Flugverkehr

Nach Notlandung: US-Luftfahrtbehörde kündigt Untersuchung an

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Denver  Auf einem Flug von Denver nach Hawaii geriet ein Triebwerk in Brand. Nun soll es Inspektionen bei bestimmten Boeing-Modellen geben.

Boeing 737 MAX wieder in der Luft

Erstmals seit dem weltweiten Flugverbot hat eine Maschine vom Typ Boeing 737 MAX wieder einen kommerziellen Flug absolviert. Die Maschinen mussten nach zwei Abstürzen mit 346 Todesopfern am Boden bleiben.

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  • Eine Passagiermaschine der Fluglinie United Airlines musste am Samstag in Denver im US-Bundesstaat Colorado notlanden
  • Bei der Boeing 777-220 auf dem Weg von Denver nach Hawaii war es zu einem Triebwerksausfall gekommen
  • Flugzeugteile der Maschine stürzten auf ein Wohngebiet
  • Nun kündigt die Luftfahrtbehörde eine Prüfung an
  • Das japanische Verkehrsministerium ordnete ein Flugverbot für mit den betroffenen Triebwerken ausgestattete Flugzeuge an

Nach einem Triebwerkbrand an einer Passagiermaschine der Fluglinie United Airlines mit herabstürzenden Trümmerteilen sind Fluggäste, Crew und Anwohner mit einem Schrecken davongekommen. Nun hat die US-Luftfahrtbehörde FAA Konsequenzen angekündigt. Sie will auf konsequente Inspektionen des betroffenen Flugzeug- und Triebwerktyps setzen.

Alle Boeing 777, die mit bestimmten Triebwerken des Herstellers Pratt & Whitney ausgestattet sind, sollen sofort verstärkt überprüft werden, wie FAA-Chef Steve Dickson am Sonntag mitteilte. Zudem kündigte er eine Notfall-Richtlinie an. "Dies wird wahrscheinlich bedeuten, dass einige Flugzeuge aus dem Verkehr gezogen werden müssen."

United-Airlines-Notlandung in Denver: Keine Verletzten

Am Samstag waren Flugzeugteile der Boeing 777-220 mit 241 Menschen an Bord kurz nach dem Start auf ein Wohngebiet nahe der US-Stadt Denver gestürzt. Daraufhin musste die Maschine notlanden. Bei dem Vorfall wurde niemand verletzt - weder an Bord, noch am Boden.

Die Boeing befand sich als Flug UA328 auf dem Weg von Denver im Bundesstaat Colorado nach Hawaii. Bereits wenige Minuten nach dem Start setzte der Pilot einen Notruf ab, da das rechte Triebwerk ausgefallen war. Auf Videoaufnahmen von Passagieren ist das brennende Triebwerk zu sehen, die Verkleidung ist abgefallen.

Broomfield: Trümmerteile der Boeing regneten auf Wohngebiet

Die Trümmerteile des Flugzeugs stürzten auf ein Wohngebiet in Broomfield, einem Vorort von Denver. Ein großes Metallstück landete auf dem Auto von Anwohner Kirby Klements. Ein anderes Flugzeugteil beschädigte seinen Angaben zufolge das Dach eines Nachbarn. Auch auf einem Sportplatz in einem Park landeten Trümmer. "Ich bin ehrlich gesagt schockiert", sagte die Sprecherin der Polizei in Broomfield, Rachel Welte. Es sei "erstaunlich", dass nach ersten Erkenntnissen niemand in dem Ort durch Trümmer zu Schaden gekommen sei.

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Der Lärm habe die Menschen aufschrecken lassen, berichtete Polizeisprecherin Welte. "Eine Menge Leute haben gesagt, dass sie diese wirklich laute Explosion gehört haben, die viele Leute erschreckte, und dann sahen sie, was sie für ein Flugzeug hielten, das vom Himmel fiel, aber es waren Trümmer."

Mit dem Klang einer durchbrochenen Schallmauer verglich Augenzeuge Kieran Cain den Vorfall gegenüber dem Sender CNN. Jeder habe nach oben geschaut. Am Himmel sei eine "gigantische" schwarze Rauchwolke zu sehen gewesen und unmittelbar danach die herunterfallenden Teile des Flugzeugs. "Praktisch ein Schauer an Teilen, die vom Himmel fielen", sagte Cain.

Ein auf Twitter veröffentlichtes Dashcam-Video soll die Explosion des Triebwerks an der United-Airlines-Maschine zeigen: An dem Flugzeug ist plötzlich helles Licht zu erkennen, unmittelbar danach entwickelt sich dunkler Rauch.

