Verbrechen

Mallorca: Betrüger prellen deutsche Frauen um Millionen

Ralph Schulze
| Lesedauer: 5 Minuten
Drei Geheimtipps auf Mallorca

Drei Geheimtipps auf Mallorca

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Madrid.  Betrüger haben von Mallorca aus Frauen in in ganz Europa bestohlen. Die Bande zog für ihre Internet-Verbrechen sämtliche Register.

Ihre Opfer sind meist ältere, alleinstehende Frauen auf der Suche nach großen Liebe. Betrügerische Herzensbrecher haben über das Internet von Mallorca aus Frauen in ganz Europa hereingelegt und um mehr als eine Million Euro erleichtert. Die Liebesschwindler zogen dabei alle Register, sogar ein Schauspieler wurde für Videochats eingespannt.

Die Methode hat sich vor allem mithilfe von Online-Kontaktplattformen, Singlebörsen, Dating-Apps und sozialen Netzwerken ausgebreitet. Und sie wird von den Tätern dazu benutzt, den Opfern mit amourösen Lügen und falschen Versprechungen das Geld aus der Tasche zu ziehen.

In Spanien gelang es nun der Polizei eine jener internationalen Banden zu zerschlagen, die hinter diesem Betrug stecken. Die Kriminellen hatten ihre Zentralen auf der spanischen Ferieninsel Mallorca und in der ebenfalls sehr touristischen Costa-del-Sol-Hauptstadt Málaga in Südspanien.

Ihre Opfer fanden sie in ganz Europa. Die spanischen Ermittler machten zum Beispiel Betroffene in Deutschland, Luxemburg, Italien, Polen und Finnland aus. Der Schaden wird auf mehrere Millionen Euro geschätzt.

Auf Mallorca wurden 15 Verdächtige festgenommen

Wie die spanische Polizei mitteilte, wurden bisher 16 Personen festgenommen: 15 Festnahmen gab es auf Mallorca und eine weitere in Málaga. Als Kopf der Bande gilt ein 27-jähriger Nigerianer, der auf der Urlaubsinsel festgesetzt wurde.

Die Spuren von Online-Betrügereien aller Art führen oftmals in das westafrikanische Land Nigeria, bei dem Geschäft mit der Liebe oder mit angeblichen Lottogewinnen. Die Ermittler sprechen deshalb in diesem Zusammenhang auch von der „Nigeria-Connection”.

Besonders extremer Fall des Liebesbetrugs erschüttert sogar die Polizei

Bei den aktuellen Ermittlungen in Sachen Betrug mit kamen die Fahnder den Betrügern durch einen besonders extremen Fall auf die Spur, bei dem eine Frau in der Costa-Blanca-Stadt Alicante an der spanischen Mittelmeerküste um mehr als 800.000 Euro betrogen worden war.

Dabei täuschte einer der Kriminellen von Mallorca vor, Mitglied der US-Marines zu sein. Und er behauptete, dass er wegen seiner militärischen Auslandseinsätze in geheimen Missionen unterwegs sei und sich deswegen nicht persönlich mit seiner großen Liebe treffen könne.

„In jahrelangen Kontakten gewannen die Betrüger das Vertrauen der Frau“, berichtet die mallorquinische Kripo, die die Ermittlungen leitete. In E-Mails, Briefen und Netzwerk-Nachrichten überhäufte die Bande ihr Opfer mit Liebesbekundungen. Sogar Videoanrufe, in denen einer der Täter die Rolle des Elitesoldaten spielte, benutzten sie, um sie auf die falsche Fährte zu locken.

Und um sie glauben zu machen, dass sie eine intensive Liebesbeziehung mit dem Mann unterhielte. Bei ihren Kontakten arbeiteten die Täter, wie in solchen Fällen üblich, mit falschen Benutzerkonten, um ihre Spuren zu verwischen – was die Ermittlungen schwierig machte.

Die Betrüger arbeiteten mit allen Tricks – ein Schauspieler spielte den Elitesoldaten

„Der falsche Soldat nutzte alle möglichen Ausreden, um die Frau um Geld zu bitten“, so die Ermitttler. Dabei habe er beispielsweise angeführt, er fürchte um sein Leben und brauche viel Geld für persönliche Sicherheitsmaßnahmen. Eine emotionale Erpressung, die Wirkung zeigte. Dargestellt wurde er von einem Schauspieler.

Die psychische Abhängigkeit der Frau von ihrem virtuellen Liebhaber wurde so groß, dass sie bereit war, ihre gesamten Ersparnisse zu überweisen und sogar Kredite für ihren angeblichen Bewunderer aufzunehmen. Erst als sie kein Geld mehr besaß und der mutmaßliche Verehrer plötzlich von der Bildfläche verschwand, ging die Frau zur Polizei.

„Romance Scam“ gilt als weit verbreitete kriminelle Methode

Der Trick mit dem Elitesoldaten funktionierte auch noch mit anderen Opfern von Datingportalen. Die Polizei warnt, dass die Betrüger bei der Liebesmasche, die bei Fachleuten unter dem englischen Begriff „romance scam“ bekannt ist, gerne interessant klingende Profile benutzen: Sie geben sich zum Beispiel auch als Ärzte oder erfolgreiche Geschäftsleute aus. Die Polizeibehörden in Spanien wie in anderen europäischen Staaten erhalten jedes Jahr Tausende von Anzeigen, in denen Frauen, aber auch Männer Opfer von „romance scammers“ wurden.

Das sagt die Polizei zu den Gefahren auf Datingportalen

Zudem wird mit einer hohen Dunkelziffer gerechnet, da viele Betroffene aus Scham den Betrug nicht anzeigen. Die Zahl der Fälle ist in den letzten Jahren derart gestiegen, dass inzwischen versucht wird, mit Aufklärungskampagnen gegenzusteuern: „Online die große Liebe zu finden, das ist heutzutage nichts Besonderes mehr“, schreibt etwa Deutschlands Polizei auf ihrer Beratungsseite. „Doch wie im echten Leben ist auch im Internet ein gewisses Maß an Misstrauen angebracht. Ganz besonders, wenn die neue Liebe um Geld bittet.“

Die Polizeiexperten empfehlen: „Gehen Sie nicht auf Forderungen des Scammers ein. Überweisen Sie auf keinen Fall Geld.“ Und: „Brechen Sie jeglichen Kontakt ab. Antworten Sie nicht auf Mails oder Anrufe des Scammers.“ Gefahr bestehe auch für Freunde im sozialen Netzwerk und für alle Kontakte im eigenen Mailadressbuch. „Denn die Täter schicken mit ihren Mails meistens auch einen Computervirus mit.“ Und dieser könne den Tätern die Kontrolle über den Rechner der Opfer und auch über deren Bankkonten ermöglichen.

Dieser Artikel erschien zuerst bei morgenpost.de.