Militäroffensive

Krieg in der Ukraine: Putins Unterstützer in den USA

Dirk Hautkapp
| Lesedauer: 5 Minuten
Kiew im Fokus am dritten Tag des russischen Krieges gegen die Ukraine

Kiew im Fokus am dritten Tag des russischen Krieges gegen die Ukraine

Im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine wird Kiew bereits von ersten Kämpfen erschüttert. Experten sehen in der Eroberung der ukrainischen Hauptstadt eines der Hauptziele der russischen Streitkräfte. Tausende Menschen verlassen die Stadt Richtung Westen.

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Washington.  Russlands Präsident führt einen Krieg gegen die Ukraine. Warum Donald Trump und einige Republikaner dem Kriegsherrn den Rücken stärken.

Bei seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine kann Wladimir Putin auf eine 5. Kolonne bauen. In Amerika. Viele Donald Trump nahestehende Republikaner und deren Büchsenspanner zeigen demonstrativ Verständnis für den Kreml-Herrscher, während das Establishment der „Grand Old Party” um Mitch McConnell alte anti-russische Reflexe zeigt und harte Sanktionen fordert.

Nachdem Trump, der Russlands Präsidenten Putin als „ziemlich schlau” bezeichnete, sich im Handumdrehen ein ganzes Land einzuverleiben – auch wenn er später ergänzte, das Ganze sei „entsetzlich“, ein „Skandal und eine Gräueltat" – stimmte auch der frühere Außenminister Mike Pompeo in das Loblied für den Mann ein, der für die Vergiftung von Dissidenten und das An-die-Kette-legen der freien Presse verantwortlich gemacht wird. Putin sei ein „sehr talentierter, mit allen Wassern gewaschener Staatsmann, der weiß, wie man Macht einsetzt”, erklärte Pompeo und bekundete, er habe „enormen Respekt” für den russischen Präsidenten.

Rechte Medien unterstützen Putin

„Putins nützliche Idioten” in Washington, wie Medien-Kritiker den Kreml-Fanclub nennen, schwächen die Eindämmungspolitik von Präsident Joe Biden. In Umfragen sind inzwischen weniger als 30 Prozent der Amerikaner der Meinung, dass die USA im größten Konflikt in Europa seit Ende des Zweiten Weltkriegs eine relevante Rolle spielen sollten.

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Das eherne Gesetz, wonach sich Amerikaner im auswärtigen Krisenfall über Parteigrenzen hinweg immer hinter dem jeweiligen Präsidenten versammeln, ist gekippt. Fast 90 Prozent der Trump-Wähler finden Biden nach jüngsten Umfragen schlecht, aber nur 69 Prozent haben etwas gegen Wladimir Putin, der ihnen als starker Staatsmann vorkommt. Während rund zwei von drei demokratischen Wählern eine harte Hand gegenüber Putin befürworten, ist es bei den einst traditionell auf Anti-Kommunismus gepolten Republikanern nur noch jeder Zweite.

Dabei machte sich die Flankierung von einflussreichen Medienvertretern bemerkbar. Tucker Carlson, der einflussreiche Fox-News-Moderator, hält Amerikas Engagement für die Ukraine für vergebene Liebesmüh. „Warum ergreifen wir Partei für die Ukraine und nicht für Putin?”, fragt Carlson rhetorisch und gibt sich selbst die Antwort. Weder habe Putin amerikanische Jobs ins Ausland verschachert, noch beschimpfe er Andersdenkende in Amerika als Rassisten. Damit ist die Zielscheibe klar: Joe Biden und die Demokraten.

„Biden hat das Unmögliche vollbracht und Krieg nach Europa gebracht”

Allein ihrer „Schwäche”, demonstriert im vergangenen Jahr beim verkorksten US-Truppenabzug aus Afghanistan, sei der Umstand geschuldet, dass Putin „sich erkühnt” und die europäische Nachkriegsordnung im Alleingang verändert. So erklärt der Kongress-Abgeordnete Paul Goslar aus Arizona: „Trump hat das Unmögliche vollbracht und Frieden in den Nahen Osten gebracht. Biden hat das Unmögliche vollbracht und Krieg nach Europa gebracht.”

Tucker Carlsons Parolen, verstärkt durch rechtspopulistische Internet-Portale und Sender, färben so stark ab, dass etliche republikanische Kandidaten für Parlamentssitze darin einstimmen. Tenor: Unter Trump hätte Putin dass alles nie gewagt. Nur weil Biden so viel Angreifbarkeit ausstrahle, sei die Ukraine nun Moskau ausgeliefert. Eine andere Nuance arbeitet Charlie Kirk heraus, der einflussreiche Chef der Jugend-Organisation „Turning Point USA”. Er hält nichts davon, in einem fernen Land Städte zu verteidigen, „die wir nicht aussprechen können und die wir nicht auf der Landkarte finden”.

Republikaner greifen Joe Biden an

Candace Owens, eine schwarze ultra-konservative Trump-Anhängerin, hält Putins Behauptung für plausibel und glaubwürdig, dass die Ukraine keine eigene Staatlichkeit beanspruchen könne und darum einzugemeinden sei. Die größten Verschwörer, Parlamentarierinnen wie Lauren Boebert und Marjorie Taylor Greene, reden bereits einem Amtsenthebungsverfahren gegen Biden das Wort, falls die Zwischenwahlen im Kongress im November wie erwartet mit einem Kantersieg der Republikaner enden. Ihr durch nichts belegter Aufhänger: Biden engagiere sich in der Ukraine nur, um die Spuren zu verwischen, die sein Sohn Hunter hinterlassen habe, als er hoch dotiert für den ukrainischen Energie-Konzern Burisma gearbeitet hatte.

Honig saugen wollen die Republikaner am rechten Rand der Partei vor allem aus den Kollateralschäden, die Bidens Sanktionsregime gegen den Kreml auslösen dürfte höhere Energiepreise und Inflationsraten. Fünf Dollar für die Gallone Benzin, damit in Kiew eine fragwürdige Regierung gestützt werden kann, so die Darstellung der Republikaner, das sei Amerikanern nicht zumutbar.

Für traditionelle Republikaner wie Mitt Romney sind die Putin-Versteher in den eigenen Reihen ein Graus. Als Präsidentschaftskandidat (gegen Obama) vor zehn Jahren warnte der heutige Senator aus Utah, dass Russland der geopolitischen Gegenspieler schlechthin sei für Amerika. Er wurde dafür als „kalter Krieger” bespöttelt, der in den 80er Jahren stecken geblieben sei. Heute spöttelt niemand mehr.

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Dieser Artikel ist zuerst auf waz.de erschienen.