Partytourismus

Mallorca: "Megapark" eröffnet nach zweieinhalb Jahren wieder

Ingo Wohlfeil
| Lesedauer: 4 Minuten
Mallorca: Drei Dinge, die man über die Lieblingsinsel der Deutschen wissen muss

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Palma de Mallorca  Zweieinhalb Jahre stand das Partyleben auf Mallorca still. Bei der Eröffnung des „Megapark“ feierte man, als gäbe es kein Morgen.

So etwas gab es vor Mallorcas Partytempel noch nie: Menschen drängen sich schon am frühen Morgen vor den Toren. Stehen Schlange, um dabei zu sein, wenn der legendäre Megapark nach zweieinhalb Jahren Pandemie seine Pforten erneut öffnet.

Da ist die Sehnsucht, die Tausende deutsche Touristen an die Partymeile auf Mallorca treibt. Und ihr Verlangen nach Freude, Frieden und Feiern gibt einen Vorgeschmack auf eine Saison, die sich wieder mehr nach Freiheit anfühlen soll. Lesen Sie auch: Mallorca & Co.: Warum Spanien auf Corona-Tests verzichtet

Dass selbst einem wie Mickie Krause die Begeisterungsstürme entgegenfliegen, verwundert: Immerhin tritt Krause so häufig auf Mallorca auf, dass es in der Vergangenheit kaum der Rede wert war. Aber jetzt ist alles anders: Während der 51-Jährige auf der Bühne steht, ist draußen die Schlange immer noch 200 Meter lang ist.

Dass Krause überhaupt auf der Bühne steht, ist ein Zeichen der Hoffnung. Anfang des Jahres gab der Entertainer bekannt, dass er unter Blasenkrebs leide. Eine Operation lief erfolgreich, die Nachuntersuchung zeigte, dass der Krebs nicht gestreut hat.

Mallorca: Mickie Krause bei Eröffnung des Megaparks

Dennoch ist Krause in Therapie, dazu werden ihm einmal wöchentlich beim Urologen Bakterien gespritzt, die eine Blasenentzündung simulieren. „Ich habe jetzt sechs Wochen eine Blasenentzündung“, sagt er, kurz bevor er gegen halb neun am Abend auf die Bühne springt. Krause singt „Reiß die Hütte ab!“. Die Menge tobt. Aber das tut sie schon, seitdem sie den Megapark am Morgen betreten hat.

Zehn Uhr am Ballermann. Bis vor ein paar Jahren gab es um diese Zeit Freibier im Megapark. Das diente dazu, die Touristen gleich zu früher Stunde ins Lokal zu locken. Doch Freibier wurde jetzt verboten am Ballermann. Ebenso die Happy Hour. Das waren nur zwei der vielen Maßnahmen, die die Regierung seit Jahren anwendet, um den Sauftourismus an der Playa de Palma zu zügeln. Doch genutzt hat das bisher nicht viel, nach wie vor gilt die Playa als der Ort, an dem man ungezügelt feiern kann. Lesen Sie auch: Urlaub auf Mallorca: Insel wird harte Benimmregeln einführen

Mallorca: "Suffgeschwader" bucht sich für das ganze Jahr am Ballermann ein

Auch Corona konnte diesen Mythos nicht ankratzen. Und so steht bereits die wohl bekannteste Ballermann-Trinkervereinigung um zehn Uhr am Balneario 5 vor dem Megapark und glüht vor. Das „Suffgeschwader“ besteht seit 20 Jahren und reist jedes Jahr mehrfach nach Mallorca.

Die Truppe hat sich für die ganze Saison eine Drei-Zimmer-Wohnung in der Schinkenstraße genommen. „Da, wo der Ballermann am allerlautesten ist, wohnen halt die Hardcore-Fans“, sagt einer aus der Gruppe, ein Berliner Werbefachmann.

Megapark: Fans reisen für Eröffnung an

Und dass sie Hardcore sind, beweisen sie. Sie sind die Ersten, die den Megapark betreten, als der endlich die Menge hineinlässt. Klar, dass sie hier zwölf Stunden durchfeiern. Dagegen lassen sich Carlo (20) und Jens (19) aus Mainz, die in Fastnachtskostümen vor dem Megapark sitzen, erst einmal Zeit. Sie trinken gemütlich ­Desperado-Bier aus Glasflaschen, die beiden sind extra zum Megapark-Opening nach Mallorca gekommen. „Der ist sehr bekannt. Da geht die Party richtig ab.“ Lesen Sie auch:

Hoffen auf eine bessere Saison ohne Auflagen

Carlos Lucio ist Direktor im Megapark und eigentlich nicht ansprechbar. Er ist permanent in ­Bewegung. An jeder Ecke schaut er, ob alles funktioniert, der Laden läuft, die Kellner den Mundschutz tragen, jeder mit Getränken versorgt wird.

30 Monate hat der Mallorquiner auf die Wiedereröffnung gewartet. Dennoch ist ihm die Anspannung nicht anzumerken. „Ich bin glücklich. Ich hätte nie geglaubt, dass Normalität mich glücklich machen könnte“, sagt der 42 Jährige. Er hofft auf eine Saison, in der alle wieder ohne Auflagen feiern können.

Am Eröffnungstag ist der Feiertempel bereits seit elf Uhr rappelvoll. An Abstandhalten ist nicht zu denken. Corona ist kein Thema. Hier wird gefeiert, als ob die Welt in Ordnung wäre. Lesen Sie auch: Corona in Spanien: Mallorca schafft die 3G-Regel ab

Dieser Text erschien zuerst auf www.morgenpost.de