United-Airlines-Flug: Passagier berichtet von Todesangst

An Bord der Boeing dürften sich dramatische Szenen abgespielt haben: Der Nachrichtensender CNN veröffentlichte eine Aufnahme des Moments, in dem der Pilot des Flugzeugs das Notsignal "Mayday" absetzte. Passagier David Delucia sagte der "Denver Post", dass er Todesangst gehabt habe, als das Flugzeug nach dem Triebwerksbrand an Höhe verlor. "Ich habe die Hand meiner Frau genommen und gesagt: ,Das war's'."

Auf Twitter kursiert ein Video, das eine Passagierin während des Fluges aufgenommen haben soll: Darauf ist das verbrannte Triebwerk beim Landeanflug zu sehen. Auch Glut ist erkennbar.

Passagiere flogen in neuer Maschine nach Honolulu

United Airlines teilte mit, das Flugzeug sei in Denver sicher notgelandet. Die meisten Passagiere seien an Bord einer neuen Maschine nach Honolulu geflogen. Diejenigen, die nach dem Turbulenzen nicht weiterreisen wollten, seien in einem Hotel untergebracht worden.

Die Fluggesellschaft nimmt als sofortige Vorsichtsmaßnahme 24 Boeing 777-Flugzeuge mit Triebwerken der Serie 4000 von Pratt & Whitney freiwillig aus dem Flugplan heraus. Es solle sichergestellt werden, dass diese Flugzeuge die strengen Sicherheitsstandards erfüllten und wieder in Betrieb genommen werden könnten. Derzeit habe man 52 dieser Flugzeuge in der Flotte - 24 aktiv und 28 im Lager.

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Die US-Flugaufsicht FAA erklärte, es werde eine Untersuchung zu dem Vorfall eingeleitet. Die Polizei in Bloomfield rief die Anwohner auf, die Trümmerteile nicht zu berühren, um die Ermittlungen nicht zu behindern.

Boeing 777: Austrian Ailrines, Swiss und Lufthansa nicht betroffen

Auch Japan zieht Boeing 777-Maschinen mit PW4000-Triebwerken vorübergehend aus dem Betrieb. Das Ministerium für Infrastruktur hat Japan Airlines und ANA All Nippon Airways angewiesen, die Flugzeuge vorerst nicht zu betreiben. Die beiden Fluggesellschaften, die 13 und 19 betroffene Jets in ihren Flotten haben, hatten diese bereits am Sonntag selbstständig stillgelegt.

Boeing teilte mit, man empfehle, die Nutzung der 69 in Betrieb befindlichen und 59 eingelagerten 777-Maschinen mit Pratt & Whitney 4000-112-Triebwerken auszusetzen, während die Untersuchung der unabhängigen US-Verkehrsbehörde NTSB laufe. Man unterstütze die Maßnahmen der japanischen Zivilluftfahrtbehörde und der FAA, den Betrieb der Maschinen auszusetzen und arbeite mit ihnen zusammen.

Andere Behörden weltweit dürften den Beispielen aus den USA und Japan folgen, so auch in Europa. Es dürfte daher zu weiteren vorübergehenden Stilllegungen von Boeing 777 kommen. Die Triple Seven von Austrian Airlines, Lufthansa und Swiss beispielsweise, werden jedoch mit anderen Triebwerken angetrieben und sind daher nicht betroffen.

Herabstürzende Boeing-Teile am selben Tag in den Niederlanden

Am Samstag hatte sich ein ähnlicher Vorfall in den Niederlanden ereignet - ebenfalls mit einer Boeing: In Maastricht waren nach Angaben der Polizei zwei Menschen durch herabstürzende Flugzeugteile verletzt worden. Eine ältere Frau wurde am Kopf getroffen und musste im Krankenhaus behandelt werden. Auch ein Kind wurde den Angaben zufolge leicht verletzt: Es erlitt Brandverletzungen, als es Trümmerstücke am Boden berührte.

In einem der vier Motoren der Boeing 747-400 brach nach Polizeiangaben ein Feuer aus. Die Behörden untersuchen den Vorfall. Das Flugzeug sei später im belgischen Lüttich gelandet. Es war eigentlich unterwegs von Maastricht Aachen Airport nach New York. Hinweise, dass die Ereignisse in den Niederlanden und den USA zusammenhingen, gab es keine.

(raer/dpa/afp)