Umweltverschmutzung

Fische sterben in vergifteter Oder: Strand-Urlaub in Gefahr?

Martin Nefzger
| Lesedauer: 3 Minuten
Fischsterben in der Oder: Ursache bleibt unklar

Fischsterben in der Oder: Ursache bleibt unklar

Seit Tagen sorgt das massive Fischsterben in der Oder für Unruhe auf der deutschen und polnischen Seite. Die Ursache bleibt unklar. Erste Untersuchungen deuten auf das hochgiftige Schwermetall Quecksilber hin. IMAGES AND SOUNDBITES

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Stettin.  Das womöglich mit Quecksilber verschmutzte Wasser der Oder erreicht die Ostsee. Ist dort ein Urlaub am Strand noch gefahrlos möglich?

Es dürfte sich um eine der größten Umweltkatastrophen der vergangenen Jahre in Deutschland handeln: Seit Tagen sind Teile des Oder-Ufers an der deutsch-polnischen Grenze mit toten Fischen gesäumt. Sie sind, so der aktuelle Stand der Ermittlungen, wegen Giftstoffen im Flusswasser verendet. Inzwischen hat das verseuchte Wasser auch die Ostsee erreicht und könnte dort für weitere Probleme sorgen. Mehr zum Thema: Fischsterben an der Oder – "Umweltkatastrophe nie dagewesenen Ausmaßes"

Oder-Gift in der Ostsee: Stettiner Haff nicht betroffen

Später gab es dann teilweise Entwarnung. Dem Umweltministerium in Mecklenburg-Vorpommern zufolge sind bisher keine Fischkadaver im deutschen Teil des Stettiner Haffs entdeckt worden. „Bislang hat die Wasserschutzpolizei keine Kadaver gesichtet; auch Anwohner haben uns bislang nichts Derartiges gemeldet. Dennoch sind wir weiterhin in Alarmbereitschaft und beobachten die Situation vor Ort genauestens“, sagte Landesminister Till Backhaus (SPD) am Sonntag in Schwerin.

Am Samstag genommene Proben haben den Angaben nach unauffällige Werte für pH, Sauerstoffgehalt und Leitfähigkeit ergeben. Die Untersuchung auf Schadstoffe ist jedoch den Angaben nach noch nicht abgeschlossen und könnte mehrere Tage andauern. Entnommen werden die Proben an drei Messstellen unter anderem bei Ueckermünde und nahe der deutsch-polnischen Grenze.

Quecksilber in der Ostsee: Aktuell kein Badeverbot

Eine offizielle Warnung, im Stettiner Haff schwimmen zu gehen, gibt es bisher nicht. Das dürfte auch daran liegen, dass die Schadstoffe im Wasser – aktuell gehen die Ermittler davon aus, dass es sich um Quecksilber handelt – im Meer stark verdünnt werden. "Ob die Verdünnung ausreicht, dass es keine oder nur noch geringe Auswirkungen im Stettiner Haff gibt, kann ich im Moment noch nicht sagen. Dazu fehlen mir die Daten", sagte Manfred Santen, Chemieexperte bei Greenpeace, dem NDR.

An der restlichen deutschen Küste ist die Lage noch entspannt. Während in der Ostsee zwar aktuell Vibrionen für Probleme sorgen, dürfte das verseuchte Wasser das offene Meer bisher nicht erreicht haben. Zudem ist fraglich, ob es dort aufgrund der starken Verdünnung überhaupt zu Problemen kommt. Aktuell scheint einem Strandurlaub an der Ostsee also noch nichts im Wege zu stehen.

Fischsterben an der Oder: Wurden Chemieabfälle im Fluss entsorgt?

In den vergangenen Tagen war es an der Oder zu einem großen Fischsterben gekommen. Inzwischen wurde bekannt, dass mutmaßlich Quecksilber in den Fluss gelangt sein soll. Laut dem polnischen Regierungschef Mateusz Morawiecki könnten rechtswidrig in der Oder entsorgte Chemieabfälle dafür verantwortlich sein. "Es ist wahrscheinlich, dass eine riesige Menge an chemischen Abfällen in den Fluss gekippt wurde, und das in voller Kenntnis der Risiken und Folgen", so der Politiker.

Entlang der Oder wurde bereits damit begonnen worden, die toten Fische zu bergen. So soll verhindert werden, dass andere Tiere die Kadaver fressen und so die Giftstoffe aufnehmen. "Ich rechne mit mehreren Tonnen Fisch, die wir rausholen", zitiert "Welt" einen Sprecher des Kreises Märkisch-Oderland.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.