BBC-Interview

Trump lügt über seine Bekanntschaft mit Prince Andrew

London.  Er soll eine 17-Jährige zum Sex gezwungen haben. Die Kritik an Prinz Andrew nimmt weiter zu. Selbst Donald Trump äußert sich zum Fall.

"Ekelhaft": Sex-Vorwürfe gegen Prinz Andrew

Die US-Amerikanerin Virginia Guiffre hat in einem BBC-Interview erneut schwere Vorwürfe gegen Prinz Andrew erhoben. Sie sei drei Mal zum Sex gedrängt worden, zwei mal mit 17 Jahren. Es sei "ekelhaft" gewesen. Prinz Andrew, Sohn von Queen Elizabeth II., war jahrelang mit dem US-Multimillionär Jeffrey Epstein befreundet.

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Prinz Andrew hat das britische Königshaus in eine handfeste Krise gestürzte. Der Prinz, der in den Missbrauchsskandal um den verstorbenen US-Geschäftsmann Jeffrey Epstein verwickelt ist, hat sich nach seinem peinlichen Fernsehinterview selbst ins Abseits gestellt. Auf Anweisung der Queen musste er kürzlich von all seinen öffentlichen Ämtern zurücktreten.

Und so blieb auch sein Platz am Dienstagabend im Buckingham Palace leer. Dort hatten Queen Elizabeth II., Prinz Charles und Herzogin Camilla die 29 Staats- und Regierungschefs der Nato empfangen. Der Prinz musste da wohl erstmal das Interview verdauen, das Virginia Giuffre mit der BBC geführt hatte und in dem sie schwere Vorwürfe äußerte.

Prinz Andrew soll 17-Jährige zum Sex gezwungen haben

Sie schildert in dem Interview, sie sei in den Jahren 2001 und 2002 drei Mal zum Sex mit Prinz Andrew gezwungen worden, zwei Mal davon als 17-Jährige. Ihr Interview stößt auf ein großes Echo: Es hätte für Andrew nicht schlimmer kommen können“, sagte die Royal-Expertin Penny Junor.

„Virginia Giuffre klingt in diesem Interview sehr plausibel, während hingegen die meisten Ausreden von Andrew in seinem Interview lachhaft waren“, sagte Junor am Dienstag der Nachrichtenagentur PA. Die US-Amerikanerin habe auch einen viel sympathischeren Eindruck hinterlassen als Andrew. Zugleich warnte Junor, die mehrere Bücher über die Royals geschrieben hat, aber auch vor Vorverurteilungen.

Donald Trump äußert sich zum Fall

Sogar US-Präsident Donald Trump wurde anlässlich des Nato-Gipfels in London gefragt, was er denn eigentlich von den Vorgängen rund um Prinz Andrew halte. „Ich kenne Prinz Andrew nicht“, sagte Trump am Dienstag den Journalisten. „Aber das ist eine heftige Geschichte, es ist eine sehr heftige Geschichte. Ich weiß es nicht.“ Alte Bilder zeigen die beiden Männer jedoch bei mehreren Gelegenheiten nebeneinander.

Giuffre hatte zu Protokoll gegeben, Andrew habe ihr in einem Londoner Nachtclub Wodka zu trinken gegeben. Dann habe Andrew mit ihr tanzen wollen. „Er ist der abscheulichste Tänzer, den ich in meinem ganzen Leben gesehen habe“, sagte die Frau in dem Interview, das am Montagabend gesendet wurde. „Es war schrecklich.“

Prinz Andrew legt öffentliche Ämter nieder

Andrew habe sehr stark geschwitzt – „es regnete praktisch überall hin“. Sie habe sich davor geekelt, sagte die US-Amerikanerin. „Aber ich wusste, ich musste ihn glücklich machen.“ Das hätten Jeffrey Epstein und dessen Freundin Ghislaine Maxwell von ihr erwartet.

„Dies ist keine schmutzige Sex-Geschichte“

Später sei sie gedrängt worden, mit Andrew zu schlafen. „Es dauerte nicht sehr lange, die ganze Prozedur. Es war ekelhaft“, erinnerte sich Giuffre. „Ich war gerade von einem Mitglied der Royal Family missbraucht worden.“ Sie forderte die britische Öffentlichkeit auf, sie zu unterstützen.

Ein Foto, das Andrew mit der damals 17 Jahre alten Virginia Giuffre im Haus von Maxwell in London zeigt, will der Prinz nicht wiedererkennen. Behauptungen, das Foto könnte manipuliert sein, bezeichnete Giuffre im BBC-Interview als „lächerlich“. „Es gibt nur einen von uns, der die Wahrheit sagt, und ich weiß: Das bin ich.“ Sie flehe die Briten an, ihr zu glauben. „Dies ist keine schmutzige Sex-Geschichte. (...) Dies ist eine Geschichte über Missbrauch.“

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Prinz Andrew wehrt sich

Prinz Andrew streitet die Vorwürfe ab. Fakt ist, dass er eine gute Beziehung zum US-Geschäftsmann Jeffrey Epstein pflegte und oft in dessen Häusern zu Besuch war. Der einschlägig vorbestrafte US-Amerikaner nahm sich im August 2019 in Untersuchungshaft das Leben. Ihm wurde vorgeworfen, Dutzende Minderjährige missbraucht und zur Prostitution gezwungen zu haben.

Solche Vorwürfe erhebt die Staatsanwaltschaft gegen Prinz Andrew nicht – zumindest bislang. Dennoch ist nicht auszuschließen, dass er in den Fokus der Ermittler rückt. Prinz Andrew hat allerdings angekündigt, dass er Ermittlungsbehörden seine Zusammenarbeit anbieten will.

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Beim Nato-Treffen war es übrigens nicht nur der Platz von Prinz Andrew, der leer bliebt. Prinz Harry und dessen Frau Meghan, eine bekennende Trump-Gegnerin, waren ebenfalls nicht dabei: Sie haben eine mehrwöchige Pause von öffentlichen Verpflichtungen eingelegt und waren über Thanksgiving bei Meghans Mutter in den USA. (bekö/dpa)

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