Naturkatastrophe

Türkei: Starker Regen – Lage bei Waldbränden entspannt sich

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Türkei: Anwohner helfen im Kampf gegen Waldbrände

Türkei: Anwohner helfen im Kampf gegen Waldbrände

Im Süden der Türkei helfen Anwohner der Feuerwehr im Kampf gegen die verheerenden Waldbrände. Sie schlagen Schneisen, bringen den Feuerwehrleuten Trinkwasser und Nahrung und halten die Schläuche.

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Ankara.  Die vielen Waldbrände in der Türkei sind allmählich unter Kontrolle. Regenfälle halfen bei Löscharbeiten – sowie Tausende Freiwillige.

  • Seit fast zwei Wochen kämpft die Türkei gegen starke Waldbrände
  • Viele der Feuer sind inzwischen unter Kontrolle, am Wochenende regnete es zudem
  • In Antalya wurden die Brände eingedämmt – an anderer Stelle geht der Kampf aber weiter

Die Türkei kämpft noch immer gegen die schwersten Waldbrände seit Jahren. Besonders betroffen sind die süd-und westtürkischen Küstenregionen Antalya, Marmaris, Bodrum und Milas. Allerdings entspannt sich die Lage allmählich. Aus der Region Antalya konnten mittlerweile Einsatzkräfte auf andere Krisenregionen verteilt werden. Dort hatten Regenfälle die Löscharbeiten erleichtert.

Rund 200 Brände konnten die Einsatzkräfte in 47 Regionen unter ihre Kontrolle bringen. Mindestens sechs weitere waren am Sonntag laut offiziellen Angaben noch nicht unter Kontrolle. Ein kontrolliert geglaubtes Feuer in der Provinz Aydin wurde durch den Wind wieder entfacht, wie der Sender NTV berichtete.

Türkei: Wind erschwert Löscharbeiten

Auch Wohngebiete waren zeitweilig von den Flammen bedroht. In Milas verschlangen Feuer in der Nacht mehrere Viertel, die zuvor evakuiert worden waren, wie lokale Behörden mitteilten. Das Feuer dort sei inzwischen unter Kontrolle, an anderer Stelle rücke es jedoch weiter auf Wohngebiete vor.

Seit dem Ausbruch der Brände am vergangenen Mittwoch sind Schätzungen zufolge mindestens 100.000 Hektar Wald und Felder den Flammen zum Opfer gefallen – eine Fläche knapp doppelt so groß wie der Bodensee. 16.000 Hektar Fläche verbrannten nach Angaben lokaler Behörden alleine in Marmaris. Die Einsatzkräfte konzentrierten sich vor allem auf die westtürkische Provinz Mugla. Dort erschwerten Winde die Löscharbeiten.

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Waldbrände: Tausende Kräfte im Einsatz

Seit Beginn der Brände vergangene Woche wird immer wieder Kritik am Krisenmanagement der türkischen Regierung laut. Die Opposition wirft ihr etwa vor, dass keine eigenen einsatzfähigen Löschflugzeuge zur Verfügung standen. Mit Hilfe aus dem Ausland sind nach offiziellen Angaben mittlerweile rund 5250 Feuerwehrleute und mehr als 80 Hubschrauber, Flugzeuge und Drohnen sowie etwa 1000 Fahrzeuge gegen das Feuer im Einsatz.

Tausende Freiwillige unterstützen die Rettungsteams, unter anderem in Mugla. Wegen des gebirgigen und abschüssigen Geländes können Fahrzeuge das stark bewaldete Gebiet vom Land aus schlecht erreichen. "Über uns sind mindestens 2000 Freiwillige in den betroffenen Gebieten", sagte ein Sprecher der Katastrophenschutzbehörde Afad der Deutschen Presse-Agentur. Unzählige andere, die auf eigene Faust in die Brandgebiete reisen, kämen hinzu.

Feuer in der Türkei: Erdogan beschuldigt politische Gegner

Zur Brandursache wird weiter ermittelt. Ein Feuer in Marmaris sollen Kinder aus Versehen ausgelöst haben. In Bodrum waren vergangenen Donnerstag Medienberichten zufolge drei Menschen festgenommen worden, unter dem Verdacht, Zigarettenstummel aus dem Auto geworfen zu haben.

Präsident Recep Tayyip Erdogan hat auch die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK beschuldigt, Feuer gelegt zu haben. Mindestens acht Menschen sind in der Türkei durch die Flammen ums Leben gekommen, Hunderte wurden verletzt.

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Brände im Mittelmeerraum: Griechenland und Türkei helfen gegenseitig

Neben der Türkei kämpft auch Griechenland gegen schwere Waldbrände. Nun haben die beiden Staaten beschlossen, sich gegenseitig bei der Bekämpfung von Bränden zu helfen - wenn die Feuer im jeweils eigenen Land unter Kontrolle gebracht wurden. Dies teilte der griechische Außenminister Nikos Dendias am Freitag mit, nachdem er mit Cavusoglu telefoniert hatte.

Die beiden Nachbarstaaten streiten sich seit Jahrzehnten um Hoheitsrechte in der Ägäis und um die Zypernfrage. In den vergangenen Monaten hatte sich die Lage weiter zugespitzt.

(dpa/lhel/pcl)