Italien

Urlaub: Warum Touristen für Venedig bald reservieren müssen

Micaela Taroni
| Lesedauer: 4 Minuten
Italien verbannt große Kreuzfahrtschiffe aus Venedig

Italien verbannt große Kreuzfahrtschiffe aus Venedig

Ab dem 1. August dürfen große Kreuzfahrtschiffe nicht mehr in die Lagunenstadt Venedig einlaufen. Italiens Ministerpräsident Mario Draghi sprach von einem "wichtigen Schritt zur Erhaltung der Lagune von Venedig".

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Venedig.  Die Urlauber sind zurück in Venedig. Doch Italiens Lagunenstadt wehrt sich mit einer ungewöhnlichen Maßnahme gegen die Touristenflut.

Gedränge entlang der Kanäle, Touristenansturm auf die beliebten Wasserboote und vollbesetzte Tische der Cafés am Markusplatz: Nach zwei Jahren Pandemie erlebt Venedig einen Beginn der Tourismussaison wie in alten Zeiten.

Die Lagunenstadt wurde an den Osterfeiertagen regelrecht von Besuchern bestürmt. 130.000 Touristen tummelten sich am Osterwochenende in den „Calli“ und „Campielli,“ den engen Gassen und Plätzen der Lagunenstadt, ganz zur Freude von Hoteliers und Gastronomen, die sich nach den schweren Pandemiejahren wieder auf den Neustart des Massentourismus freuen.

Keine Stadt Italiens ist, was den Tourismus anbelangt, von der Pandemie so gebeutelt worden wie Venedig: 2020 und 2021 brachen die Umsätze um 80 Prozent ein. Und die Hoffnungen der Tourismusbranche auf einen schnellen Wiederaufschwung sind durch den Krieg in der Ukraine gleich wieder gebremst worden.

Italien: Venedig will Besucherströme regeln

So fehlen in Venedig die Russen, weil deren Fluggesellschaften mit Sanktionen belegt sind und die Flieger nicht in Italien landen dürfen. Bei den Touristen aus Russland handelt es sich oft um besonders zahlungskräftige Gäste, die in den teuren Fünf-Sterne-Hotels am Canal Grande nächtigen und in den exklusiven Modeboutiquen rund um den Markusplatz shoppen.

Doch abgesehen von den Russen scheint wieder alle Welt in Venedig eingetroffen zu sein. Die Aussicht auf Monate mit voll ausgelasteten Hotels freut die Touristiker, der Bürgermeister von Venedig, Luigi Brugnaro, beabsichtigt jedoch, die Besucherströme besser als in der Vergangenheit zu regeln.

So will er bis zum Sommer Touristen verpflichten, ihren Ausflug in die Altstadt im Voraus zu buchen. Ab 2023 sollen Besucher dann ein Ticket erstehen, um die auf dem Wasser liegenden Teile – wie das historische Zentrum – besichtigen zu können.

Italien-Urlaub: Venedig plant Tourismus-Revolution

„Der Tourismus in Venedig geht wieder los. Eine Buchung für den Stadtbesuch ist der richtige Weg für ein ausgewogenes Tourismusmanagement. Wir werden als erste die Buchung des Venedig-Besuchs testen“, erklärte Bürgermeister Brugnaro.

Ab wann die kostenlose Online-Reservierung nötig sein wird, will die Stadtverwaltung in den kommenden Wochen mitteilen. Die Kommune will künftig besser vorausplanen, wie viele Menschen sich in der Stadt gleichzeitig aufhalten können. Eine Computerplattform soll die Touristenströme regeln.

„Die Buchungspflicht für Touristen ist eine Revolution für Venedig. Derzeit muss man sich für Museumsbesuche anmelden, aber keine Stadt hat bisher eine Buchungspflicht gewagt. Wir beginnen auf experimenteller Basis, Anpassungen werden notwendig sein, aber die Buchungspflicht ist der einzig mögliche Weg“, betont der Tourismus-Beauftragte der Gemeinde Venedig, Simone Venturini.

Die Zahlen, die der Stadtverwaltung vorliegen, machen deutlich, wie unhaltbar die Situation ist: Im Vergleich zu den weniger als 40.000 Einwohnern, die die Osterfeiertage zu Hause verbracht haben, zeigten die Abgleichdaten der Telefonzellen, dass am Osterwochenende 101.000 Menschen in Venedig übernachteten. Hinzu kommen noch die Tagestouristen, die mit Bussen und Bahnen in die Stadt strömen.

Urlaub in Italien: Venedig will sauberer werden

Luca Zaia, Präsident der Region Venetien, zu der Venedig gehört, unterstützt die Pläne von Bürgermeister Brugnaro. „Touristen sind bei uns immer willkommen, aber die negativen Auswirkungen des Massentourismus auf die Stadt müssen reduziert werden. Venedig-Besuche werden unabhängig vom Einkommen für jeden garantiert sein, aber einige Regeln müssen respektiert werden“, meinte Zaia.

Der Handelsverband Confesercenti stellt sich ebenfalls auf die Seite des Stadtrats. Die Buchungspflicht müsse einen Anreiz für Qualitätstourismus sein. „Wir sind bereit, an der Arbeitsgruppe für die Planung der Buchungspflicht teilzunehmen und unseren Beitrag zur Neugestaltung des Tourismusangebots in Venedig zu leisten“, betont Verbandssprecher Emiliano Biraku.

Die Stadt Venedig wollte schon im Jahr 2020 eine Steuer für Tagesausflügler einführen. Diese hätte dazu beitragen sollen, mehr Sauberkeit und Sicherheit der Stadt zu gewährleisten. In der Hochsaison hätte das Eintrittsgeld von drei auf sechs, acht oder maximal zehn Euro steigen sollen. Wegen der Pandemie wurde die Einführung der umstrittenen Steuer jedoch ausgesetzt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf www.morgenpost.de