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Mysteriöse Lungenkrankheit in China: Schon 200 Fälle bekannt

Peking.  Eine mysteriöse Lungenerkrankung hat in China schon zu drei Todesfällen geführt. Lesen Sie hier, was der Ursprung des Virus sein soll.

Sicherheitsleute bewachen den geschlossenen Tiermarkt in der chinesischen Metropole Wuhan. Von dort soll der mysteriöse Erreger stammen.

Sicherheitsleute bewachen den geschlossenen Tiermarkt in der chinesischen Metropole Wuhan. Von dort soll der mysteriöse Erreger stammen.

Foto: NOEL CELIS / AFP

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Nach dem Ausbruch der rätselhaften Lungenkrankheit in China ist die Zahl der bestätigten Fälle sprunghaft auf rund 200 gestiegen. Ein weiterer Patient starb. Damit gibt es jetzt drei Todesfälle, wie die Gesundheitsbehörde der zentralchinesischen Stadt Wuhan am Montag berichtete. Erstmals wurden auch Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus an anderen Orten in China entdeckt.

Am 9. Januar hatte es den ersten Todesfall gegeben: Ein 61-Jähriger erlag der geheimnisvollen neuen Lungenkrankheit. Der neuartige Erreger wurde erstmals Ende Dezember festgestellt.

Bis Sonntag waren erst rund 60 Fälle offiziell bestätigte worden. Doch gehen Forscher am britischen Zentrum für die Analyse globaler Infektionskrankheiten am Imperial College London davon aus, dass die Ausbreitung der Krankheit sehr viel größer ist als bisher bekannt. Nach ihrer Wahrscheinlichkeitsrechnung schätzen die Experten die Zahl der Patienten auf mehr als 1700.

Mysteriöse Lungenkrankheit in China: Coronavirus auch im Ausland

Allerdings konnte sich der mysteriöse Erreger weiter ausbreiten und wurde auch im Ausland bestätigt. Das Virus wurde bei einer Chinesin in Thailand und einem Chinesen in Japan nachgewiesen – beide hielten sich zuvor in Wuhan auf.

Auch in Südkorea ist nun der Fall einer Erkrankung bestätigt worden. Betroffen sei eine 35-jährige Chinesin, teilten die Koreanischen Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention am Montag mit. Die Frau kam demnach am Sonntag aus Wuhan.

Zudem gibt es Verdachtsfälle in Hongkong und Singapur, die aber noch nicht bestätigt sind. Es wird vermutet, dass das neuartige Coronavirus aus der Tierwelt kommt und von einem Tiermarkt in der zentralchinesischen Metropole Wuhan stammt.

Virusforscher: Neuer Erreger in China ist ein Sars-Virus

Die Lungenkrankheit geht dem Berliner Virusforscher Christian Drosten zufolge auf ein Sars-Virus zurück. Der neue Erreger sei ähnlich dem bei der Pandemie 2002/03.

„Es ist dieselbe Virusart, nur in einer anderen Variante“, erklärte der Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin am Dienstag. Unterschiede gebe es vor allem bei den Proteinen, mit denen das Virus an menschliche Zellen andocke. Bei der Sars-Pandemie waren von China ausgehend weltweit rund 8000 Fälle erfasst worden, mehr als 800 Menschen starben.

Dass ein zuvor unbekanntes Virus so wie das jetzige Ausbrüche beim Menschen verursacht, kommt nach Einschätzung Drostens etwa alle zehn Jahre vor.

Sars-Virus in China: Ausbruch wohl auf bekanntem Markt

Die Aussagekraft der eingesetzten Tests sei unterschiedlich, möglicherweise müssten Testergebnisse im Nachhinein revidiert werden. Derzeit arbeitet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) demnach mit den Ländern daran, einen einheitlichen diagnostischen Test festzulegen.

Der tote 61-Jährige habe wie die meisten anderen Patienten zu den Besuchern des Huanan-Marktes in der zentralchinesischen Millionenstadt Wuhan gehört, der als Ursprungsort der Krankheit gilt. Der Markt, auf dem Fische und Wildtiere verkauft werden, ist seit Jahresbeginn geschlossen.

