Autobahn

Schwerer Unfall verhindert – Männer stoppen Betonmischer

Berlin.  Zwei Autofahrer haben einen schweren Unfall auf der Berliner Stadtautobahn verhindert. Hier erzählt einer der beiden von dem Vorfall.

Zwei Männer haben auf einer Autobahn bei Berlin einen schlimmen Unfall verhindert.

Zwei Männer haben auf einer Autobahn bei Berlin einen schlimmen Unfall verhindert.

Foto: Boris Roessler / dpa

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Zwei Männern haben am Dienstagvormittag auf der Berliner Stadtautobahn Schlimmeres verhindert. Es ist ihrem mutigen Eingreifen zu verdanken, dass es nicht zu einem folgenschweren Verkehrsunfall kam. Und möglicherweise retteten sie auch noch dem 50 Jahre alten Fahrer eines Betonmischers das Leben.

Diese beiden Männer, ein 37 Jahre alter Autofahrer aus der Schweiz und der 25-jährige Thomas Zupp aus Königs Wusterhausen südlich von Berlin, wurden Zeugen, wie ein Betonmischer Schlangenlinie auf der Autobahn 113 fuhr. Beim Überholen erkannten sie, dass der Fahrer des Lkw offenbar das Bewusstsein verloren hatte.

Nach Angaben der Polizei ereignete sich der Vorfall am Dienstagvormittag gegen 10.30 Uhr. Wie Thomas Zupp die Rettungsaktion erlebte, erzählte er am Mittwoch der Berliner Morgenpost.

Betonmischer führerlos auf Autobahn: „Die anderen Autofahrer haben wie wild gehupt“

„Ich bin Requisitenfahrer für eine Filmproduktionsfirma und war gerade wieder auf dem Weg zum Produktionsbüro auf der Autobahn unterwegs“, sagt Zupp. „Mit meinem VW-Transporter fuhr ich auf der mittleren Fahrspur, der Betonmischer fuhr schräg vor mir auf dem rechten Fahrstreifen. Da fiel mir schon die Fahrweise auf. Der Lkw fuhr in Schlangenlinien und wurde auch langsamer.

Dann ist er plötzlich von ganz rechts über die Mittelspur auf den linken Fahrstreifen gewechselt. Als ob der Fahrer komplett die Kontrolle verloren hätte. Die anderen Autofahrer auf der Autobahn haben wie wild gehupt. Da kann man nur von Glück sagen, dass kein Auto in den Lkw gerast ist.

Ich bin dann langsam an dem Lastwagen vorbeigefahren. Dabei habe ich gesehen, dass mit dem Fahrer irgendetwas nicht gestimmt hat. Ich konnte nicht erkennen, dass er aufrecht hinter dem Lenkrad gesessen hat. Er muss wohl das Bewusstsein verloren haben, habe ich mir gesagt.

Retter sprangen auf das Trittbrett des Betonmischers

Da musste ich einfach handeln. Das muss sich auch noch ein anderer Autofahrer gedacht haben. Wir sind mit unseren Fahrzeugen dann vor den Betonmischer gefahren und haben unsere Autos gestoppt. Der Mann aus der Schweiz und ich sind dann sofort zur Fahrerseite gerannt. Der Lkw rollte ja nur noch im Schritttempo. Wir sind auf das Trittbrett gesprungen und haben die Fahrertür geöffnet. Dann habe ich die Handbremse gezogen und den Zündschlüssel aus dem Zündschloss gezogen.

So haben wir den Betonmischer auf der Autobahn gestoppt. Der Lkw kam direkt an der Abgrenzung zu den Gegenfahrbahnen zum Stehen. Dann habe ich sofort mit meinem Handy die Polizei angerufen und war auch bis zum Eintreffen mit ihr verbunden.

Als der Motor aus war, kam der Fahrer des Betonmischers langsam wieder zu sich, wollte die Fahrertür schließen und weiterfahren. Ich hatte den Eindruck, der Mann stand völlig neben sich und hat überhaupt nicht mitbekommen, was da gerade passiert war. Wir haben den Mann dann noch in der Fahrerkabine mit Wasser versorgt, bis Polizei und Feuerwehr kamen“, erzählt Zupp.

Patient mit Schlaganfall-Mobil in Klinik gebracht

Wie die Polizei am Mittwoch mitteilte, haben die alarmierten Einsatzkräfte der Feuerwehr den 50 Jahre alten Lkw-Fahrer noch auf der Autobahn versorgt. Mit einem sogenannten Stemo-Fahrzeug wurde er in ein Krankenhaus transportiert.

Das Stroke-Einsatz-Mobil wird wegen seiner speziellen, hoch technischen Ausstattung überwiegend bei Schlaganfällen eingesetzt. Im Team der Fahrzeugbesatzung arbeiten Fachärzte für Neurologie mit Zusatzqualifikation zum Notarzt.

Laut Polizei kam ein Verantwortlicher einer Transportfirma und fuhr den Betonmischer von der Stadtautobahn. Alle Teilsperrungen konnten gegen 11.20 Uhr aufgehoben werden. Über den Gesundheitszustand des Lkw-Fahrers konnte die Polizei am Mittwoch keine Angaben machen.

„Nach der ganzen Aktion habe ich erst einmal mit meiner Mutter und mit ein paar Freunden telefoniert. Das musste ich einfach alles loswerden, so etwas passiert einem ja auch nicht jeden Tag“, sagte Retter Thomas Zupp. „Dann habe ich normal weitergearbeitet und bin am Abend zum Fußballtraining gegangen.“

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