Coronavirus

Lockdown in Gütersloh verlängert – diese Regeln gelten jetzt

Berlin.  Mit Beginn der Reisezeit in Nordrhein-Westfalen wächst die Sorge: Breitet sich das Virus demnächst weit über die Region Gütersloh aus?

Laschet: Lockdown für Kreis Gütersloh

Nach dem massenhaften Corona-Ausbruch beim Fleischkonzern Tönnies haben die Behörden einen Lockdown für den gesamten Landkreis Gütersloh in Nordrhein-Westfalen verhängt.

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  • In Nordrhein-Westfalen werden die Einschränkungen für den Kreis Gütersloh bis zum 7. Juli verlängert
  • Für den Kreis Warendorf laufen die Einschränkungen um 0 Uhr in der Nacht zu Mittwoch, 1 aus
  • Bund und Länder hatten in der vergangenen Woche beschlossen, dass Reisende aus Corona-Risikogebieten dürfen nur mit Attest in Hotels und Herbergen dürfen
  • Freizeitaktivitäten in geschlossenen Räumen sind im kreis Gütersloh nicht gestattet, Ausstellungen und Museen mussten wieder schließen, ebenso Bars, Fitnessstudios und Saunen

Der Landkreis Gütersloh hatte sich nach dem Corona-Ausbruch im Großschlachtbetrieb Tönnies zum neuen Hotspot entwickelt. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte 23. Juni einen regionalen Lockdown für die Kreise Gütersloh und Warendorf angeordnet.

Ursprünglich sollten die Einschränkungen nur bis zum 1. Juli andauern, nun hat Laschet den Lockdown für den Kreis Gütersloh verlängert – vorerst bis zum 7. Juli. Grund dafür ist, dass der Kreis laut Robert Koch-Institut weiterhin der einzige Kreis in ganz Deutschland oberhalb der kritischen Marke von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern ist – innerhalb der vergangenen sieben Tage.

Die Menschen im Kreis Warendorf können dagegen aufatmen. Hier sollen die Einschränkungen wie geplant um 0 Uhr am 1. Juli auslaufen, wie Laschet am Montag in Düsseldorf mitteilte. Hier war die wichtige Kennziffer für die Pandemie-Bekämpfung schon am Freitag mit 47,9 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen unter die Marke von 50 gefallen. Nach Daten von Montag liegt der Wert aktuell bei 22,0 Fällen.

Regeln für Lockdown in Gütersloh

Welche Regeln gelten für die Menschen im Kreis Gütersloh? Welche Maßnahmen sollen greifen? Wir beantworten die wichtigsten Fragen und erklären, wie die Behörden das Coronavirus in den Griff bekommen wollen.

Das sind die Regeln:

  • Sport in geschlossenen Räumen ist verboten
  • Fitnessstudios und Hallenschwimmbäder sind geschlossen
  • Kinos und Bars bleiben geschlossen
  • Museen sind geschlossen
  • Im öffentlichen Raum dürfen nun nur noch zwei Menschen oder Menschen aus einem Familien- oder Haushaltsverbund zusammentreffen

Schulen und Kitas im Landkreis Gütersloh waren bereits am 17. Juni geschlossen worden.

Weitere Infos: Lockdown in Gütersloh – das ist jetzt wichtig

Lockdown in Gütersloh: Was müssen Urlauber aus Corona-Risikogebieten beachten?

Armin Laschet warnte davor, die Menschen aus dem Kreis Gütersloh unter „Pauschalverdacht“ zu stellen. Man dürfe die Bewohner des Kreises „nicht stigmatisieren“. Allerdings hatten viele Bundesländer schon kurz nach der Bekanntgabe des Lockdowns Reisebeschränkungen erlassen.

Bund und Länder hatten daraufhin am vergangenen Freitag beschlossen, dass Reisende aus Gütersloh oder Warendorf nur dann in Hotels und Ferienwohnungen untergebracht werden oder ohne Quarantänemaßnahme in ein Bundesland einreisen dürfen, wenn sie mit einem ärztlichen Attest nachweisen, dass sie keine Corona-Infektion haben.

