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Ukraine-Krieg: Online-Plattform bietet Jobs für Geflüchtete

Vera Denkhaus
| Lesedauer: 5 Minuten
Geflüchtete aus der Ukraine: Baerbock fordert "solidarische Luftbrücke" auch über den Atlantik

Geflüchtete aus der Ukraine: Baerbock fordert "solidarische Luftbrücke" auch über den Atlantik

Um die Flüchtlings aus der Ukraine besser verteilen zu können, wirbt Bundesaußenministern Annalena Baerbock für eine internationale Luftbrücke. Nach einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg bekräftigt Baerbock, dass diese "solidarische Luftbrücke innerhalb Europas aber auch über den Atlantik" nötig ist.

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Berlin   Der Krieg in der Ukraine zwingt immer mehr Menschen zur Flucht. „Job Aid Ukraine“ will ihnen auf dem deutschen Arbeitsmarkt helfen.

  • Wegen dem Ukraine-Krieg mussten Millionen Menschen aus ihrem Land fliehen
  • Viele von ihnen kommen auch nach Deutschland
  • Die Online-Plattform "Job Aid Ukraine" will nun mit der Vermittlung von Jobs helfen

Mehr als 1,5 Millionen – meist Frauen, Kinder sowie ältere Menschen – sind laut dem UN-Flüchtlingshilfswerk aus der Ukraine geflohen, seit Russlands Präsident Wladimir Putin im Februar einen Krieg begonnen hat. Neben Hilfsgütern und Geld auf dem Fluchtweg brauchen die Menschen nun vor allem eins: eine Perspektive in den Ländern, in denen sie Zuflucht gefunden haben. Dazu gehört auch eine Arbeit, um sich ein eigenständiges Leben aufbauen zu können.

Dieser Überzeugung ist auch Marcus Diekmann. Der Unternehmer hat gemeinsam mit seinem Freund Christian Weis die Webseite „Job Aid Ukraine ins Leben gerufen. Eine Plattform, die möglichst schnell und unbürokratisch Jobs an Geflüchtete aus der Ukraine vermitteln will, oder an die, denen die Flucht noch bevorsteht. Diekmann hat dafür die Kontakte. Weis hat mit seinem Team den Aufbau des Portals technologisch unterstützt. Innerhalb von drei Tagen ging die Seite „Job Aid Ukraine“ online, nach zwei Tagen waren schon 500 Stellen inseriert.

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„Job Aid Ukraine“ wird durch große deutsche Firmen unterstützt

Um Firmen zu finden, die Geflüchteten mit Jobs helfen wollen, komme Diekmann sein breit aufgestelltes Netzwerk zugute. „SAP haben wir schon an Board und Douglas hat auch zugesagt.“ In den vergangenen Tagen habe er auch mit einem großen Betreiber von Seniorenresidenzen gesprochen. 2000 Jobs sollen allein darüber zur Verfügung gestellt werden. Dabei sei es ihm wichtig, ausführliche Gespräche zu führen, um abzusichern, dass es um gute Angebote und nicht um günstige Arbeitskräfte geht.

Doch wie ist die Idee zu „Job Aid“ entstanden? „Mein altes Au-Pair ist Ukrainerin. Ich habe mir ihr telefoniert und sie gebeten, mit ihrer Schwester und Familie zu uns nach Deutschland zu kommen“, so Diekmann. „Aber sie hat direkt gefragt: ‚Was machen wir da?‘“. Da sei ihm klar geworden, wie wichtig auch eine berufliche Perspektive für die Menschen ist.

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Die Webseite „Job Aid Ukraine“ ist zweisprachig aufgebaut

Die Homepage ist simpel und zweisprachig aufgebaut. Alle Informationen sind sowohl in englischer, als auch ukrainischer Sprache zu finden. Jobsuchende können sich die bereits vorhandenen Stellenangebote anschauen, Firmen können kostenfrei Stellen inserieren.

Der stetige Eingang an neuen Jobs zeigt, viele Unternehmen wollen helfen. Ganz unterschiedliche Angebote sind vertreten. Im Bereich Architektur, Marketing und Zahnhygiene wird gesucht, aber auch Metallarbeitende, Friseurinnen und Friseure sowie Erntehelfer werden geworben. Damit kein Missbrauch geschieht, wird jedes einzelne Inserat geprüft und freigeschaltet. Und das bedeutet viel Arbeit für ein kleines Team: „Wir sind aktuell nur fünf Leuten“, so Diekmann.

„Job Aid Ukraine“ soll dauerhaft gemeinnützig bleiben

Gute Perspektiven sieht der Unternehmer neben der auch für das Handwerk und die IT. „Ich arbeite seit Jahren mit ukrainischen IT-Kräften zusammen, in dem Bereich ist die Ukraine besonders gut ausgebildet.“ Man müsse aber darauf achten, nach den Potentialen der Leute zu schauen und sie nicht in ganz fremde Positionen zu bringen.

Auch deshalb hat Diekmann langfristige Pläne für die Zukunft. „Wir gründen einen gemeinnützigen Verein. Niemand darf mit Job Aid Geld verdienen“, so Diekmann. „Ich hatte selbst so unglaublich viel Glück in diesem Leben, dass ein Tag in der Woche immer ins Ehrenamt geht.“

Künftig will „Job Aid Ukraine“ allen Geflüchteten offen stehen

Die nächsten Schritte auf der Website sollen Profile sein, die Geflüchtete selbst anlegen können, um sich und ihr Knowhow zu präsentieren. Darüber hinaus sollen Anwaltskanzleien engagiert werden, die hilfreiches und frei verfügbares Wissen für alle Geflüchteten zusammenstellen. Auch ein Supportcenter ist irgendwann geplant. „Doch gerade haben wir einfach noch viele To-Dos abzuarbeiten.“

Die Frage, ob die Seite dauerhaft nur für ukrainische Geflüchtete nutzbar sein soll, verneint Diekmann. „Wir wollen uns in der Zukunft auf jeden Fall für alle Geflüchteten öffnen. Auch durch den Klimawandel wird die Flucht eins der zentralen Themen der kommenden Jahrzehnte sein.“ Daher brauche die Organisation künftig auch freiwillige Mitstreiterinnen und Mitstreiter. „Es kann und muss ja nicht jeder so viel Energie reinstecken wie wir. Aber auch eine Stunde Mitarbeit wird uns helfen.“

Wie viele Jobs bisher vermitteln wurden vermag Diekmann nicht zu sagen. „Aber eine Stelle wurde auf jeden Fall besetzt. Eine Frau aus der Ukraine fand das Projekt toll und wird zukünftig mitarbeiten. Wir brauchten auch jemanden der besseres Ukrainisch spricht als ich.“

Weitere Informationen finden Sie auf der Seite „Job Aid Ukraine“.

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Dieser Artikel ist zuerst auf waz.de erschienen