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Johnny Depp gegen Amber Heard: Nächste Runde im Rosenkrieg

Dirk Hautkapp
| Lesedauer: 5 Minuten
Johnny Depp verliert im Prozess um Vorwurf des "Ehefrauen-Schlägers"

Johnny Depp verliert im Prozess um Vorwurf des Ehefrauen-Schlägers

Hollywoodstar Johnny Depp hat seinen Verleumdungsprozess in London gegen die britische Zeitung "The Sun" verloren. In einem Artikel von 2018 war Depp als "Ehefrauen-Schläger" bezeichnet worden. Der Artikel sei "im Wesentlichen wahr" gewesen, befand ein Richter nun.

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Washington.  Johnny Depp gegen Amber Heard: Das Ex-Promipaar überzieht sich mit Millionenklagen und trifft sich vor Gericht – nicht zum ersten Mal.

Seit sechs Jahren blickt das Publikum in unregelmäßigen Abständen in die bizarren Abgründe der gescheiterten Promi-Ehe zwischen Johnny Depp („Fluch der Karibik“) und Amber Heard („Aquaman“).

Die Hollywood-Mimen, zwischen denen altersmäßig fast ein Vierteljahrhundert liegt, gehen am Montag (11. April) ab zehn Uhr im schmucklosen Saal 5J des Bezirksgerichts von Fairfax vor den Toren Washingtons in die nächste Runde eines Rosenkrieges, in dem die Dornen mittlerweile aus messerscharfem Stahl sind.

Die auf sechs Wochen angesetzte Selbstzerfleischung des 58-Jährigen, der seine 35 Jahre alte Ex auf 50 Millionen Dollar Schadenersatz wegen Verleumdung verklagt hat, worauf die mit einer 100 Millionen Dollar bewährten Gegenklage mit gleichem Tenor antwortete, droht erneut zum Medienzirkus zu werden. Mehr zum Thema:Hollywood-Star Johnny Depp: „Ich bin noch nicht fertig“

Johnny Depps Karriere nahm schweren Schaden

Richterin Penney Azcarate hat dem Kabelsender Court TV die Liveübertragung des Prozesses in den USA gestattet, in dem allein die Zeugenliste (Depp hat 38 benannt, Heard 81) Aufsehen erregt. Darunter sind etwa Tesla-Boss Elon Musk (mit dem Heard nach der Trennung von Depp eine Romanze hatte) und Hollywood-Star James Franco (dem Heard ihre Hämatome nach einem Gewaltexzess mit Depp gezeigt haben will). Etliche Zeugen werden per Videolink zugeschaltet. Die Protagonisten sind persönlich vor Ort.

Depp und Heard hatten sich 2010 bei den Dreharbeiten zu „The Rum Diary“ kennengelernt. 2015 wurde geheiratet. Bereits nach 15 Monaten kam nach turbulenter Achterbahnfahrt das Ehe-Aus. Im Sommer 2016 erhielt Amber Heard sieben Millionen Dollar Abfindung. Damals war von innerehelichen Gewalttätigkeiten noch keine Rede. Auch interessant:Fans von Johnny Depp starten Petitionen gegen Amber Heard

Offizieller Auslöser des nun beginnenden Verfahrens ist ein vier Jahre zurückliegender Meinungsartikel von Amber Heard in der „Washington Post“. Darin beschrieb sich die blonde Texanerin als Opfer häuslicher Gewalt. Sie erwähnte Depp namentlich kein einziges Mal. Aber es war klar, wen sie gemeint hat. Der Schauspieler reagierte waidwund.

Depp machte Ansehens- und Beschäftigungsverlust geltend. Ihm wurden seinerzeit Rollen gestrichen, etwa die des Magiers Grindelwald in der Fantasy-Reihe „Phantastische Tierwesen“. Depp drehte den Spieß um: Nicht er, sondern seine Ex-Frau sei die gewalttätige Aggressorin in der Beziehung gewesen. Tenor: Sie wolle sich an ihm, einem Mann, der allein in der Rolle des Piraten Jack Sparrow der Kino-Industrie Milliarden eingespielt hat, gesundstoßen.

