ZDF-Show

ZDF-Fernsehgarten: Zuschauer flippen zu "Layla" aus

Benjamin Köhler
| Lesedauer: 4 Minuten
Seit mehr als 35 Jahren: der ZDF-Fernsehgarten

Seit mehr als 35 Jahren: der ZDF-Fernsehgarten

Die Kultsendung ZDF-Fernsehgarten bietet eine Unterhaltungsmischung aus Musik, Action und praktischen Alltagstipps. Große Stars standen in der Vergangenheit dort bereits auf der Bühne.

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Berlin  Der Song "Layla" ist der "Sommerhit des Jahres". Jetzt wurde das Lied mit dem sexistischen Text auch im ZDF-Fernsehgarten gespielt.

  • Seit Wochen sorgt der Ballermann-Song "Layla" für Schlagzeilen
  • Trotz aller Kritik führt er derzeit die deutschen Charts an
  • Nun wurde das auf manchen Volksfesten für unerwünscht erklärte Lied ausgerechnet im ZDF-Fernsehgarten gespielt

Als Streisand-Effekt wird das Phänomen bezeichnet, wenn der Versuch, eine unerwünschte Information zu unterdrücken, plötzlich für noch mehr Aufmerksamkeit sorgt. Die Bezeichnung geht auf einen Streit zwischen der US-amerikanischen Sängerin und Schauspielerin Barbara Streisand und einem Fotografen zurück, der 2003 versehentlich ein Foto von ihrem Haus an der kalifornischen Küste veröffentlicht hatte.

Streisand verklagte den Fotografen vergeblich auf 50 Millionen Euro Schadensersatz. Und das Foto, das vorher niemand kannte, war in aller Munde. Plötzlich wusste jeder, wie das Haus der Sängerin aussah.

ZDF-Fernsehgarten: "Layla" wird unzensiert gespielt - Studio flippt aus

Nun gibt es – bis auf die Tatsache, dass sie alle Musiker sind – nicht viele Gemeinsamkeiten zwischen Barbara Streisand und DJ Robin und seinem Kollegen Schürze. Aber der anhaltende Erfolg ihres umstrittenen Songs "Layla" haben die beiden wohl auch zu einem wesentlichen Teil dem Streisand-Effekt zu verdanken.

Denn das und seitdem auch von anderen Städten verboten wurde, ist längst nicht nur bei Schlagerfans bekannt. Das "Verbot" des Liedes, in dem es um eine Prostituierte geht, löste eine große gesellschaftliche Debatte aus. Seitdem hält sich "Layla" auf Platz 1 der Charts, der Song wurde bereits zum Sommerhit des Jahres gekürt.

Am Sonntag waren DJ Robin und Schürze im ZDF-Fernsehgarten zu Gast, natürlich mit "Layla" im Gepäck. Und der Song wurde regelrecht gefeiert, wie Zuschauer der Sendung mit Moderatorin Andrea Kiewel sehen konnten. Die Gäste im ZDF-Fernsehgarten sangen und klatschten zu den sexistischen Textzeilen, als gäbe es kein Halten mehr. Es gab sogar eine Polonaise.

"Layla" polarisiert auch in den sozialen Netzwerken

Auch in den sozialen Netzwerken wurde der Auftritt des Duos kommentiert – größtenteils mit positiven Worten. "Ich feier‘s gerade sehr, dass DJ Robin und Schürze im ZDF Fernsehgarten mit 'Layla' auftreten und das ganze Publikum nur drauf gewartet hat den Song zu feiern", schreibt ein Nutzer. Andere Nutzer feiern das ZDF dafür, den Song unzensiert spielen zu lassen. "Beste Stimmung ever", schreibt einer.

Fernsehsendung ZDF-Fernsehgarten
TV-Sender ZDF
Läuft seit 1986
Genre Unterhaltungsshow
Moderation Andrea "Kiwi" Kiewel

Aber es gibt auch kritische Stimmen. Einige werfen dem ZDF vor, seinen Bildungsauftrag zu verfehlen. Die Kommentare zeigen auch: Die Diskussion um "Layla" wird nach dieser denkwürdigen Ausgabe des ZDF-Fernsehgarten nicht beendet sein.

"Layla": Darum geht es in der Debatte

Die große Sexismus-Debatte, die der Song "Layla" ausgelöst hat, dreht sich vor allem um den Text des Lieds. In dem wird eine fiktive "Layla" besungen. Sie ist "Puffmama" und wird als "schöner, jünger, geiler" bezeichnet. Kritiker sehen darin Sexismus – sowohl in der Verharmlosung von Prostitution als auch in der Beschreibung der Frau. Andere halten den Song für harmlos und führen an, Lieder wie "Skandal im Sperrbezirk" der Spider Murphy Gang seien deutlich extremer und dennoch Party-Klassiker.

Wegen des Songtextes hatte die Stadt Würzburg als Veranstalter eines Volksfests von ihrem Hausrecht gebraucht gemacht und das Lied von den Playlists gestrichen. Daraufhin hatten andere Feste nachgezogen und es war zu einer großen Diskussion um das Lied und eine angebliche Verbotskultur gekommen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.