Kommentar: Gütersloh zeigt – das Coronavirus ist noch nicht besiegt

Auch das österreichische Außenministerium hatte vor Reisen nach NRW gewarnt und eine „partielle Reisewarnung (Sicherheitsstufe 5)“ ausgesprochen. Inzwischen habe Österreich die generelle Reisewarnung für ganz Nordrhein-Westfalen zurückgenommen. Nach Informationen aus NRW-Regierungskreisen in Düsseldorf wurde die Reisewarnung auf die vom Infektionsgeschehen betroffenen Kreise beschränkt.

In den Reisehinweisen des Auswärtigen Amtes in Berlin hieß es am späten Sonntagabend, laut Mitteilung des österreichischen Gesundheitsministeriums müssten Reisende aus Gütersloh ab Montag 00.01 Uhr bei der Einreise einen negativen Corona-Test vorlegen.

Lockdown in Gütersloh: Wie lange sollen die Maßnahmen gelten?

Die Maßnahmen sollen zunächst bis zum 7. Juli gelten. Die „Coronaregionalverordnung“ trat am 24. Juni in Kraft.

Gütersloh und Warendorf: Wie ist die Allgemeinbevölkerung vom Virus betroffen?

Nach dem Ausbruch bei Tönnies hatte Ministerpräsident Laschet angekündigt, die Tests in der Bevölkerung massiv ausweiten. Bürger der Kreise Gütersloh und Warendorf haben die Möglichkeit, sich kostenlos testen zu lassen.

Laschet sagte, das Virus sei nach Einschätzung der NRW-Landesregierung kaum auf die sonstige Bevölkerung übergesprungen. Wenn man die Tönnies-Beschäftigten herausrechne, habe die wichtige Kennziffer der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage im Kreis Gütersloh bei 22,5 gelegen. Im Nachbarkreis Warendorf lag sie – ebenfalls die Tönnies-Beschäftigten herausgerechnet – bei 5,4. „Die Ergebnisse stimmen zuversichtlich“, sagte der Ministerpräsident.

Kommentar: Tönnies-Ausbruch zeigt: Die Corona-Krise schwelt weiter

Lockdown im Kreis Gütersloh - Karte:

Welche Städte und Gemeinden gehören zu den Kreisen Gütersloh und Warendorf? Auf dieser Google-Maps-Karte bekommen Sie einen Überblick.

Coronavirus in Deutschland: Stehen wir vor einer zweiten Welle?

Viele Menschen in Deutschland treibt zudem die Frage um, was passiert, wenn sich Infizierte aus der Region mit ihren Familien in den Urlaub aufmachen. Wird sich der Erreger auf diese Weise über Deutschland und womöglich an den Ferienzielen im Ausland ausbreiten? Manche befürchten, dass das den Beginn einer zweiten Corona-Welle markieren könnte. Lesen Sie dazu: Wie gefährlich ist Covid? Vergleich zu anderen Todesursachen

Wegen der hohen Zahl der Neuinfektionen rund um den Tönnies-Schlachthof war erneut die stärker ins Bewusstsein gerückt.

Wie wichtig sind regionale Lockdowns in betroffenen Landkreisen?

Nach Ansicht vieler Experten: sehr wichtig. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) warnte bereits vor einem Übergreifen des Ausbruchs im Kreis Gütersloh auf ganz Deutschland. „Jetzt gilt es, jeden regionalen Ausbruch umgehend einzudämmen und die Infektionsketten zu unterbrechen“, sagte Spahn.

Ähnlich schätzte das auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ein: „Ich sehe die Gefahr, dass es in der bevorstehenden Reisesaison zu einer großflächigen Ausbreitung des Virus kommt“, sagte Lauterbach unserer Redaktion; er befürwortete den Lockdown in den betroffenen Landkreisen.

In der Bevölkerung müssten gezielte Corona-Stichproben genommen werden, um einen Überblick zu bekommen, wie viele Menschen positiv seien und wie viele bereits Antikörper gebildet haben, sagte Lauterbach. „Wenn man das nicht macht, laufen wir Gefahr, dass sich das Virus aus den Städten heraus auf ganz Deutschland verteilt, da bald Sommerferien sind und die Reisesaison beginnt“, warnt Lauterbach.

(afp/dpa/jul/les/jha/lhel)

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