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Italien: Aufstand den Stränden – Baden soll günstiger werden

Micaela Taroni
| Lesedauer: 3 Minuten
Sonnencreme abgelaufen? So lange ist sie noch gut!

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Erklärung wie lange Sonnencreme haltbar ist.

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Rom.  Die EU will das Monopol der Strandliegenverleiher brechen und drängt auf EU-weite Ausschreibung. Italiens Familienbetriebe sind empört.

Während das Tyrrhenische Meer grünlich-blau schimmert, laufen am großen Sandstrand die Vorbereitungen auf den Frühling. Die Duschen werden gerade renoviert, die Umkleidekabinen neu gestrichen. In Cerenova, einem beliebten Badeort 40 Kilometer nordwestlich von Rom, kann man es kaum erwarten, dass wieder sonnenhungrige Hauptstädter an die Küste kommen, um sich unter einem der vielen bunten Sonnenschirme auszubreiten.

Sie heißen „stabilimenti balneari“: Die kostenpflichtigen Badestellen sind typisch für Italiens Strandkultur, es gibt sie nicht nur in Cerenova, sondern fast überall entlang der 7550 Kilometer Meeresufer. Doch nun wird das Sonnenbaden zum politischen Zankapfel. Die Regierung in Rom hat neue Vorschriften verabschiedet, sie legt sich mit den Betreibern der kostenpflichtigen Badestellen an.

Der Regierungsbeschluss treibt die Betreiber auf die Barrikaden. „Die EU will uns unsere Strände wegnehmen“, protestieren sie und wittern ein Komplott – kleine Familienbetriebe sollten aus dem Geschäft gedrängt werden. So sehen sie das in Cerenova und anderswo. Auch interessant:Deutsche kauft Ferienhaus in Italien – für Schnäppchen-Preis

Italien vergibt Strand-Lizenzen für wenig Geld

„Ganze Familien leben seit Jahrzehnten von ihren Strandanlagen, man kann sie ihnen nicht einfach so wegnehmen“, schimpft Alessandro Berton, Präsident des Unionmare Veneto, also des Verbands der Strandanlagenbetreiber. „Hände weg von unseren Stränden!“ Berton droht Ministerpräsident Mario Draghi mit dem Gang zum Europäischen Gerichtshof, sollte er die Reform nicht zurücknehmen. Doch danach sieht es nicht aus.

Hintergrund der Reform ist die nach einem ehemaligen EU-Kommissar benannte Bolkestein-Direk­tive, die die Europäische Union bereits 2006 erlassen hat und mit der öffentliche Dienstleistungen für private Anbieter geöffnet wurden. Für Italiens Strandbadbetreiber bedeutet das: Die staatlichen Konzessionen für die von ihnen belegten Strandabschnitte müssten in regelmäßigen Abständen neu ausgeschrieben werden, weil es sich bei den Stränden mehrheitlich um öffentlichen Grund handelt.

Italien stimmte der Bolkestein-Direktive damals zwar zu, ignorierte sie aber in der Praxis: In den 16 Jahren seit dem Inkrafttreten haben sämtliche Regierungen die Konzessionen stillschweigend und ohne Ausschreibung verlängert. Unter Draghi ist damit nun Schluss. Wer sein Strandbad weiter betreiben will, muss sich ab 2024 um eine neue Bewilligung bewerben – und sich gegen Konkurrenz durchsetzen.

Die Sonnenschirm-Anbieter sind alarmiert. 90 Prozent der „stabilimenti“ sind Familienbetriebe. Die quasi geschenkten, von den Gemeinden vergebenen Strandbad-Lizenzen werden von Generation zu Generation vererbt. Mehr als 21.000 der insgesamt rund 30.000 Lizenzträger bezahlen weniger als 2500 Euro pro Konzession im Jahr. Dabei sind sie äußerst einträglich. Eine Liege in erster Reihe am Wasser kostet mancherorts bis zu 50 Euro am Tag. Lesen Sie hier: Corona in Italien – Regeln bringen Impfgegner auf Barrikaden

Italiens Meer soll für alle erreichbar sein – nicht nur für zahlende Kunden

Im Jahr 2019 nahm der Staat nur 115 Millionen Euro aus dem Verkauf der Lizenzen ein, während das Geschäft selbst auf rund 15 Milliarden Euro jährlich beziffert wird. Draghi erhofft sich höhere Einnahmen. Die neuen Betreiber müssen außerdem allen Badegästen freien Zugang zum Strand gewähren, nicht nur ihren Kunden.

Bürgerinitiativen beschweren sich schon seit Langem darüber, dass die Badeanlagen immer mehr Strandabschnitte in Beschlag nähmen. Auch die Preise für Schirme und Stühle werden begrenzt. Für Urlauber dürfte das eine gute Nachricht sein. Auch interessant: Wildschweine erschrecken Urlauber an der polnischen Ostsee

Dieser Artikel erschien zuerst bei www.morgenpost.de.