Rauschgift

Corona-Pandemie trägt den Handel mit Drogen ins Internet

Christian Unger
| Lesedauer: 4 Minuten
Drogenhandel wandert während Pandemie ins Internet

Drogenhandel wandert während Pandemie ins Internet

Die Zahl der Drogendelikte wächst und verlagert sich in der Pandemie ins Internet. Der Handel ist brutaler. Die Polizeibehörden zeigen sich besorgt.

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Berlin .  Beim Drogenhandel zeigt sich die Polizei besorgt: Der Handel wächst, verlagert sich in der Pandemie ins Internet. Täter immer brutaler.

Als Deutschland im vergangenen Jahr in den Corona-Lockdown ging, schlossen Geschäfte, Diskotheken, Festivals fielen aus, auch der Party-Urlaub. Doch der Handel mit Drogen boomte weiter: vor allem über das Internet. Und auch die Post lieferte im Lockdown weiter Pakete aus. Das, so die Polizei, nutzten auch die Drogendealer für den Versand von Kokain, Ecstasy oder Crystal-Meth.

Der Drogenhandel steigt in Deutschland weiter an, die Szene wird gewaltbereiter, und sie agiert zunehmend auch über verschlüsselte Chatforen – das sind die Erkenntnisse des Bundeskriminalamtes (BKA), das nun das Lagebild Rauschgiftkriminalität vorgestellt hat.

„Im zehnten Jahr in Folge erleben wir einen Anstieg bei der Rauschgiftkriminalität“, sagt der BKA-Präsident Holger Münch. 365.753 Fälle wurden im Jahr 2020 polizeilich registriert – 1,7 Prozent mehr als im Vorjahr. 284.723 Tatverdächtige wurden im Jahr 2020 ermittelt. Eine zunehmende Zahl von ihnen war bewaffnet.

Cannabis ist in Deutschland die Droge Nummer 1

2020 wurden erneut über ein Drittel der polizeilichen Verfahren wegen des Verdachts des Rauschgifthandels im Bereich der Organisierten Kriminalität geführt. Drogenhandel ist vor allem ein sogenanntes „Kontrolldelikt“. Die Polizei stößt nur durch Razzien, Durchsuchungen und Kontrollen etwa im Milieu, in Häfen oder an Grenzen auf die Täter. Das heißt einerseits: Viele Delikte kann die Polizei auch aufklären, mehr als 90 Prozent. Das heißt aber auch: Das Dunkelfeld ist riesig.

Durch die Pandemie ging der Handel mit Ecstasy zurück. Das BKA führt das darauf zurück, dass Clubs dichtmachen mussten, Festivals und Party ausfielen. Normalerweise sind das zentrale Orte des Drogenumschlags. Zugleich wächst nach Kenntnis der Polizei der Handel mit Drogen im Internet. Dort nutzen Tätergruppen die Anonymität aus, verschicken Pakete mit Rauschgift nur noch per Post.

Sebastian Fiedler, Chef beim Bund Deutscher Kriminalbeamter, warnt davor, „Kriminalität im Drogenmilieu als fremde Unterwelt“ abzutun. Zum einen würde Kokain etwa nicht mehr nur von „reichen Börsenmaklern“ konsumiert. Auch viele junge Menschen nehmen Kokain. Zum anderen verdienen Kartelle mit Geschäften Milliarden. Fiedler: „Dieses Geld investieren sie in den legalen Markt, um Drogengeld zu waschen, etwa in Immobilien. Am Ende führt auch das in manchen Metropolen zu steigenden Kaufpreisen.“

Ermittler blicken mit Sorge auf die Situation in den Niederlanden

Den größten Zuwachs sehen die Ermittler 2020 bei den Neuen Psychoaktiven Stoffen (NPS). Die Zahl stieg gegenüber dem Vorjahr um 16,2 Prozent. Cannabis ist weiterhin das meist konsumierte Rauschmittel in Deutschland. Vor allem Spanien fällt den Sicherheitsbehörden auf: Dort wächst der Anbau. Von Spanien aus transportieren Drogenkartelle Haschisch auch nach Deutschland.

Mit Sorge blicken die Ermittler auf die Situation in den Niederlanden und Belgien. Die Länder nehmen mit den Häfen Rotterdam und Antwerpen eine Schlüsselrolle beim Handel mit Kokain aus Südamerika ein. Immer wieder stellen Zollfahnder dort Rekordmengen sicher. Auch im Hamburger Hafen wurden zu Beginn des Jahres 16 Tonnen Kokain sichergestellt – in einer einzigen Lieferung aus Lateinamerika.

Die Drogenbeauftragte warnt: Drogendealer gehen immer brutaler vor

Zudem sind die Ermittler besorgt über die wachsende Gewalt im Milieu. Die Auswertung von verschlüsselten Handys zeigt laut BKA: Stärker als bekannt bewaffnen sich die Drogenkartelle. Immer wieder kommt es zu Tötungsdelikten, in den Niederlanden allein 20-30 pro Jahr, die mit Rauschgiftkriminalität zusammenhängen. Gerade erst wurde der Journalist Peter de Vries ermordet. Er berichtete immer wieder über die Drogenmafia in dem Land.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig, sagte: „Wir sehen eine steigende Anzahl an Straftaten im Zusammenhang mit Drogen in Deutschland und der EU, die immer brutaler, immer skrupelloser ausgeführt werden.“

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