Kommentar

Gaskrise: Das große Verwirrspiel des Wladimir Putin

Michael Backfisch
| Lesedauer: 2 Minuten
Gaspipeline Nord Stream 1 wegen Wartungsarbeiten abgeschaltet

Gaspipeline Nord Stream 1 wegen Wartungsarbeiten abgeschaltet

Die mit viel Unsicherheit verbundenen Wartungsarbeiten an der Pipeline Nord Stream 1 haben begonnen. Laut Bundeswirtschaftsministerium fließt damit kein Gas mehr durch die Leitung. Ob Russland nach den Wartungsarbeiten wieder Gas nach Deutschland liefern wird, ist derzeit unklar.

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Berlin.  Der Kremlchef legt es auf den Abbau der Sanktionen an – und stiftet Verwirrung, um die Nerven in der EU-Bevölkerung zu strapazieren.

Süffisant, zynisch, schulmeisterlich: Wenn der russische Präsident Wladimir Putin über den Westen redet, ist von allem ein bisschen dabei. „Ihr habt Probleme mit Gasknappheit? Dann nehmt doch einfach die Pipeline Nord Stream 2“, entgegnet er den Europäern scheinheilig. Und blendet dabei aus, dass das russisch-deutsche Röhrensystem wegen des Ukraine-Krieges nicht ans Netz gegangen ist.

Man soll sich nicht täuschen lassen – der Kremlchef hat einen Popanz aufgebaut, um die Gaslieferungen durch Nord Stream 1 drastisch zu drosseln. Die fehlende Gasturbine von Siemens Energy war nur ein Vorwand, um auf die Bremse zu treten. Putin macht sich einen Spaß daraus, den Westen zappeln zu lassen.

Putins Ziel: Abbau der Sanktionen

Selbst wenn an diesem Donnerstag wieder größere Mengen Gas durch Nord Stream 1 fließen: Es ist keine Garantie. Der russische Präsident veranstaltet ein ­großes Verwirrspiel, um die Nerven der Bevölkerung in den EU-Ländern zu strapazieren.

Er legt es darauf an, dass die ersten Regierungen schwach werden, weil sich gesellschaftlicher Druck aufbaut, wenn der Preis für Unternehmen und Verbraucher zu hoch wird. Das strategische Ziel: Putin will, dass die Sanktionen gekippt werden.

Ja, der Westen steht vor einer unglaublichen Herausforderung. Aber sie ist zu schaffen. Kurzfristig müssen Firmen und Privathaushalte einen Kraftakt beim Energiesparen hinlegen. Und wir brauchen einen starken Staat, der gefährdeten Betrieben ebenso unter die Arme greift wie Bedürftigen und Geringverdienern. Der Vorteil: Bürger und Politik hätten dann das Heft des Handelns in der Hand, anstatt wie das Kaninchen auf die Schlange nach Moskau zu starren.

Dieser Artikel erschien zuerst auf waz.de

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