Digital-Experte

Sascha Lobo: Warum das Netz uns zu besseren Menschen macht

Oliver Stöwing
| Lesedauer: 4 Minuten
Sascha Lobo und seine Frau Jule Lobo, als Podcasterin auch bekannt als Jule Wasabi.

Sascha Lobo und seine Frau Jule Lobo, als Podcasterin auch bekannt als Jule Wasabi.

Foto: Pauline Bossdorf/Studio Bummens

Berlin.  Sascha Lobo ist Digital-Experte und kennt sich mit den Royals aus. Als Neu-Vater versucht er, selbst in Krisen optimistisch zu bleiben.

Wenn man ihn in einer Talkshow sieht, erwartet man, dass gleich Ballons von der Decke fallen, weil es seine 1000. Sendung sein muss. Nein, die Rede ist nicht von Karl Lauterbach, der hat die 1000 wohl schon überschritten. Sondern von Sascha Lobo. Mit seiner Punkfrisur signalisiert der 46-Jährige fast schon plakativ, dass er sich als Rebell versteht.

Sascha Lobo: Magazin nannte ihn „Blogwurst“

Für viele ist der gebürtige Westberliner vor allem eine Reizfigur: „Was macht der eigentlich?“, fragen sie. „Blogger“ oder „Digital-Experte“ lässt immer noch nicht jeder als Beruf durchgehen. Als „Blogwurst“ schmähte ihn einmal ein Printmagazin. Schwang da Neid mit, weil Lobo sich als „digitaler Bohemian“ nie auf einen Bürostuhl festtackern ließ?

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Im Videointerview soll es um Gefühle gehen. „Wut, Trauer, ein bisschen Resignation und auch etwas Angst“ habe er beim Surfen durch die morgendlichen News über die Ukraine gespürt, erzählt er. Doch einfach alles nur schlimm zu finden, das kommt für ihn und seine Frau Jule Lobo nicht mehr infrage.

Vor acht Monaten sind sie Eltern eines Sohnes geworden, und Jule ist wieder schwanger: „Das Jahr 2050 ist nicht mehr superweit weg, sondern es ist ein Jahr, in dem unsere Kinder junge Erwachsene sein werden. Man will ihnen Schutz bieten und sie befähigen, in der komplexen Welt zurechtzukommen. Dazu muss ich sie selbst begreifen.“

Lobo studierte 38 Semester an der Uni

Lobo liefert druckreife, oft akademische Sätze – 38 Semester Gesellschaftswissenschaft haben ihre Spuren hinterlassen. „Wir wollen einen Weg finden, informiert zu bleiben, ohne zu verzweifeln“, sagt er. „Rund um die Uhr stürzt die Welt auf uns ein. Das lässt einen eben nicht kalt. Wenn man genauer hinguckt, dann findet man aber oft etwas Hoffnung an unverhofften Orten.“

Sie seien schon optimistischer Natur, sagt er weiter, „aber unser Ziel ist es nicht, um jeden Preis optimistisch zu bleiben, das wäre schwer zu schaffen. Unser Ziel ist es, die Situation zu verstehen und einzuschätzen, was das bedeutet und wohin es führt, um dann besser damit umgehen zu können.“ Darüber haben die Eheleute nun einen Podcast gemacht. In „Feel The News“ diskutieren sie die Nachrichten der Woche und sprechen über die Gefühle, die sie auslösen

Engagement durch Internet

Dann räumt Lobo mit dem Vorurteil auf, das Internet und insbesondere soziale Medien stumpften uns ab: „Ich glaube, die Empathie ist durch soziale Medien eher größer geworden. Vielleicht ist sie auch kurzzeitiger geworden. Aber man bekommt sehr viel mit, aus dem Umfeld ebenso wie vom anderen Ende der Welt.“ Weil das alles so persönlich sei, wecke es Mitgefühl. „Ohne Internet wären Bewegungen wie #Metoo, Fridays for Future oder Black Lives Matter nicht entstanden.“

Auch fruchtbare Diskussionen gebe es im Netz: Die gingen nur im Lärm um die „richtige“ Meinung unter. Um zu wissen, was Deutschland bewegt, suche er die Nähe zu Gesprächen in Fußgängerzonen und Kantinen. Doch ausgerechnet da will man sich den Alt-Hipster aus dem Berliner In-Viertel Prenzlauer Berg nicht so richtig vorstellen.

„Meghan und Harry sind „hochinteressant“

Dennoch: Elitäre Interessen kann man ihm nicht vorwerfen. Er kennt sich aus, etwa mit Prinz Harry und Herzogin Meghan. „Die royalen Geschichten sind oft prototypisch, fast wie die altgriechischen Göttermythen“, sagt er. In den Konflikten erkenne man sich wieder. Wie Harry und Meghan nach ihrer Abkehr von der Familie und deren Geldhähnen ihr Leben meistern, das sei „hochinteressant“.