Italien

Tödlicher Gardasee-Unfall: Deutscher ist wieder frei

Micaela Taroni
| Lesedauer: 3 Minuten
Drama am Gardasee: Die Segler hatten keine Chance gegen die Yacht.

Drama am Gardasee: Die Segler hatten keine Chance gegen die Yacht.

Foto: Gabriele Strada / picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Modena  Nach dem tödlichen Drama am Gardasee wurde ein Münchner Manager in Italien verhaftet. Nun wird der Mann nach Deutschland überstellt.

Der Münchner Manager Patrick K., der wegen eines tödlichen Unfalls am Gardasee im Juni 2021 zu vier Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden war, ist wieder frei. Der 53-Jährige wurde am Freitag in der norditalienischen Stadt Modena aus dem Hausarrest entlassen. Jetzt darf er nach Deutschland zurückkehren.

Der Hausarrest wurde mit einem Aufenthaltsverbot in den Provinzen um den Gardasee Brescia, Verona und Trient ersetzt, beschloss ein Gericht in Brescia. In Deutschland wird Patrick K. auf das Berufungsverfahren warten, bei dem er auf einen Freispruch hofft.

Patrick K. war am 5. Juli 2021 in Italien festgenommen worden, nachdem er sich am Brenner der Polizei gestellt hatte. Der Münchner, der am Steuer des Motorbootes gewesen war, das am 19. Juni 2021 ein Boot mit einem Paar angefahren und den Tod von zwei Italienern verursacht hatte, war im März von einem Gericht in Brescia zu vier Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden.

Angeklagt wegen unterlassener Hilfeleistung und fahrlässiger Tötung

Zwei Jahre und elf Monate wurden über den zweiten Angeklagten, der mit Patrick K. im Boot war, verhängt. Die beiden Männer waren wegen unterlassener Hilfeleistung und fahrlässiger Tötung angeklagt.

Sie waren verantwortlich für die Tragödie am Gardasee vom 19. Juni: Nach einem besonderen Festtag wollten Unternehmer Umberto Garzarella (37) und seine Freundin Greta Nedrotti (25) mit ihrem kleinen Boot auf die andere Seite des Sees segeln. Dort kamen die beiden aber nie an. Das Drama soll sich auf der Strecke zwischen den Urlaubsortschaften Saló und San Felice del Benaco ereignet haben.

Die Yacht „Orso“ raste über das Boot des Pärchens hinweg

Die mächtige Riva-Yacht „Orso“ mit den zwei Münchnern an Bord raste bei hoher Geschwindigkeit über das Holzboot der beiden Verlobten hinweg, überrollte es buchstäblich. Die beiden Männer fuhren weiter – ohne zu helfen. Vor Gericht erklärten sie, vom Zusammenstoß mit dem Boot nichts gemerkt zu haben.

Angehörige empört über mildes Urteil

Garzarella wurde tot in dem Kahn entdeckt. Erst Stunden später bargen Taucher die Leiche von Greta Nedrotti. Die italienische Justiz suchte später einen der beiden Münchner per europäischem Haftbefehl. Der Angeklagte verbrachte mehrere Monate in Untersuchungshaft. Die Angehörigen der Opfer kritisierten das Urteil als deutlich zu milde. Lesen Sie auch: „Baby Gangs“ randalieren in Italien – Behörden besorgt

Vater des Toten lud Angeklagte zum Besuch des Grabs ein

Der Vater von Umberto hatte die beiden Angeklagten eingeladen, das Grab seines Sohnes in Salò zu besuchen. Das Treffen fand fernab von Kameras und Fotografen statt.

In Andenken an Greta und Umberto ein Jahr nach dem Unglück wurde eine Spende für den Kauf eines Unterwasser-Suchroboters, gestartet. Er wurde einer Freiwilligen-Organisation am Gardasee gespendet.