Weltklimakonferenz

Greta Thunberg: Trump lästert über „Person des Jahres“

Madrid.  Das „Time“-Magazin hat Greta Thunberg zur „Person des Jahres“. Wer daran gar keine Freude zu haben scheint: US-Präsident Donald Trump.

Darum kürt das "Time"- Magazine Greta zur Person des Jahres
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Greta Thunberg ist in Angriffslaune: Bei einer Rede auf der UN-Klimakonferenz sorgte sie mit einer Abrechnung gegen die großen Staatschefs wie Emmanuel Macron oder Angela Merkel für Wirbel. Die 16-Jährige machte den Staatsführern schwere Vorwürfe – da half auch nicht, dass sie kurz zuvor vom „Time“-Magazin zur Person des Jahres gekürt wurde.

Einer, der dagegen was zu sagen hat: Donald Trump. Der US-Präsident, 2016 selbst zur „Person des Jahres“ ernannt, griff auf Twitter die Klima-Aktivistin an.

Er bezeichnete die Würdigung von Thunberg als „lächerlich“. Er empfahl der 16-Jährigen, doch an ihrem Umgang mit ihrer Wut zu arbeiten. Denn damit habe sie ein Problem, schrieb er in einem am Donnerstag veröffentlichten Tweet, der binnen kürzester Zeit Zehntausende Male geteilt wurde. Anschließend solle Greta mit einer Freundin „einen guten altmodischen Film“ anschauen. „Chill Greta, chill!“, schrieb Trump weiter.

Für seinen Tweet wird Trump viel kritisiert. Viele empfinden es als geschmacklos, dass ein 73-Jähriger, der dazu noch Präsident eines der mächtigsten Länder der Welt ist, ein 16-jähriges Mädchen kritisiert. Immerhin: Donald Trump kann Greta Thunberg mit ihrer Kritik auf dem UN-Gipfel schon mal nicht gemeint haben: Der US-Präsident glaubt nicht an den vom Menschen gemachten Klimawandel und hat den Umweltschutz in den USA kräftig gekürzt.

Greta Thunberg in Madrid – Das Wichtigste in Kürze:

  • Greta Thunberg hat es auf klimaneutralem Weg nach Madrid zum UN-Klimagipfel geschafft
  • Bei ihrer Ankunft wurde sie regelrecht belagert
  • Am Freitag musste sie deshalb den Protestmarsch abbrechen und fand hinterher warnende Worte
  • Auch zu ihrer Rolle als Symbol des Kampfes gegen den Klimawandel äußerte sie sich – und übte Selbstkritik
  • In einer neuen Rede kritisierte Greta die Regierungen reicher Industrienationen erneut scharf – und warf ihnen Täuschung vor
  • Nebenbei wurde die 16-Jährige vom „Time“-Magazin zur „Person des Jahres 2019“ gewählt
  • Donald Trump kann der Ernennung gar nichts abgewinnen

Thunberg hatte die Staatschefs allgemein attackiert – ohne Namen zu nennen. Sie warf Industrienationen „Irreführung statt Führung“ vor und kritisiert sie für ihre Untätigkeit in der Klimakrise.

Sie hätten versprochen, den Ausstoß von Treibhausgasen „um so und so viel Prozent bis zu diesem und jenem Datum“ zu senken oder gar „klimaneutral innerhalb von so und so vielen Jahren“ zu werden. Auf den ersten Blick klinge dies vielleicht eindrucksvoll, moniert die Klimaaktivistin, aber obwohl die Intention dahinter gut sei, handle es sich um Täuschung.

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„Person des Jahres“ des „Time“-Magazin – Ernennungen der letzten Jahre:

  • 2019: Greta Thunberg
  • 2018: The Guardians and the War on Truth (Die Wächter und der Krieg um die Wahrheit): Verschiedene Journalisten, die wegen ihren Berichten eingesperrt oder ermordet wurden, darunter unter anderem der im vergangenen Jahr getötete Jamal Khashoggi
  • 2017: The Silence Breakers (Diejenigen, die ihr Schweigen brechen): Frauen, die die #metoo-Debatte zum Laufen gebracht haben, darunter unter anderem Ashley Judd
  • 2016: Donald Trump
  • 2015: Angela Merkel

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In ihrer auf wissenschaftliche Daten zu CO2-Emissionen und die Erderwärmung gestützten Rede legte Greta Thunberg vor dem Plenum eindringlich die Fakten zu den Folgen dar, sollten die Ziele des Pariser Abkommens zur Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad verfehlt werden. „Jeder Bruchteil eines Grades zählt“, warnt sie.

Greta Thunberg- Es gibt Hoffnung, ich habe sie gesehen

„2050 Treibhausgas-Neutralität zu erreichen bedeutet gar nichts, wenn die Emissionen inzwischen noch für ein paar Jahre weitergehen wie bisher. Denn unser verbleibendes Budget wird dann aufgebraucht sein“, erklärte die junge Schwedin unter dem Applaus der Anwesenden.

Greta Thunberg – So humorvoll kontert sie einen Angriff von Brasiliens Präsidenten

Abseits der Klimakonferenz hatte Greta Thunberg mit einer humorvollen Reaktion auf eine Aussage von Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro für Aufmerksamkeit gesorgt. Bolsonaro hatte die 16-Jährige vor Journalisten als „pirralha“ bezeichnet, was sowohl mit Göre, Balg oder Rotzlöffel als auch Winzling, Racker, Wicht oder Knirps übersetzt werden kann. Greta hatte sich in ihrem Profil auf Twitter daher zwischenzeitlich selbst als Pirralha beschrieben.

