Polizeigewalt

US-Polizisten erschießen erneut Afroamerikaner

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Floyd-Prozess: Ex-Polizist Chauvin schuldig gesprochen

Floyd-Prozess: Ex-Polizist Chauvin schuldig gesprochen

Im Prozess um den Tod des US-Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz ist der weiße Ex-Polizist Derek Chauvin schuldig gesprochen worden. Ihm droht nun eine lange Gefängnisstrafe. Floyds Familie und US-Präsident Joe Biden zeigten sich erleichtert über das Urteil.

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Columbus.  In den USA sind erneut mehrere schwarze Menschen durch Polizeikugeln getötet worden. Basketballstar LeBron James wütet auf Twitter.

  • Bei Polizeieinsätzen in den USA sind erneut Afroamerikaner getötet worden
  • Nur einen Tag nach dem Schuldspruch im George-Floyd-Prozess starb ein unbewaffneter 40-Jähriger - Polizisten hatten seine Wohnung durchsuchen wollen
  • Am Dienstag starb eine 16-Jährige bei einem Polizeieinsatz
  • Basketballstar LeBron James äußert sich zu den Vorfällen

Erst am Dienstag ist der US-Polizist Derek Chauvin wegen des Mordes an dem Afroamerikaner George Floyd schuldig gesprochen worden. Der Fall hatte weltweit ein Schlaglicht auf strukturellen Rassismus geworfen. Doch just in den Tagen um das Urteil sterben erneut mehrere Schwarze in den USA.

Am Mittwoch kam ein unbewaffneter 40-Jähriger im US-Bundesstaat North Carolina bei einer Durchsuchung ums Leben. Der Sheriff im Bezirk Pasquotank sagte, bei dem Einsatz in Elizabeth City sei es um das spätere Opfer, Andrew Brown Junior, gegangen. Er machte allerdings keine genaueren Angaben zum Hergang der Tat oder zum Grund für den Durchsuchungsbefehl gegen Brown.

Nach örtlichen Medienberichten soll der unbewaffnete 40-jährige Familienvater während der Durchsuchung in sein Auto gestiegen sein und habe wegfahren wollen. Daraufhin sei geschossen worden, sagten Familienmitglieder demnach. Der Beamte, der die Schüsse feuerte, ist bis auf Weiteres beurlaubt. Die Behörden versprachen eine eingehende Untersuchung.

LeBron James: „Bin es so verdammt leid“

Basketball-Superstar LeBron James hat sich erschüttert und frustriert über die erneuten Fälle von getöteten Schwarzen Menschen in Amerika geäußert. „Ich bin es so verdammt leid, von der Polizei getötete schwarze Menschen zu sehen“, schrieb der 36 Jahre alte Profi der Los Angeles Lakers in einer Serie von Tweets am Mittwoch.

16-Jährige stirbt bei Polizeieinsatz

Bereits am Dienstag, nur wenige Augenblicke vor Verkündung des Floyd-Urteils, ist ein 16-jähriges schwarzes Mädchen im US-Bundesstaat Ohio durch Polizeischüsse getötet worden. Auch dieser Fall sorgt im ganzen Land für Entsetzen.

Bei der Polizei in Columbus war demnach ein Notruf wegen einer Bedrohung mit einem Messer eingegangen. Als die Ermittler am Ort eintrafen, standen mehrere Menschen zwischen zwei Autos in einer Einfahrt, wie auf Aufnahmen einer Körperkamera zu sehen war, die die Polizei am Dienstagabend (Ortszeit) bei einer Pressekonferenz veröffentlichte.

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Polizeischüsse: Körperkamera soll Mädchen mit Messer zeigen

Es handele sich dabei um die Körperkamera des ersten Polizisten, der am Ort eintraf und letztlich die Schüsse abfeuerte, sagte der Interims-Polizeichef der Stadt Columbus, Michael Woods. Das Video zeige ein junges Mädchen mit einem Messer, das versuche, zwei andere Menschen anzugreifen, bevor es von der Polizei erschossen werde. Die Ermittlungen stünden noch am Anfang.

„Wir wissen, basierend auf diesen Aufnahmen, dass der Polizist Maßnahmen ergriffen hat, um ein anderes junges Mädchen in unserer Gemeinde zu schützen“, sagte der Bürgermeister der Stadt, Andrew Ginther. „Aber eine Familie trauert heute Abend, und dieses junge 16-jährige Mädchen wird nie wieder nach Hause kommen.“ Zuvor hatte Ginther die Anwohner der Stadt per Twitter aufgefordert, Ruhe zu bewahren.

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Floyd Anwalt äußert sich zu Vorfall in Ohio

Eine Frau, die angab, eine Tante des Opfers zu sein, berichtete dem „Columbus Dispatch“, ihre Nichte habe in einer Pflegeeinrichtung gelebt und sei dort in eine Auseinandersetzung mit jemandem geraten. Sie habe ein Messer gehabt, dieses aber fallengelassen, bevor sie von mehreren Schüssen der Polizei getroffen worden sei, berichtete Hazel Bryant weiter.

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Die Zeitung berichtete über kleinere Proteste in der Stadt mit Schildern, auf denen unter anderem „Black Lives Matter“ zu lesen war.

(dpa/fmg)

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