USA

Präsidentensohn Hunter bringt Vater Joe Biden in Misskredit

Dirk Hautkapp
| Lesedauer: 4 Minuten
US-Außenminister Blinken relativiert Bidens Aussagen über Putin

US-Außenminister Blinken relativiert Bidens Aussagen über Putin

US-Außenminister Antony Blinken hat bei einem Besuch in Israel die Aussagen von US-Präsident Joe Biden über Russlands Präsidenten Wladimir Putin relativiert. "Dieser Mann kann nicht an der Macht bleiben," hatte Biden über Putin gesagt. "Wir verfolgen keine Strategie des Regimewechsels in Russland oder irgendwo anders", versicherte Blinken am Tag nach Bidens Rede.

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Washington   Toxische Mails rechtfertigen die Ermittlungen gegen Präsidenten-Sohn Hunter Biden. Neue Munition für Trump-Anhänger gegen Joe Biden.

Nach überwundener Alkohol- und Drogensucht hat Hunter Biden eine neue lukrative Berufung gefunden. Der Sohn des amerikanischen Präsidenten verlegte sich auf die schönen Künste: Pinsel statt Crack-Pfeife. Bis zu 500.000 US-Dollar stellt der 52-Jährige für seine psychedelischen Abstraktionen in Rechnung. Hunter Biden sagt, Malen sei Therapie für ihn. Soweit die Oberfläche.

Dahinter ist es düster. Das legt ein Bericht der „New York Times” nahe, der das politische Washington seit Tagen elektrisiert – und Präsident Joe Biden nervös machen muss.

Ganz neu: Ex-Präsident Donald Trump hat sich in die Personalie eingeschaltet. Er bittet Wladimir Putin persönlich um Schützenhilfe. Russlands Präsident besitze Informationen über eine angebliche Zahlung von 3,5 Millionen Dollar, die von Elena Baturina, der Frau des verstorbenen Moskauer Bürgermeisters Juri Luschkow, an Hunter Biden geflossen sei, erklärte Trump.

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Der Sohn des US-Präsidenten hat dies mehrfach dementiert. In einem Interview mit dem rechtspopulistischen TV-Sender „Real America's Voice” sagte Trump am Dienstagabend: „Ich denke, Putin wird die Antwort kennen. Ich denke, er sollte sie herausgeben.”

Dass Trump, der dem Biden-Clan seit Jahren ohne juristisch bestätigte Beweise Korruption unterstellt, mitten im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine Putin um kompromittierendes Material gegen die Familie des US-Präsideten anbettelt, hat bei Demokraten wie Republikanern in Washington Kopfschütteln ausgelöst.

Tatsache ist: Die Justizbehörden ermitteln gemeinsam mit der Steuerbehörde IRS und der Bundespolizei FBI seit fast vier Jahren gegen Hunter Biden. Wegen des Verdachts von Steuervergehen, Geldwäsche und nicht deklarierter Lobby-Arbeit für andere Länder.

Joe Biden will von Geschäften nichts gewusst haben

Biden Junior hatte von 2014 bis 2019 beim ukrainischen Gas-Produzenten Burisma einen hochdotierten Posten. Sein Vater verantwortete bis 2017 als Vize in der Obama-Regierung das Ukraine-Dossier.

Donald Trump wollte als Präsident daraus Honig saugen und Joe Bidens Kandidatur gegen ihn 2020 verhindern. Er versuchte den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu strafrechtlichen Untersuchungen anzustiften.

Seine Behauptung: Vater Biden habe Justizminister Viktor Schokin absägen lassen, um Burisma und Hunter vor Korruptionsermittlungen zu schützen. Selenskyi spielte nicht mit, und Trumps bekam ein Amtsenthebungsverfahren angehängt. Es endete mit Freispruch, weil die Republikaner ihm die Stange hielten.

Hunter Biden: Machte er Geschäfte im Namen des Vaters?

Im Zentrum der Vorwürfe gegen Biden Junior stand ein in einem Reparatur-Shop in Wilmington/Delaware gelandetes Computer-Laptop. Besitzer: Hunter Biden.

Die Festplatte voll mit anzüglichen Videos, gelangte über Umwege zur Trump wohl gesonnenen Boulevard-Postille „New York Post”. Das Blatt berichtete kurz vor der Wahl 2020 über den auch für Biden Senior in mehreren E-Mails toxischen Inhalt. Es entstand der Eindruck, Bidens Sohn mache mit dem Familien-Namen in der Ukraine wie in China Kasse und beteilige den Vater („my guy” genannt) zuweilen mit zehn Prozent.

Im Wahlkampf entrüstete sich der spätere Präsident über die Anwürfe: „Alles Müll”. Biden bestritt, jemals mit seinem Sohn über dessen Geschäfte gesprochen zu haben. Dabei hatte sich ein ukrainischer Geschäftsmann in einer E-Mail 2015 ausdrücklich bei Hunter Biden für ein arrangiertes Treffen mit dessen Vater Joe in Washington bedankt. Alles Fake?

USA: Republikaner zielen auf Joe Biden

50 ehemalige US-Geheimdienst-Experten, darunter Größen wie James Clapper und John Brennan, vermuteten, das „Laptop aus der Hölle” (O-Ton Trump) sei eine zur Wahlbeeinflussung in den USA gepflanzte Desinformations-Saga russischer Geheimdienste gewesen. Konsequenz: Die Story wurde medial weitgehend niedergeschwiegen. Facebook und Twitter setzen sie auf den Index.

Ohne diese "Zensur" hätte Joe Biden womöglich das Weiße Haus verpasst, wetterten Konservative. Sie fühlen sich heute bestätigt. Laut „New York Times” ist das Laptop authentisch – und damit auch etliche der nach Korruption riechenden E-Mails.

Wiewohl Biden Junior eine Million Dollar Steuernachzahlung geleistet hat, könnte er demnächst angeklagt werden, wie Rechtsexperten spekulieren. Eine Geschworenen-Jury („grand jury”) schaut tief in seine früheren Geschäftsbeziehungen.

Wenn die Republikaner im Herbst die Kongresswahlen gewinnen, muss der Präsident mit einem Amtsenthebungsverfahren rechnen. Trumps Ex-Justizminister Bill Barr nimmt kein Blatt vor den Mund: „Joe Biden hat gelogen.”

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Dieser Artikel erschien zuerst auf waz.de