Ukraine-Krieg

Ukraine: Rekrutiert Putin Terrorkämpfer für den Häuserkampf?

Miguel Sanches
| Lesedauer: 4 Minuten
Ukrainische Städte leisten weiter erbitterten Widerstand

Ukrainische Städte leisten weiter erbitterten Widerstand

Russland trifft bei seinem Angriff auf die Ukraine weiter auf erbitterten Widerstand: Der Vormarsch der russischen Truppen auf Kiew ist offenbar ins Stocken geraten. Allerdings setzte Russland den Beschuss der ukrainischen Hauptstadt und anderer Städte fort.

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Berlin   Russland hat es nötig, arabische Terrorkämpfer anzuwerben. Für den Häuserkampf in Kiew sind sie besser geeignet als Wehrpflichtige.

Im Ukraine-Krieg kämpfen auf beiden Seiten Freiwillige und Söldner. Die zahlenmäßig unterlegene Ukraine ist auf sie angewiesen und rekrutiert massiv ausländische Kämpfer. Aufhorchen lässt, dass auch Russland Kämpfer für seine "Spezialoperation" anwirbt. Ist es bloß Propaganda?

Moskau, Videokonferenz des Sicherheitsrates: Verteidigungsminister Sergei Schoigu referiert, es stünden 16.000 Freiwillige aus dem Nahen Osten bereit, um die russischen Truppen zu unterstützen.

Kämpfer: Mehr als ein Propagandatrick?

Präsident Wladimir Putin nickt. Es sei klar, dass die westlichen Sponsoren des Regimes in Kiew Söldner schickten. "Wenn jetzt Freiwillige aus dem Nahen Osten aus eigenem Willen – nicht für Geld – den Menschen im Donbass helfen wollen, dann muss man es ihnen ermöglichen, in die Konfliktzone zu gelangen."

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Die Szene wirkt wie ein abgekartetes Spiel: Als Antwort auf die Fremdenlegionäre in der Ukraine, insbesondere frühere britische und kanadische Soldaten. Sie sind für Russland ein Ärgernis. Der jüngste tödliche Raketenangriff in Jaworiw nahe der polnischen Grenze galt offenbar einem Stützpunkt, in dem ausländische Rekruten ausgebildet wurden.

Ukraine-Krise – Die wichtigsten News zum Krieg

Es liegt nahe, dass Putins Ankündigung Teil eines Informationskriegs ist, um mit der Ukraine propagandistisch gleichzuziehen. Und doch spricht vieles dafür, dass die Angaben über ausländische Kämpfer an der Seite des Aggressors auch stimmen könnten und militärisch sinnvoll sind:

Putin-Anhänger im arabischen Raum

Erstens, Im arabischen Raum ist Russlands starker Mann beliebt – schon weil er den verhassten Amerikanern trotzt. Nicht nur Syriens Regime ist Putin zu Dankbarkeit verpflichtet. Auch die schiitische Hisbollah hat zuletzt den Westen für den Krieg in der Ukraine verantwortlich gemacht und Russland gegen Schuldzuweisungen in Schutz genommen.

Zweitens, die Freiwilligen sind willkommen, weil die russischen Truppen deutliche Verluste zu verzeichnen haben. In Russland selbst war zuletzt von 9681 Todesopfern die Rede. Kampfverbände müssen aufgefüllt werden.

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Drittens, beim Sturm auf Städte wie Mariupol, Odessa oder Kiew sind Wehrpflichtige überfordert. Für die urbane Kriegsführung fehlen ihnen die Ausbildung und die Erfahrung. Terrorkämpfer aus Syrien könnten sich schon eher im Gefecht bewähren.

Kämpfer aus Syrien kennen sich im Häuserkampf aus

Für den braucht die Armee Spezialeinheiten und hartgesottene Waffenbrüder. Einige kämpfen längst an der Seite der Russen, so etwa die berüchtigte Gruppe Wagner – auch als Putins Privatarmee bekannt –, die sich aus ehemaligen Militärangehörigen zusammensetzt. Gleiches gilt für die Einheiten von Tschetschenenführer Ramsan Kadirow Putins "Bluthund". Aber auch Milizen und Hilfstruppen aus dem syrischen Bürgerkrieg wären bestens geeignet. Diese Terrorkämpfer werden keineswegs allein als Kanonenfutter gebraucht.

Ukraine-Krieg – Hintergründe und Erklärungen zum Konflikt

Das "Wall Street Journal" berichtete unter Berufung auf US-Beamte, dass sich bereits einige Kämpfer in Russland befinden und sich auf den Einsatz in der Ukraine vorbereiten. Umgekehrt behauptete der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba, dass rund 20.000 ausländische Freiwillige eingereist seien, um seinem Land zu helfen.

Kämpfer – sie werden härter als Soldaten behandelt

Russland droht ihnen im Fall einer Gefangennahme mit Strafverfahren. In Moskau betonte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, letzte Woche der Nachrichtenagentur Interfax zufolge, dass alle vom Westen entsandten Söldner, die dem Kiewer Regime helfen, kein Recht auf den Status eines Kriegsgefangenen haben". Sie sollten "sieben Mal nachdenken, bevor sie abreisen".

Dieser Artikel erschien zuerst auf www.waz.de