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„La Niña“: Folgt auf den Hitze-Herbst ein warmer Winter?

Sophia Jordan
| Lesedauer: 4 Minuten
Die Sonne scheint, die Blätter sind bunt: Dieses Jahr ist der Herbst warm.

Die Sonne scheint, die Blätter sind bunt: Dieses Jahr ist der Herbst warm.

Foto: Paul Zinken/dpa

Berlin.  Es ist ungewohnt warm für Ende Oktober. Folgt nun ein milder Winter? So beeinflusst das Phänomen „La Niña“ die Temperaturen weltweit.

  • Der Herbst ist viel zu warm
  • Das liegt an dem meterologischen Phänomen "La Niña"
  • Beschert uns das auch einen milden Winter?

Der Herbst ist meteorologisch zu zwei Dritteln vorüber und die Temperaturen sind noch immer warm. In Magdeburg war es am Freitag laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) 25 Grad warm – 15 Grad über dem Durchschnitt im letzten Herbst. Nach DWD Angaben lag 2021 zur gleichen Zeit die Temperatur bei 9,6 Grad.

Die Ursache für das viel zu warme Oktoberwetter: Das Klimaereignis "La Niña" beeinflusst das Wetter weltweit. Sollten wir mit einem milden Winter rechnen?

"La Niña" auf der Welt: Das sind die Auswirkungen

Hitzeperiode in Sibirien, Dürre in Mexiko, Monsun in Indien: "La Niña" wirkt fast auf der ganzen Welt. In manchen Ländern stärker, in anderen Ländern weniger. In Australien sorgte "La Niña" dieses Jahr für extreme Niederschläge und Überschwemmungen. Forschende vermuten laut einem Bericht des britischen "Guardian" auch einen Zusammenhang mit zwischen dem Wetterphänomen und de^m massenhaften Walsterben an der Küste Tasmaniens im September.

"La Niña": Luftdruckunterschiede sorgen für Hitze

"La Niña" meint hohe Luftdruckunterschiede zwischen Südamerika und Indonesien, die zu starken Passatwinden führen. Die Winde treiben die warme Wasseroberfläche von Südamerika nach Südostasien. Durch die Strömung des warmen Wassers nach Südostasien steigt kaltes Wasser an der Küste Südamerikas auf. Im pazifischen Raum verändern sich also Meeresströmungen und die atmosphärischen Bedingungen. Dieses Phänomen beeinflusst das Wetter vor allem in Südamerika, Nordamerika, Afrika, Asien und Europa.

Normalerweise gleichen Tiefdruckgebiete die Temperaturen zwischen der arktischen und subtropischen Luft aus. Warme und kalte Luft vermischen sich und Süden und Norden werden nicht zu kalt beziehungsweise zu heiß. In diesem Herbst fällt dieses System schwächer aus als sonst, was die Wärme erklärt. In Europa sorgt das Phänomen vor allem für Polarwirbel. Bei ihnen zirkuliert kalte Luft im Norden und bringen milde Winde und Regen.

Inzwischen hält "La Niña" seit 2020 an. Die World Meteorological Organization (WMO) in Genf ging bereits im August 2022 davon aus, dass das Wetterphänomen mindestens bis Ende des Jahres anhält. Die WMO spricht in so einem Fall von einem "Triple Dip La Niña". Laut WMO-Generalsekretär Petteri Taalas ist dies besonders außergewöhnlich. "Der kühlende Einfluss von La Niña verlangsamt vorübergenden die Erderwärmung, wird diesen Langzeittrend jedoch nicht anhalten oder gar umgekehren", sagte Taalas in einer Mitteilung.

Kann Deutschland auf einen milden Winter hoffen?

Macht der milde Herbst auch einen milden Winter? Bisherige DWD-Prognosen gehen davon aus, dass die Temperaturen in Deutschland warm bleiben. Für Dezember 2022 bis Februar 2023 rechnen sie mit einer 1,9 Grad höheren Durchschnittstemperatur als das Klimamittel zwischen 1991 und 2020 betrug.

International ist ein ähnlicher Trend auszumachen: Das Europäisches Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF) prognostiziert für Dezember bis Februar in weiten Teilen der Welt eine 0,5 - 2,0 Grad höhere Durchschnittstemperatur. Die US-amerikanische Klimabehörde NOAA rechnet auf Grund von "La Niña" mit einem außergewöhnlich warmen und trockenen Winter, gerade im Süden der USA. Das könnte Sie auch interessieren: Wie kommen wir ohne russisches Gas durch den Winter?

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.