Greta Thunberg im Interview- Das würde sie Angela Merkel sagen

Hintergrund war, dass die Klimaaktivistin zum Tod zweier Ureinwohner im Nordosten Brasiliens auf Twitter geschrieben hatte, in dem Land würden die indigenen Völker „buchstäblich ermordet“, weil sie den Regenwald vor dem Abholzen zu schützen versuchten. Bolsonaro wies die Kritik zurück.

Greta Thunberg vom „Time“-Magazin zur „Person des Jahres 2019“ gewählt

Der Rummel um Greta Thunberg reißt auch abseits der Klimakonferenz nicht ab. Das „Time“-Magazin zeichnete die Klimaaktivistin am Mittwoch als „Person des Jahres 2019“ aus, wie das Magazin auf Twitter mitteilte.

„Greta Thunberg ist die überzeugendste Stimme zur wichtigsten Angelegenheit unseres Planeten geworden“, erklärte das US-Magazin am Mittwoch. Was mit einem empörten Teenager und einem plötzlichen Ausbruch der Rebellion begonnen habe, sei zu einem der unwahrscheinlichsten und schnellsten Aufstiege zu globalem Einfluss der Weltgeschichte geworden.

Lesen Sie hier: Warum sich Greta Thunberg nicht als Ikone sieht.

Am Rande des Gipfels in Madird zeigte sich Greta Thunberg so offen wie nur selten und sprach auch über ihre Popularität. Zwar nehme sie die Aufregung um ihre Person wahr. Sie selbst sehe sich aber gar nicht in dieser Rolle, wie sie in einem Interview mit der portugiesischen Zeitung „Expresso“ sagte.

Greta Thunberg rechnet mit Politikern ab

Hintergrund war eine regelrechte Belagerung durch Medienvertreter bei ihrer Ankunft am Bahnhof Chamartín im Norden der spanischen Hauptstadt am Freitag. Die 16-Jährige musste eine Viertelstunde im Zug ausharren, bevor sie ihn begleitet von spanischen Sicherheitskräften verlassen konnte.

Greta Thunberg gesteht sich ein: „Wir haben nichts erreicht“

Auch beim Klimamarsch am vergangenen Freitag wurde sie von Fans belagert. Die Aufregung war so groß, dass Thunberg für ihre Abschlusskundgebung zur Bühne gefahren werden musste – natürlich mit einem Elektroauto. Lesen Sie hier: Die Erde sendet beim Klimawandel ihr wohl letztes Alarmsignal.

Zuvor hatte sie bei einer Pressekonferenz eingeräumt, dass die weltweiten Klimaproteste junger Aktivisten bisher so gut wie nichts dazu beigetragen hätten, den Klimawandel aufzuhalten – es kam einer Art Geständnis gleich. „Wir haben das Bewusstsein für Klimafragen geweckt, aber das reicht noch lange nicht aus“, sagte sie. „Somit kann man sagen, dass wir viel, aber dann auch wieder nichts erreicht haben.“

Greta Thunberg- So bitter ist ihr Geständnis

Greta Thunbergs umständliche Reise nach Madrid

Greta war mit einem Nachtzug von Lissabon in die spanische Hauptstadt gereist. Zuvor hatte ein Angebot eines religiösen Nachbarschaftsvereins aus der spanischen Gemeinde Talavera de la Reina nahe Toledo für Aufregung gesorgt: Er wollte der schwedischen Klimaaktivistin einen Esel zur Weiterreise von Lissabon nach Madrid zur Verfügung stellen. Auch lesenswert: Greta Thunberg gehört zu den Google-Trends 2019.

Die 16-jährige Thunberg war am Dienstag vergangener Woche nach dreiwöchiger Segelreise über den Atlantik in Portugal eingetroffen. Die Aktivistin vermeidet Flugzeuge, um auf die Klimakrise aufmerksam zu machen. Trotz ihres klimafreundlichen Transportmittels hagelte es Kritik – die Reise sei gar nicht wirklich klimaneutral.

Greta Thunberg äußert sich zu Kritik

Der Grund: Seglerin Nikki Henderson, die Greta auf ihrer Reise nach Europa begleitete, musste mit dem Flugzeug von Großbritannien in die Vereinigten Staaten fliegen. An Board war außerdem das australische YouTuber-Paar, das Greta ihr Boot zur Verfügung gestellt hatte.

Die Klimaaktivistin äußerte sich kürzlich zu den Vorwürfen: „Ich reise nicht so, weil ich möchte, dass alle das tun. Ich tue das, um eine Botschaft zu senden, dass es heute unmöglich ist, nachhaltig zu leben, und das muss sich ändern. Es muss viel einfacher werden.“

Im Vorfeld der Reise hatte es Unklarheiten gegeben, ob es die Klimaaktivistin überhaupt zur Konferenz schaffen würde. Sogar Eurowings bot Hilfe an – Greta hatte jedoch abgelehnt.

Klimagipfel in Madrid – darum geht es

Das Klimaabkommen von Paris sieht vor, dass die Staaten spätestens nächstes Jahr ihre Klimaschutz-Zusagen nachschärfen. In Madrid soll das vorbereitet werden.

  • Auf der Agenda der Konferenz stehen daher Verhandlungen darüber, wie CO2-Verschmutzungsrechte international gehandelt werden sollen und wie Klimaschäden etwa durch Dürren und Stürme finanziert werden.
  • Speziell arme Länder, die am wenigsten zur Krise beitragen, leiden unter den Folgen von Dürren und Wetterkatastrophen.
  • Ob konkrete Maßnahmen beschlossen werden, ist aber fraglich.

Die Hilfsorganisation Care monierte am Freitag, die Industrienationen spielten in Madrid bislang auf Zeit, und auch die EU-Kommission bleibe weiter hinter den Erwartungen zurück. (dpa/les/yah)

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