Durchwachsenes Jahr für Adebar im Kyffhäuserkreis

Kyffhäuserkreis  Ralf Müller legte dem Storchennachwuchs wieder Ringe an. 15 kleine Langschnäbel in den Nestern. Kein Bruterfolg in Borxleben und Esperstedt.

Drei Jungtiere ziehen in diesem Jahr die Storcheneltern in Voigtstedt groß. Vom Schornstein an der alten Getreidemühle hat der inzwischen etwa sechs Wochen alte Nachwuchs einen tollen Rundblick über das ganze Dorf bis zur Autobahn. Als sich die Krangondel nähert, stellen sich die Jungtiere tot. Ein instinktives Schutzverhalten.

Foto: Wilhelm Slodczyk

Das Storchenjahr in der Kyffhäuserregion fällt durchwachsen aus: 13 kleine Langschnäbel bekam Ralf Müller am Freitag in den Nestern zu Gesicht, der im Auftrag der Vogelschutzwarte Hiddensee seit Jahren den Nachwuchs beringt. Dazu acht Eier, aus denen nichts geschlüpft war. Von Bretleben führte die Runde über Seehausen und Esperstedt nach Ringleben, Voigtstedt und Heygendorf. Als der Kran der Uderslebener Baufirma Lüttich am Vormittag in Voigtstedt am Schorn-stein an der alten Getreide-mühle um die Ecke biegt, stehen die Storchenkinder gerade auf dem Nest und breiten die Flügel aus. Fast wie die Alten, wäre da nicht der verräterische schwarze Schnabel.

Sechs Wochen alt und schon die ersten Flugversuche. Kurz darauf hat Kranführer Henrik Exner den Kran startklar. Ralf Müller steigt in die Gondel und lässt sich in die Höhe ziehen. Auf dem Nest, in gut dreißig Meter Höhe, liegen die jungen Störche inzwischen reglos da. Ein instinktives Schutzverhalten, wie Müller erklärt. Routiniert begutachtet er die drei Jungtiere und lässt den Blick dabei auch über das Nest nach Fremdkörpern schweifen, die die Altstörche für den Nestbau anschleppten und die zu einer Gefahr für die Vögel werden könnten.

Schließlich legt Müller einem Langschnabel nach dem anderen eine Schelle übers Knie, die er mit der Zange zusammendrückt und dann geht‘s in der Gondel auch schon wieder abwärts. Es war eine kleine Runde, die Ralf Müller und Henrik Exner diesmal zu drehen hatten. Die Uderslebener Baufirma unterstützt die Aktion seit Jahren, ebenso das Umweltamt und der Nabu. Borxleben kam in der Tour nicht vor und Gorsleben auch nicht, wo ein Storchenpaar offensichtlich Wohlgefallen an dem erst im Vorjahr installierten Nest gefunden hatte. In Borxleben hatten die Altstörche nach offensichtlich erfolgreicher Brut das Nest über Nacht plötzlich verlassen, wie Lutz Goldschmidt betrübt erzählt. In Gorsleben kam es zu keiner Brut. Dafür konnte Ralf Müller in Bretleben gleich vier Ringe um schwarze Storchenbeinchen legen. In Seehausen lagen drei Jungtiere im Nest, in Heygendorf zwei – hier ist der Storchennachwuchs keine drei Wochen alt und noch sehr klein – und in Ringleben eins.

Erfolglos blieb in diesem Jahr die Brut in Esperstedt. Hier fand der Beringer kein einziges Jungtier im Nest. Stattdessen fünf Eier, vermutlich unbefruchtet. Auch im Nest in Ringleben lag neben dem Jungtier noch ein Ei und in Heygendorf sogar zwei. „Das ist nicht ungewöhnlich“, weiß Müller aus Erfahrung. Eine Erklärung für die Häufung in diesem Jahr hat er nicht. Die Esperstedter Eier sollen zu einem späteren Zeitpunkt vom Nest geholt und untersucht werden.

Vergangenes Jahr hatten in der Region 22 kleine Störche das Licht der Welt erblickt. Die Ringnummern der Langbeine werden bei der Vogelschutzwarte Hiddensee registriert und dienen der Forschung.

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