Klimawandel

Fischsterben: Welche Rolle Hitze und Trockenheit spielen

Laura Réthy
| Lesedauer: 4 Minuten
Fischsterben in der Oder - ist jetzt die Ostsee bedroht?

Fischsterben in der Oder - ist jetzt die Ostsee bedroht?

Noch ist unklar, was das massenhafte Fischsterben in der Oder verursacht hat. Experten aus Deutschland und Polen sind weiter auf der Suche nach der Ursache. Sie befürchten, dass bald auch die Ostsee betroffen sein könnte.

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Berlin.  Hitze und Trockenheit sind eine Belastung für Fische. Sie könnten auch einen Anteil am Fischsterben in der Oder haben, sagen Experten.

Die Quappe mag es kühl. Der braun-marmorierte Raubfisch fühlt sich bei einer Wassertemperatur von 20 Grad Celsius am wohlsten. Vorzugstemperatur nennt sich das. Auch der kleine Kaulbarsch ist kein Freund von warmem Wasser.

Beide Fischarten kommen in der Oder vor – in dem Fluss, in dem gerade Tonnen toter Fische im Wasser treiben. Die Suche nach der Ursache für das große Sterben läuft, Labore untersuchen, Experten rätseln.

Unbekannte chemische Substanzen werden diskutiert oder Algenwachstum. Was aber ist mit der Hitze? Könnte sie Teil des Problems sein?

Fischsterben: Die Hitze ist ein Problem für Fische

Der Meteorologe Jörg Kachelmann hat auf Twitter diese Theorie aufgebracht. Er schrieb dort: „Man braucht nicht unbedingt viel Gift, um Fische bei 27 Grad Wassertemperatur in die Jagdgründe zu befördern in der Oder.“

Thomas Behrends vom Naturschutzbund (Nabu) Deutschland bestätigt: „Grundsätzlich ist die Hitze ein Problem für Fische.“ Denn der Sauerstoffgehalt im Wasser sinke mit steigenden Temperaturen.

Kaltes Wasser ist sauerstoffreich, warmes Wasser ist sauerstoffarm. „Wenn sich jetzt Bäche, Flüsse, Seen auf 20, 25 oder mehr Grad erwärmen, sinken die Sauerstoffwerte stark“, sagt Behrends. Das sei für die Fische außerordentlicher Stress.

Temperatur in der Oder stieg auf mehr als 26 Grad Celsius

In den vergangenen zwei Wochen erreichte das Oderwasser an der Messstation Frankfurt (Oder) Temperaturen von mehr als 26 Grad Celsius. Grund ist die Hitze, die wieder einmal über Deutschland liegt und die künftig wohl häufiger auftreten wird.

Zur steigenden Zahl an heißen Tagen kommt außerdem eine große Trockenheit. Auch das eine Belastung für die Ökosysteme in Flüssen und Seen.

Niedrige Pegelstände bedeuten weniger Sauerstoff

Einerseits geht Lebens- und Rückzugsraum verloren, wenn etwa kleinere Bäche einfach austrocknen. Andererseits bedeuten niedrige Durchflüsse in Gewässern weniger Sauerstoff für die gleiche Anzahl an Tieren.

Und noch etwas: „Es wird Wasser in die Gewässer eingeleitet, das zwar geklärt ist, aber trotzdem noch eine gewisse Belastung aufweist“, sagt Christian Wolter vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB). „Diese Belastung ist natürlich bei niedrigen Durchflüssen konzentrierter.“

Hitze: Temperaturen für Fische nicht tödlich

Unmittelbar tödlich seien solche Temperaturen wie aktuell in der Oder für Fische nicht, sagt Wolter. „Nehmen wir die Quappe: Die jungen Tiere schaffen es auch bei anhaltenden 25 Grad zu überleben. Sie fressen dann zwar nicht mehr gut, sind lethargisch, aber sie überleben“, sagt der Fisch-Ökologe.

Und trotzdem könnten nach Meinung von Fachleuten Hitze und auch Trockenheit eine Rolle spielen bei Ereignissen wie aktuell an der Oder. „Die Temperaturen haben beim Fischsterben auf jeden Fall eine Rolle gespielt, weil die Fische viel stärker unter Stress standen“, sagt etwa Sascha Maier, Referent für Gewässerpolitik beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Fische müssen bei hohen Temperaturen schneller atmen

Bei diesen hohen Temperaturen müssten die viel schneller atmen, müssten sich viel stärker anpassen, um mit der Hitze umgehen zu können.

„Dann sind sie einfach viel weniger stresstolerant, wenn irgendwo eine Schadstofffracht durch den Fluss geht“, sagt Maier. Und weiter: „Wenn wir naturnahe Gewässer haben, ist das ein viel resilienteres Ökosystem.“

Klimawandel: Ökosystem die Chance geben, sich anzupassen

Umso wichtiger sei es, dass die Wasserqualität stimme, sagt auch Thomas Behrends vom Nabu: „Hitze, Dürre – das wird es in Zukunft geben und wir können das nicht verändern.

Aber wenn wir die Wasserqualität so gut es geht verbessern, noch mehr investieren in Kläranlagen, Schadstoffe filtern, die Pestizidbelastung und Nährstofffrachten verringern – dann können die Fische einiges Abpuffern.“ So könne man dem Ökosystem „wenigstens die Chance geben, sich an den Klimawandel anzupassen“.

Aufheizen des Wassers abmildern

Auch Fisch-Ökologe Christian Wolter vom IGB sagt: „Wir müssen anfangen, uns an die Folgen des Klimawandels anzupassen.“ Dazu gehört ein Wiederanschluss von sogenannten Augewässern, also Uferlandschaften, die Wasser aufnehmen und auch wieder an Flüsse abgeben können. Oder die Rekultivierung von Auwäldern würde für Beschattung sorgen und ein Aufheizen des Wassers abmildern.

„Das sind keine Maßnahmen, die sofort wirken.“ Dafür könne sich niemand eine Brosche anheften, aber sie würden langfristig helfen, ist Wolter überzeugt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.