Sommerurlaub

Italien macht Strände dicht: Wo man jetzt Tickets braucht

Micaela Taroni
| Lesedauer: 4 Minuten
Die Traumstrände auf Sardinien sind schnell überfüllt. Reservierungen sollen den Touristenstrom kanalisieren.

Die Traumstrände auf Sardinien sind schnell überfüllt. Reservierungen sollen den Touristenstrom kanalisieren.

Foto: DaLiu / Shutterstock

Rom.  Italien fürchtet Touristenmassen im Sommer. Erste Badeorte verlangen eine Reservierung: Ohne Buchung darf niemand mehr ins Wasser.

  • Im Kampf gegen überfüllte Strände gehen einige Gemeinden in Italien nun neue Wege
  • Sie setzen auf Reservierungen und beschränken so den Zugang zum Meer
  • Lesen Sie hier, wo Urlauber ihr Ticket für den Strand jetzt vorab buchen müssen

Idyllische Buchten, blühende Kiefern, grünlich-blau schimmerndes Wasser: Die Insel Caprera vor der Küste Sardiniens hat den über einen 600 Meter langen Damm zuhauf anreisenden Urlaubern viel zu bieten. Doch mit dem Ansturm ist jetzt Schluss.

Wer am Sandstrand Cala Coticcio baden möchte, darf das neuerdings nur in Begleitung eines offiziellen Reiseleiters und muss vorher eine Eintrittskarte buchen. Die Behörden gewähren nur noch 60 Besuchern pro Tag Zugang zum Traumstrand. Wer zu spät kommt, hat Pech gehabt.

Das gilt nicht nur auf Caprera. Weil Italien in diesem Sommer mit einem Tourismusboom wie in vorpandemischen Zeiten rechnet, müssen Urlauber in vielen beliebten Badeortschaften den Strandbesuch vorab reservieren. Um etwa einen Massenandrang am karibisch wirkenden weißen Sandstrand von Brandinchi im bei Prominenten beliebten Ort San Teodoro auf Sardinien zu vermeiden, werden nicht mehr als 1447 Badegäste pro Tag zugelassen.

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Italiens Strände: Umwelt statt Wirtschaft

Abschottung aus Sorge vorm Besucherkollaps: Hotels sind mancherorts bereits ausgebucht, Deutsche, Amerikaner und Briten stürmen nach mehr als zwei Jahren Corona-Pause wieder unbeschwert die Kunststädte Venedig, Florenz, Rom und Neapel. „Erstmals nach vielen Jahren haben wir mehr Besucher als Spanien, unsere direkten Konkurrenten“, jubelt Italiens Tourismusminister Massimo Garavaglia.

Doch der Neustart des Fremdenverkehrs birgt Schattenseiten. Anwohner protestieren gegen die Besuchermassen, und die Behörden reagieren. „Ich weiß genau, dass diese Entscheidung einigen missfällt“, sagt Yuri Donno mit Blick auf enttäuschte Urlauber. Der Direktor des Nationalparks, in dem Caprera liegt, weiß, dass es im Interesse der Wirtschaft wäre, so viele Menschen wie möglich kommen zu lassen. Aber der Umweltschutz sei wichtiger: „Wir müssen bedenken, dass das ökologische Erbe fragil ist.“

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Auch Lampedusa – international mittlerweile eher mit Massenlandungen afrikanischer Migranten als mit seinem türkisfarbenem Meerwasser assoziiert – setzt Badegästen Schranken. Der unter dem Namen Kaninchenstrand bekannt gewordene Spiaggia dei Conigli im Süden der Insel gilt als eine der schönsten Küsten Europas: Im klaren Wasser schwimmen Delfine und Meeresschildkröten, der Sand unter den Füßen ist angenehm weich.

Entsprechend viele Gäste könnten in den nächsten Monaten kommen und die Bucht überlaufen. Ab dem 15. Juli wird auch der Kaninchenstrand daher nur nach vorheriger Buchung zugänglich sein – und zwar nur in der Zeit zwischen 8.30 und 13.30 Uhr sowie zwischen 14.30 und 19.30 Uhr.

Italiener können sich Urlaub nicht leisten

Die Behörden lassen höchstens 300 Personen gleichzeitig zu. Die haben immerhin das Privileg, einen Strand ohne Badeanstalten genießen zu können – in Italien eine Seltenheit: Die „stabilimenti balneari“, die kostenpflichtigen Badestellen, sind typisch für die Strandkultur des Landes, es gibt sie fast überall entlang der mehr als 7500 Kilometer Meeresufer.

Viele italienische Familien können sich einen Badeurlaub im eigenen Land nicht mehr leisten. Die teils unverschämten Preise der Stabilimenti sind jeden Sommer aufs Neue ein heißes Thema – im Promi-Ort Porto Cervo auf Sardinien beispielsweise müssen zwei Personen für Sonnenschirm und Liegen locker 250 Euro hinblättern – pro Tag.

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Es sind aber nicht nur Badeorte, die dem Massentourismus einen Riegel vorschieben. Auch die Berggemeinden wollen die Besucherströme besser regeln. Seit dem Erfolg der vom Sender Rai produzierten Fernsehserie „Un passo dal cielo“ („Nur einen Schritt vor dem Himmel“) über die Abenteuer einiger Förster in der Südtiroler Natur ist der Pragser Wildsee nordöstlich von Bozen zu einem echten Ausflugsziel geworden.

Um die Tausenden Tagestouristen besser lenken zu können, treten jetzt sommerliche Verkehrsregelungen in Kraft: Das Pragser Tal ist ab 10. Juli per Auto nur gegen Vorweis einer Parkplatzreservierung erreichbar. Stellplätze müssen online reserviert werden. Spontan geht in Italien kaum noch was.