Mysteriöse Lungenkrankheit versetzt Chinesen in Angst

„Auf solchen Märkten herrscht oft großes Gedränge, Wildtiere werden dort lebend oder ganz frisch geschlachtet verkauft“, erklärte Drosten. Die chinesischen Behörden haben demnach bereits eine Hypothese, von welcher Tierart der Erreger auf den Menschen übergesprungen sein könnte. „Das wird aber erst offiziell verkündet, wenn es als gesichert gilt.“

Beim Sars-Ausbruch 2002/03 gelten Schleichkatzen als wahrscheinlichster Ursprung des Erregers. Sars steht für „Severe Acute Respiratory Syndrome“, also Schweres Akutes Atemwegssyndrom.

Sars-Virus sorgt für Fieber und Lungenentzündungssymptome

Beruhigend sei aber vor allem ein Faktor: „Es gibt bisher keine Ärzte und kein Pflegepersonal mit Symptomen.“ Das sei ein guter Hinweis darauf, dass das Virus nicht leicht übertragbar ist.

Nach derzeitigem Wissen sorge es für Fieber und Symptome einer Lungenentzündung. „Die oberen Atemwege sind nicht betroffen, es gibt beispielsweise keinen Schnupfen.“ Von Lunge zu Lunge gelangt ein Erreger schwerer als etwa mit den Tröpfchen beim Niesen.

Bisher keine Übertragung von Mensch zu Mensch bekannt

Vor der großen Reisewelle zum chinesischen Neujahrsfest am 25. Januar äußerten Verantwortliche dennoch die Sorge, dass sich infektiöse Krankheiten wie diese verstärkt ausbreiten könnten, wenn Hunderte Millionen Menschen unterwegs sind.

Tatsächlich sei eine Übertragung von Mensch zu Mensch bisher noch nicht bekannt geworden – was allerdings nicht bedeute, dass es sie nicht geben kann. „Das Virus könnte zum Beispiel von Menschen übertragen worden sein, die selbst symptomfrei geblieben sind.“

„Ich möchte jeden daran erinnern, persönlich Schutzmaßnahmen zu ergreifen, um sicherzustellen, gesund und problemlos nach Hause zu kommen“, sagte Wang Yang vom chinesischen Transportministerium in Peking. „Das Auftauchen der Epidemie mag viele beunruhigen, über das Neujahrsfest zu reisen.“

Fieberkontrollen an Flughäfen eingeführt

Die Behörden konzentrierten sich darauf, Drehscheiben für den Transport wie Flughäfen oder Bahnhöfe, wo viele Passagiere verkehrten, zu desinfizieren und zu beobachten. Andere asiatische Staaten haben die Vorsichtsmaßnahmen bei der Einreise besonders von Reisenden aus Wuhan verstärkt und Fieberkontrollen eingeführt, um eine befürchtete Ausbreitung zu vermeiden.

Die US-Botschaft in Peking gab eine Reisewarnung aus. Reisende nach Wuhan sollen demnach Tiermärkte und den Kontakt mit Tieren oder auch ungekochtes Fleisch meiden. Auch sollten sie kranken Personen aus dem Weg gehen und sich die Hände häufig mit Seife und Wasser waschen.

Keine Reisewarnung durch die WHO

Wer in Wuhan gewesen sei und sich krank fühle, solle sofort medizinische Hilfe suchen und den Kontakt mit anderen meiden, hieß es weiter. Bevor der Arzt aufgesucht werde, solle die Praxis oder Klinik über die Reisegeschichte und die Symptome unterrichtet werden.

Die WHO erließ ausdrücklich keine besondere Reisewarnung. In einer Mitteilung wurde lobend erwähnt, dass die Identifikation eines neuen Virus in kurzer Zeit eine „bemerkenswerte Errungenschaft“ sei. Es demonstriere die gewachsenen Fähigkeiten Chinas, mit solchen Ausbrüchen umzugehen. (gem/jb/cho/dpa)

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