Umfrage

Ukraine-Krieg überlagert bei vielen Firmen die Corona-Sorgen

Tobias Kisling
| Lesedauer: 3 Minuten
Habeck sieht Deutschland bei Energie-Unabhängigkeit auf gutem Weg

Habeck sieht Deutschland bei Energie-Unabhängigkeit auf gutem Weg

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sieht Deutschland bei der Unabhängigkeit von Energie aus Russland auf einem guten Weg. So wären nach seinen Worten Ausfälle beim Öl verkraftbar, bei Erdgas sei die Abhängigkeit weiter deutlich gesunken, von 55 vor dem Ukraine-Krieg auf inzwischen 35 Prozent.

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Berlin.  Fast zwei Jahre lang drehte sich in vielen Firmen fast alles um die Corona-Pandemie. Nun belasten die Kriegsfolgen den Mittelstand.

Der Krieg in der Ukraine und die daraus resultierenden Folgen für die deutsche Wirtschaft überlagern bei Entscheidern im Mittelstand die Sorge vor dem weiteren Verlauf der Corona-Pandemie deutlich.

Das ist das Ergebnis einer repräsentativen YouGov-Umfrage unter 508 Personen mit Entscheidungsbefugnis in kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland, die unserer Redaktion vorliegt.

Ukraine-Krieg: Mittelständische Firmen sorgen sich vor Wirtschaftskrise

Nur noch 11 Prozent der Führungskräfte sehen in der Corona-Krise die derzeit größte Gefahr für das eigene Geschäftsmodell – damit liegt die Corona-Pandemie hinter der Gefahr der Wirtschaftskrise (25 Prozent), des Krieges (24 Prozent) sowie Cyberattacken und Hackerangriffen. Mehr als zwei Drittel der Firmen rechnen laut der Umfrage damit, dass es in den kommenden drei Jahren häufiger zu großen Krisen kommen wird.

Dabei haben Krieg und die Pandemie bereits deutliche Spuren hinterlassen. 13 Prozent der Führungskräfte gaben an, dass die Umsätze ihrer Firmen seit Jahresbeginn 2021 um bis zur Hälfte gesunken seien. Drei Prozent gaben Umsatzverluste von bis zu 75 Prozent an, zwei Prozent sogar darüber hinausgehende Rückgänge.

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Ukraine-Krieg: Steigende Energiepreise verunsichern Firmen

„Kleine und mittlere Unternehmen haben gerade richtig zu kämpfen. Auf eine Krise folgt die nächste“, sagte Peter F. Schmid, Vorstandsvorsitzender der Handelsplattform Visable, die die Umfrage in Auftrag gegeben hatte.

Laut der Umfrage belasten derzeit vor allem die steigenden Energie- und Rohstoffkosten sowie die Lieferkettenprobleme die kleinen und mittleren Unternehmen. Immerhin scheinen diese Vorkehrungen zu treffen: Jede fünfte Firma hat nach eigenen Angaben betriebliche Notfallpläne erarbeitet, ähnlich viele haben Vorräte an Materialien angelegt.

Beschäftigte bemängeln rückgängiges Umweltbewusstsein

Auseinander gehen die derzeitigen Einschätzungen zwischen Entscheidern und Beschäftigten bei Fragen nach Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein. Während fast jeder dritte von YouGov befragte Mittelständler angab, dass Nachhaltigkeit durch die Krisen einen höheren Stellenwert erhalten habe, kommt eine Studie des Personaldienstleisters Königsteiner unter Beschäftigten zu einem anderen Ergebnis.

Das Kölner Marktforschungsinstitut respondi befragte für die Studie, die unserer Redaktion vorliegt, 1000 Beschäftigte – und verglich die Ergebnisse mit einer identischen Umfrage aus dem Jahr 2020. Während damals noch jeder dritte Befragte fand, dass das Umweltbewusstsein im Unternehmen eine große Rolle spiele, finden das derzeit nur noch 22 Prozent. 28 Prozent sagen sogar, dass das Umweltbewusstsein in ihrer Firma gar keine Rolle spiele – 15 Prozent mehr als noch vor zwei Jahren.

„Die Arbeitswelt war in den vergangenen zwei Jahren natürlich von der Pandemie überschattet. Wir sehen an unseren Zahlen nun, dass in dieser Zeit auch das Umweltbewusstsein vieler Arbeitgeber gelitten hat“, sagte Nils Wagener, Geschäftsführer der Königsteiner Gruppe.

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Dieser Artikel erschien zuerst auf waz.de.