Im April hatte US-Präsident Donald Trump auf einer Pressekonferenz über „Injektionen“ von Desinfektionsmitteln als mögliche Behandlung von Coronavirus-Patienten fantasiert. Daraufhin sprangen Grenon und seine Söhne auf den Zug auf. „Trump hat MMS und alle Informationen!!! Es passieren Dinge, Leute!“ schrieb Grenon auf Facebook. „Möge Gott anderen helfen, die Wahrheit zu sehen.“

Kirche als Schutz vor Strafverfolgung

Laut Staatsanwaltschaft habe Grenon sogar die Genesis II Kirche der Gesundheit und Heilung als Deckmantel für seine Geschäfte gegründet. Grenon selbst habe wiederholt eingeräumt, dass die Kirche „nichts mit Religion zu tun hat“, nur der „Legalisierung der Nutzung von MMS“ diene und verhindern solle, dass er ins Gefängnis müsse.

Die Grenons sollen Zehntausende Flaschen des Mittels verkauft und allein im vergangenen Jahr 500.000 Dollar damit eingenommen haben. Der Staatsanwaltschaft zufolge liegen der Arzneimittelbehörde FDA Berichte vor, wonach Kunden nach dem Einnehmen des Mittels ins Krankenhaus eingeliefert wurden, schwere Krankheitssymptome entwickelten und sogar starben. Nähere Angaben machte die Justiz aber nicht.

Die Grenons erhielten bereits in der Vergangenheit ein gerichtliches Verbot für den Verkauf des Bleichmittels. Die Staatsanwaltschaft wirft der Familie nun vor, sich darüber hinweggesetzt zu haben.

Trumps „sarkastische“ Aussagen könnten Verkauf begünstigt haben

Trump hatte mit seinen Äußerungen zum Einsatz von Desinfektionsmitteln gegen Covid-19 für Fassungslosigkeit, Spott, aber auch besorgte Reaktionen von Experten gesorgt. Mehrere Gesundheitsbehörden warnten daraufhin Bürger davor, Desinfektionsmittel als Heilmittel gegen das Coronavirus zu trinken.

Auch Joe Biden, Trumps Gegenkandidat bei den anstehenden Präsidentschaftswahlen, warnte auf dem Kurznachrichtendienst Twitter davor Desinfektionsmittel zu trinken. Später behauptete Trump seine Aussagen seien nur „sarkastisch“ gemeint gewesen.

(afp/jas)

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