Mallorca-Urlaub

Urlaub auf Mallorca wird bald kaum noch bezahlbar sein

Ingo Wohlfeil
| Lesedauer: 5 Minuten
Mallorca: Das ist die Lieblingsinsel der Deutschen

Mallorca: Das ist die Lieblingsinsel der Deutschen

Vier Millionen Deutsche fliegen jedes Jahr auf Mallorca. Die Geschichte der Lieblingsinsel der Deutschen.

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Berlin/Palma  Hitzewelle, Inflation, Massenansturm. Mallorca erlebt einen harten Sommer. Eines der beliebtesten Reiseziele deutscher Urlauber leidet.

  • Die beliebteste Urlaubsinsel der Deutschen leidet: Mallorca hat in diesem Jahr einen Rekord-Sommer erlebt
  • Rekord-Hitze, Rekord-Preise: Wie geht es im nächsten Jahr weiter?
  • Es ist davon auszugehen, dass der Mallorca-Boom schnell zu Ende geht

Mallorca hat schon wieder die Schnauze voll. Nach zwei entbehrungsreichen Corona-Jahren stöhnen die Inselbewohner jetzt unter dem Rekord-Ansturm der Touristen. Es ist zu voll. Findet auch die Ministerpräsidentin der Balearen, Francina Armengol. Kürzlich gab sie bekannt, dass man im Tourismus-Bereich nicht mehr wachsen wolle. Das kann schneller passieren als gedacht. Die mehrwöchige Hitzewelle und die dramatische Preisentwicklung werfen bereits jetzt ihre Schatten auf die kommende Saison.

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Urlaubsinsel in der Hitze: Temperaturen auf Mallorca "lebensbedrohlich"

Mallorca, Ende August. Die Endzüge des heißesten Sommers seit 1200 Jahren. Kaum Regen, wenig Wind, Lufttemperaturen bis 43 Grad, das Mittelmeer wird seinem Ruf als Badewanne gerecht: über 30 Grad ist es warm. Wer hier lebt, leidet.

„Que calor!“, zu Deutsch „was für eine Hitze“ war der meistgehörte Satz der letzten Monate. Jedes Gespräch der Einheimischen beginnt mit dieser Floskel. Doch auch Urlauber ächzen. Ingeborg Resack (74) aus Bremen ist im August nach Mallorca gereist, weil sie nur so die Möglichkeit hat, mit ihrem Enkel den Urlaub zu verbringen. „Das mache ich aber nie wieder!“, sagt die Rentnerin. „Das Wetter ist für meine Generation absolut lebensbedrohlich“.

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Mallorca war schon immer heiß im Sommer, doch diesmal war es heißer. So lag die Durchschnittstemperatur im Juli bei 26,8 Grad. Die Nächte eingerechnet. Das ist 2,2 Grad wärmer als im Schnitt. Bei nur 0,2 Liter Regen pro Quadratmeter. Die Befürchtung: Bedingt durch den Klimawandel könnten Hitze-Sommer durchaus zur Normalität werden. Meteorologe Marcus Boljahn vom Wetterdienst DTN Schweiz gibt mit dem Blick auf die Gesamtwetterlage nur eine kleine Entwarnung: „Nicht jeder Sommer wird so heiß“. Er fügt jedoch hinzu, dass die Rekordsommer jetzt häufiger vorkommen werden. Auch interessant: Wetter in Spanien: Spektakuläre Videos von Monsterhagel

Wucherpreise auf Mallorca: Inflation und Gier treiben die Lebensmittelpreise

Es war eine Schockmeldung, die dieser Tage durch die Mallorquinische Presse ging. Lebensmittel sind im Supermarkt ein Drittel teurer als noch vor einem Jahr. Ein Besuch in den Restaurants der Urlaubsorte dürften langsam selbst für die arbeitende Bevölkerung unmöglich werden. Denn dort haben sich die Preise seit 2019 fast verdoppelt. Hauptspeisen liegen mittlerweile zwischen 20 und 30 Euro. Selbst eine Bratwurst kostet mittlerweile 4,99 Euro bei der größten Fastfood-Kette an der Playa, dem Grillmeister.
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Wie ein Fels in der Brandung, der Inflation trotzend, steht Cemal Kocac (49) in seinem Laden. Der Deutsch-Türke eröffnete vor sechs Jahren ein Restaurant in einer Seitenstraße der Playa de Palma. Bei 40 Grad im Schatten klingt der Name wie ein Witz: „Alaska“. Vor sechs Jahren übernahm der Gastronom das ehemalige Eiscafé. Den Namen behielt er. Ebenso die Preise, die er seitdem nicht erhöht hat. 0,3 Liter Bier gibt es bei ihm für 1,80 Euro, die kleinen beliebten Paprikas „Piementos de Padron“ kosten 4,85 Euro, nur wenige Gerichte liegen über der 10-Euro-Grenze. Keine 200 Meter entfernt, muss der Urlauber für alles, was bei Cemal auf der Karte steht, das Doppelte zahlen.

„Was die da in der ersten Meereslinie machen, ist der Irrsinn und hat mit Inflation nichts zu tun“, sagt er. „Die Wirte versuchen die Preise auf ein Maximum zu erhöhen, nehmen alles mit, was diesen Sommer geht. Die hören erst auf, wenn keiner mehr bereit ist, zu zahlen“. Die Preisentwicklung von bis zu 30 Prozent für Lebensmittel lässt er nicht gelten. „Zwei Kilo Nudeln kosten im Einkaufspreis 20 Cent mehr. Na und?“. Immerhin überlegt er, den Bierpreis im nächsten Jahr um einige Cent zu erhöhen.

Der Sturm vor der Ruhe: Hoteliers erwarten Rekord-September

Mallorca steht vor dem umsatzstärksten Monat aller Zeiten. Im September 2022 werden mehr Flieger auf Mallorca landen, mehr Touristen denn je auf die Insel strömen. Jeder Wirt und Hotelier hat nochmal die Möglichkeit, das Säckel aufzufüllen bevor langsam der Winter kommt und es wieder sehr ruhig wird auf der Balearen-Insel. Doch schon jetzt steht eine ungewisse Frage im Raum: Was kommt in der nächsten Saison?

Sollten sich vor allem die Preise für Flüge, Hotel-, Lebensmittel sowie die Energiekosten nicht stabilisieren, hier und dortzulande, war es vorerst der letzte Boom auf der Urlaubsinsel. Viele Menschen werden sich dann den Urlaub auf Mallorca nicht mehr leisten können. Das bedeutet: kein Wachstum mehr. Es scheint, der Traum von Ministerpräsidentin Armengol könnte schneller wahr werden, als gedacht.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.