Berlin. Hersh Goldberg-Polin ist Geisel der Hamas. Die will mit den erschreckenden Bildern des jungen Mannes Druck aus Israel ausüben.

Es ist Hersh Goldberg-Polin, der auf dem verstörenden Propaganda-Video zu sehen ist, das die Hamas-Terroristen veröffentlicht haben. Der junge Mann hat kurz geschorene Haare, Schrammen im Gesicht und wirkt schwer gezeichnet, sein linker Unterarm ist amputiert.

'Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Es ist das erste Lebenszeichen von ihm nach 201 Tagen Geiselhaft. Von wann die Aufnahme stammt, weiß außer der Hamas niemand genau. Seine Eltern, seine Freunde, das ganze Land hofft, dass es aktuell ist, weil Hersh sagt, er sei etwa 200 Tage in Gefangenschaft.

Israel vermutet Geiseln unter den Tunneln von Rafah

Mit den erschütternden Bildern von Hersh Goldberg-Polin bringt sich die Hamas auf zynische Weise zurück ins öffentliche Bewusstsein. Das war über viele Wochen vom drohenden Krieg zwischen Israel und dem Iran bestimmt worden. Jetzt aber bereitet die israelische Armee offenbar den Angriff auf Rafah im Süden des Gazastreifen vor, wo sie viele der Terroristen vermutet, aber in den Tunneln auch einige der Geiseln, die überlebt haben.

Gudrun Büscher ist Politik-Korrespondentin.
Gudrun Büscher ist Politik-Korrespondentin. © FUNKE Foto Services | Reto Klar

Die Hamas benutzt das Video, damit sich der Druck der Angehörigen auf die israelische Regierung verstärkt, die Offensive abzublasen: Hunderte demonstrierten in Jerusalem. Doch Israel scheint entschlossen und plant offenbar einen Angriff in Etappen.

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In der Gegend rund um Rafah halten sich derzeit Hunderttausende palästinensische Binnenflüchtlinge auf, die den Gazastreifen nicht verlassen können. Deshalb zeigt das Video nicht nur einen Mann, der um sein Leben kämpft. Es erinnert daran, dass man es mit eiskalten Terroristen zu tun hat, denen auch die Palästinenser in Gaza vollkommen gleichgültig sind. Die Hamas hat es in der Hand. Sie könnte mit der Freilassung der Geiseln diesen Krieg sofort beenden.

Mehr von Israel-Korrespondentin Maria Sterkl