Umfrage

Onlineunterricht ist an 42 Prozent der Schulen ein Problem

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Berlin.  Eine Umfrage unter Schulleitern zeigt, dass mangelhafte Digitalisierung das größte Problem der Schulen in der Corona-Pandemie bleibt.

In vielen Schulen bleibt die Verfügbarkeit von digitalen Endgeräten auch in der Corona-Zeit ein Problem.

In vielen Schulen bleibt die Verfügbarkeit von digitalen Endgeräten auch in der Corona-Zeit ein Problem.

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Die Digitalisierun g bleibt in der Corona-Pandemie das größte Problem an Deutschlands Schulen . Das geht aus einer repräsentativen Umfrage vor, die Forsa im Auftrag des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) unter Schulleitungen durchgeführt hat.

Bei der Befragung von 785 Schulleiterinnen und Schulleitern an allgemeinbildenden Schulen im Oktober und November gaben 42 Prozent an, dass mangelhafte Digitalisierung bei der Organisation des Schulbetriebes unter Corona-Bedingungen ein Problem darstelle. Jede dritte Schulleitung bemängelt zudem fehlendes Personal, für jede fünfte stellt die Organisation des Schulbetriebs im Allgemeinen derzeit eines der größten Probleme dar.

Digitalisierung der Schulen: Nicht genug Geräte für Schüler und Lehrer

Tatsächlich gibt es nur an sechs Prozent der Schulen digitale Endgeräte für alle Schülerinnen und Schüler, an 13 Prozent der Schulen Endgeräte für alle Lehrkräfte – und nur 15 Prozent der Schulleitungen sagen, dass die Lehrkräfte hinreichend für das digitale Arbeiten fortgebildet wurden.

Die digitale Ausstattung unterscheidet sich aber oft stark nach Schulform, wie aus der Umfrage hervorgeht. So sind Gymnasien am besten von allen ausgestattet und haben überdurchschnittlich häufig ausreichend fortgebildete Lehrkräfte.

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Unterricht trotz Corona: Hybridunterricht nicht umsetzbar?

„Der vielfach gepriesene ‚Hybridunterricht‘ wird nicht flächendeckend stattfinden können“, konstatiert VBE-Chef Udo Beckmann angesichts der Studienergebnisse. Er nennt es „vermessen“ von der Politik, hier Erwartungen zu wecken, die eh nicht erfüllt werden könnten. Es gebe zwar mittlerweile an 40 Prozent der Schulen in allen Räumen WLAN und an der Hälfte der Schulen einen Anschluss an das Breitbandnetz. Von einem Digitalschub zu sprechen, sei trotzdem fehl am Platz, so Beckmann.

Neben dem Problemfeld mit mangelhafter Digitalisierung, fehlenden digitalen Endgeräten und Problemen mit Online-Unterricht gestaltet sich auch die Umsetzung anderer Corona-Maßnahmen an Schulen schwierig: Jede vierte Schulleitung gab in der repräsentativen Umfrage an, dass die Einhaltung der Abstandsregeln ein großes Problem ist. Jede Fünfte gab an, dass die Hygienemaßnahmen und das regelmäßige Lüften eine Herausforderung seien.

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Hygiene: 83 Prozent der Schulen haben funktionierende Sanitäranlagen

Immerhin: Betrachtet man nicht die digitale, sondern die bauliche Ausstattung der Schulen, gibt es eine positive Überraschung: An mittlerweile 83 Prozent der Schulen gibt es intakte Sanitäranlagen. Sechs Prozent der Schulleitungen gaben zudem an, dass sich der Zustand seit Beginn der Pandemie verändert habe.

Eine großflächige Umstellung auf sogenannten Hybrid- oder Wechselunterricht wird es in Deutschland trotz anhaltend hoher Corona-Zahlen nun nicht geben. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Länderchefs vereinbarten, dass über solche Maßnahmen – bei denen etwa Klassen halbiert und abwechselnd zu Hause und in der Schule unterrichtet werden – weiterhin vor Ort und „schulspezifisch“ entschieden werden soll.

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Corona-Maßnahmen: Wechselunterricht bei hohen Infektionszahlen nicht verpflichtend

Zum Einsatz kommen soll Wechselunterricht zudem nur bei Schülern ab der 8. Klasse und wenn die Corona-Zahlen in einer Region extrem steigen. Als Grenze wird eine Zahl von 200 Neuansteckungen pro 100.000 Einwohnern pro Woche genannt. Das Robert Koch-Institut hatte ursprünglich eine Klassenteilung bei einer Inzidenz von 50 empfohlen. Hybridunterricht wird im aktuellen Beschluss auch nicht verpflichtend, sondern nur als Beispiel für etwaige Zusatzmaßnahmen bei starkem Infektionsgeschehen genannt.

Bildungsgewerkschaften wie der Deutsche Lehrerverband und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordern seit Beginn der zweiten Welle eine Umstellung auf hybriden Unterricht, um das Infektionsgeschehen in den Schulen einzudämmen und Infektionsschutz zu garantieren. Lesen Sie dazu: „Salami-Lockdown“ in Schulen - was bedeutet das?

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