Kommentar

Kampfjets für die Ukraine: So gefährlich ist der Streit

Dirk Hautkapp
| Lesedauer: 2 Minuten
Ukraine fordert weitere Waffen von den USA für Verteidigung gegen Russland

Ukraine fordert weitere Waffen von den USA für Verteidigung gegen Russland

Bei einem Treffen mit Antony Blinken hat der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba seinen US-Kollegen um weitere militärische Unterstützung gebeten. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenksyj telefoniert derweil erneut mit US-Präsident Joe Biden.

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Berlin   Der Streit über die Kampfjet-Lieferung in die Ukraine zeigt die Schwächen des Westens deutlich, meint US-Korrespondent Dirk Hautkapp.

Bei dem Bemühen, der Ukraine dringend benötigte Feuerkraft aus der Luft gegen die vorrückenden Aggressoren aus Moskau zukommen zu lassen, gibt der Westen gerade ein miserables Bild ab.

Die unausgegorene und zu schnell an die Öffentlichkeit geratene Idee, Kiew Kampfjets aus polnischen Beständen zukommen zu lassen und Warschau dafür mit modernem US-Fluggerät zu kompensieren, gerät noch vor der Umsetzung in schwere Turbulenzen; wenn sie nicht längst abgestürzt ist.

Kampfjets: Niemand will als erster in Putins Fadenkreuz gelangen

Warschau wäre zwar dazu bereit, will die sensible Rüstungsgüter-Lieferung aber nicht im Alleingang stemmen. Amerika (und vermutlich auch Deutschland) wollen dagegen nicht, dass die alten MiG-29 und Su-25 aus russischer Produktion über den US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz ins ukrainische Kriegsgebiet verschoben werden. Die Motive sind nachvollziehbar.

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Wladimir Putin würde den Kampfbomber-Ringtausch als indirekte Kriegserklärung des Westens auffassen. Niemand will als erster in sein Fadenkreuz gelangen. Dass Washington das zugegeben überfallartig lancierte Angebot der Polen zum Kampfjet-Deal im Stil von „Das-ist-eure-Angelegenheit” abgebürstet hat, war jedoch wenig hilfreich.

Polen ist besonders verwundbar und sensibel

Warschau weist berechtigt darauf hin, dass die heikle Aktion, die als Kompensation für eine bereits verworfene Flugverbotszone herhalten soll, ein breites Nato-Mandat bekommen müsste. Was bedeuten würde, es stünde nicht allein, falls Russland dafür militärisch die Quittung schickt.

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Polen schultert bereits 1,3 Millionen Kriegsflüchtlinge und - als Transitland und Drehkreuz - den Löwenanteil der Waffenlieferungen des Westens in die Ukraine. Das macht besonders verwundbar und sensibel. Amerika ist geografisch sehr weit weg und hat die Polen das unnötig spüren lassen. Erste Risse in der Einheitsfront gegen Russland werden sichtbar. Kriegsverbrecher Putin wird das ausnutzen.

Dieser Artikel ist zuerst auf waz.de erschienen