Migration

Rekord: 86 Migranten bei Ärmelkanal-Überquerung festgenommen

London.  86 Migranten haben versucht, in Booten über den Ärmelkanal nach Großbritannien zu gelangen – eine Rekordzahl für einen einzelnen Tag.

Ende August im britischen Dover: Eine Gruppe Migranten wird von Grenzschutzbeamten an Land gebracht. Die Zahl der Überfahrten von Migranten von Frankreich nach England hat in den vergangenen Monaten stark zugenommen.

Ende August im britischen Dover: Eine Gruppe Migranten wird von Grenzschutzbeamten an Land gebracht. Die Zahl der Überfahrten von Migranten von Frankreich nach England hat in den vergangenen Monaten stark zugenommen.

Foto: Gareth Fuller / dpa

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So viele waren es noch nie an einem einzigen Tag: Insgesamt 86 Migranten sind am Dienstag in kleinen Booten vor oder an der britischen Küste aufgegriffen worden. Sie hatten offenbar den Ärmelkanal von Frankreich aus kommend überquert. Das berichtet die britische Nachrichtenagentur Press Association (PA).

Nach Angaben des britischen Innenministeriums handelte es sich um Männer, Frauen und Minderjährige. Die Zahl von 86 Migranten an einem Tag sei ein Rekord.

Vier Boote vor der Küste angefangen

Wie die PA berichtet, wurden nach einer Mitteilung der Einwanderungsbehörde vier Boote noch vor der britischen Küste abgefangen. Zwei weitere Migranten-Gruppen wurden demnach festgenommen, nachdem sie bereits angekommen waren.

Das Innenministerium in London verurteilte „dieses gefährliche und illegale Handeln“ und erklärte, man arbeite „auf allen Ebenen mit den französischen Behörden zusammen“, um diese Praxis zu unterbinden.

Frankreich als Sprungbrett nach Großbritannien

Großbritannien ist für viele Migranten ein bevorzugtes Einwanderungsziel. In den vergangenen Jahren hatten sich bis zu 10.000 Menschen in der nordfranzösischen Hafenstadt Calais und ihrer Umgebung in illegalen provisorischen Unterkünften angesiedelt. Der „Dschungel von Calais“ wurde im Oktober 2016 geräumt. Danach siedelten sich jedoch erneut Migranten in der Region an.

Unter den Migranten kommt es immer wieder zu Gewaltausbrüchen. Häufig vollziehen sich diese Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen. Anfang 2018 wurden fünf Menschen bei einer Massenschlägerei zwischen 100 Flüchtlingen aus Eritrea und rund 30 Afghanen lebensgefährlich verletzt.

Kampf gegen Menschenschmuggler

Großbritannien und Frankreich kooperieren seit August verstärkt, um illegale Migration zu bekämpfen. Die britische Innenministerin Priti Patel und ihr französischer Amtskollege Christophe Castaner hatten in Paris beschlossen, vor allem gegen die in den Sommermonaten deutlich zunehmenden Überfahrten mit kleinen Booten vorzugehen.

Sie werde nicht zulassen, dass „Banden von Menschenschmugglern weiterhin Leben in Gefahr bringen“, sagte Patel. Sie stimme mit Castaner überein, dass „mehr getan werden“ müsse, um die „kriminellen Netzwerke“ aufzudecken und zu verhindern, dass „diese Boote überhaupt in Frankreich ablegen“.

Zahl der Geretteten hat sich fast verdreifacht

Die Zahl der Überfahrten von Migranten von Frankreich nach England hat in diesem Jahr massiv zugenommen. Seit Januar seien 1451 Menschen gerettet worden, berichtete die Nachrichtenagentur AFP. Im vergangenen Jahr seien es 586 gewesen.

Wie Patels Ministerium mitteilte, sind seit Jahresbeginn 65 Migranten, die illegal in kleinen Booten in Großbritannien angekommen waren, in europäische Länder abgeschoben worden. (max/dpa)

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