CDU-Bundestagskandidat

Analyse: Laschet sitzt in der Maaßen-Falle

Michael Backfisch
| Lesedauer: 3 Minuten
Das ist der Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet

Das ist der Unions-Kanzlerkandidat: Armin Laschet

Armin Laschet ist der Kanzlerkandidat der Union. Als CDU-Chef hat er sich bei der K-Frage gegen CSU-Chef Markus Söder durchgesetzt. Im Wahlkampf muss er mit viel Druck umgehen.

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Berlin.  Die Wahl des stramm konservativen Hans-Georg Maaßen zum Direktkandidaten für den Bundestag wird für CDU-Chef Armin Laschet zum Problem.

Der Mann im dunkelblauen Anzug mit gelb-rot gemusterter Krawatte gibt sich betont samtpfötig. Hans-Georg Maaßen, der in der Union als Rechtsaußen-Schreck mit AfD-Nähe gilt, ist in Südthüringen gerade zum CDU-Direktkandidaten für den Bundestag gewählt worden.

Doch der Ex-Präsident des Verfassungsschutzes scheint am Freitagabend Parteichef Armin Laschet geradezu zu umarmen. „Wir werden für ihn als unseren Kanzlerkandidaten kämpfen“, verspricht er. Zu seinem Verhältnis zu Laschet sagte der 58-Jährige: „Ich glaube nicht, dass wir so weit auseinander sind.“ Diskussion zeichne eine Volkspartei wie die CDU aus.

Welle der Kritik nach den ausländerfeindlichen Aufmärschen in Chemnitz

Es klingt ein bisschen, als habe Maaßen Kreide gefressen. Denn niemand in der CDU polarisiert so wie er. Seine Thesen, seine Sätze sind den meisten noch im Gedächtnis: So wollte der oberste Verfassungsschützer nach den ausländerfeindlichen Aufmärschen im Sommer 2018 in Chemnitz keine „Hetzjagden“ erkennen. Er löste damiteine Welle der Kritik aus.

Als die CDU mit Hilfe der AfD den FDP-Politiker Thomas Kemmerich im Februar 2020 zum Ministerpräsidenten gewählt hatte, sprach Maaßen von einem „Riesenerfolg“. Der Vorgang wurde in der Öffentlichkeit als „Tabubruch“ und als erste Kooperation bürgerlicher Parteien mit Rechtsextremen seit der Weimarer Republik eingeschätzt.

Maaßens Boot-ist-voll-Rhetorik in der Flüchtlingsfrage kommt im Osten an

Doch im Osten Deutschlands steht Maaßen bei vielen im Ruf eines nationalkonservativen Klartextredners. Vor allem seine Das-Boot-ist-voll-Rhetorik in der Flüchtlingsfrage kommt dort an.

Für den CDU-Kanzlerkandidaten Armin Laschet ist das ein Problem. Er sitzt in der Maaßen-Falle. Laschet will den Kurs der Regierungschefin Angela Merkel fortsetzen. Verbindlich im Ton, jovial im Auftritt will der Mann aus NRW die Union als sozialdemokratisierte, liberale Partei in der Mitte verorten. Ein bisschen Unternehmensförderung, ein bisschen Sozialpolitik, ein bisschen Klima und ein bisschen Europa: Das ist der Modernisierungs-Mix à la Laschet.

Laschet riskiert ein CDU-Desaster bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

Einer wie Maaßen stört da. Für Laschet ist es eine Zwickmühle. Setzt er sich von Maaßen ab, riskiert er bei der Landtagswahl am 6. Juni in Sachsen-Anhalt ein Desaster für die CDU. Starke Männer mit schallender Rhetorik kommen dort an. Politiker wie Friedrich Merz, Markus Söder – oder eben Hans-Georg Maaßen.

Vergeigt Laschet die Urnengänge im Osten, gerät er in eine Abwärtsspirale mit Blick auf die Bundestagswahl und die Landtagswahlen in Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und die Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin – alle am 26. September.

Die Schlüsselfrage: Wie nah bewegt sich Maaßen an den Positionen der AfD?

Fasst Fährt Laschet Maaßen mit Samthandschuhen an, beschädigt er sein Image als Kompromiss-Mann der Mitte: Er will für verschiedene Koalitions-Varianten offen sein. Noch kann der CDU-Kanzlerkandidat zur Causa Maaßen schweigen, sie sogar ignorieren.

Doch der Ex-Chef des Verfassungsschutzes ist kein Leisetreter. Er wird sich zu Wort melden und sehr wahrscheinlich zu einem Stachel im Fleisch der Union werden. Die Schlüsselfrage: Wie nah bewegt er sich an den Positionen der AfD? Irgendwann muss Laschet Stellung beziehen. Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im Juni ist ein erster Test für Laschets Kurs.

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