Prozess um Johnny Depp, den „Ehefrauenschläger“

Mit dieser Stoßrichtung war Depp vor zwei Jahren in England brutal auf Grund gelaufen. Vor dem Londoner Royal Court entschied Richter Andrew Nicol, dass das Boulevardblatt „The Sun“ den Mimen berechtigterweise als „Ehefrauenschläger“ („wife beater“) titulieren durfte. Mindestens zwölf von 14 geschilderten Gewaltepisoden, die Heard im Prozess geltend gemacht hatte, seien „substanziell wahr“.

In dem schlagzeilenträchtigen Verfahren wurde geballt Unappetitliches ausgebreitet. Man erfuhr zum Beispiel, dass Frau Heard Herrn Depp im alkoholgetrübten Streit mit einer zerbrochenen Whiskyflasche die Fingerkuppe bis auf den Knochen abgetrennt haben soll. Umgekehrt habe Frau Heard im einstigen Ehebett ihre Notdurft verrichtet.

Amber Heard schilderte reihenweise „lebensgefährliche Momente“ im Zusammenleben mit dem seit Ewigkeiten mit Alkohol und Drogen kämpfenden Star. Sie sei „jahrelang Johnnys Boxsack“ gewesen. Er habe ihr ins Gesicht geschlagen („Es fühlte sich an, als würde mein Auge herausfallen“), ihr Kopfstöße verpasst oder mit Flaschen nach ihr geworfen. Lesen Sie hier:Johnny Depp verliert im Verleumdungsprozess gegen die „Sun“

Depp bestritt die Anschuldigungen. Im Gegenteil: Er sei das Opfer von Gewaltausbrüchen geworden. Später kamen Mitschnitte aus Therapiesitzungen der Ex-Eheleute ans Tageslicht. Darin ließ Heard durchblicken, dass sie Depp mit Vasen, Pfannen und Töpfen traktiert hat – angeblich zur Selbstverteidigung.

Polizisten könnten Johnny Depp entlasten

Um seine Friedfertigkeit zu illustrieren, bot Johnny Depp in London vergebens zwei wichtige Frauen aus früheren Leben auf. Die Schauspielerin Winona Ryder und die französische Sängerin Vanessa Paradis, die von 1998 bis 2012 mit Depp verheiratet war, bescheinigten in ihren Vernehmungen, dass die Gewaltvorwürfe von Amber Heard haltlos seien.

Im Gegenzug kam aus dem Lager der Heard-Anwälte ein SMS-Austausch zwischen Johnny Depp und dem Schauspieler Paul Bettany zur Sprache, der selbst für britische Boulevardmedien schwer verdaulich war. „Lass uns Amber verbrennen“, hieß es darin. „Lass sie uns ertränken, bevor wir sie verbrennen …“ All das kommt jetzt wieder hoch.

Insider warten im neuen Prozess laut US-Medien gespannt auf bislang nicht gehörte Aussagen von zwei Polizisten aus Los Angeles, die im Mai 2016 zum Haus der Eheleute gerufen worden waren, um die Streitszene aufzunehmen, die zur Trennung führte. Es heißt, ihre Aussagen könnten für Depp vorteilhaft sein.

Als Motivation für den nicht enden wollenden Kampf nennen Vertraute bei Depp das Verlangen, seine stark beschädigte Reputation wieder ins Reine zu bringen. Heard hingegen sei es leid, immer wieder von ihrem Ex durch die öffentliche Arena getrieben zu werden. Anders als in London entscheidet in Fairfax am Ende eine Geschworenenjury über schuldig oder nicht schuldig.

Depps Star-Status könnte eine Rolle spielen. Fragt sich nur, welche.

Dieser Artikel erschien zuerst auf www.morgenpost.de

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