Ukraine-Krieg

Explosion auf Krim-Brücke: Zweifel an Geheimdienst-Version

Miguel Sanches
| Lesedauer: 3 Minuten
Putin macht "Terrorismus" für Nord-Stream-Lecks verantwortlich

Putin macht "Terrorismus" für Nord-Stream-Lecks verantwortlich

Dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zufolge ist der "internationale Terrorismus" verantwortlich für die Lecks in den beiden Nord-Stream-Pipelines.

Video: Krise, Krieg, Konflikt, Wirtschaft und Finanzen, Politik
Beschreibung anzeigen

Berlin   Nach der Explosion auf der Krim-Brücke präsentierte Russlands Geheimdienst eilig Verdächtige und Beweise. Wie sich zeigt: arg übereilt.

Zur Festnahme von acht Verdächtigen hat Russland eine Erklärung für die Explosion auf der Brücke zur Krim präsentiert, inklusive Fotos und Röntgenaufnahmen von einem Lastwagen. Doch an den vermeintlich belastenden Hinweisen gibt es zunehmend Zweifel, die in sozialen Netzwerken eifrig diskutiert werden.

Es geht einerseits um Aufnahmen einer Überwachungskamera, die einen Lastwagen zeigen, der kontrolliert wurde – und andererseits um Röntgenaufnahmen des selben Fahrzeuges, der verdächtigt wird, die Bombe transportiert zu haben, mit der die Brücke über die Straße von Kertsch stark beschädigt wurde. Der Journalist Oliver Alexander teilte die Bilder auf Twitter und machte aufmerksam auf viele Ungereimtheiten.

Das Foto zeigt einen dunkelroten Truck des Typs "International Pro Star" plus Anhänger mit doppelter Hinterachse. Der LKW auf dem Röntgenbild hat hingegen nur eine. Auf weiteren Bildern, die vom russischen Inlands-Geheimdienst FSB veröffentlicht wurden, erkennt man ebenfalls einen roten Lastwagen, eindeutig allerdings ein anderer Typ, nämlich ein DAF.

Krim-Brücke: Zweifelhafte Fotos und Röntgenaufnahmen

Aufgenommen wurde es an einem Kontrollpunkt an der Grenze von Georgien nach Russland. Es gibt noch weitere rätselhafte Details, unter anderem ein falsch positioniertes Reserverad am Anhänger und einen seitlichen Stoßfänger, der auf Röntgenbildern gar nicht erst zu sehen ist.

Laut dem Ladungsverzeichnis, das ebenfalls publik und auf Telegram-Kanälen verbreitet wurde, transportierte das verdächtige Fahrzeug auf der Krim Rollen mit Kantenband, in denen der Sprengstoff versteckt gewesen sein soll. Es habe die ukrainische Hafenstadt Odessa bereits im August verlassen und sei durch Bulgarien, Georgien und Armenien nach Russland gelangt. Diese fahrende Bombe sei dann am Samstag auf der Krim-Brücke explodiert. Der FSB ist sich sicher, dass hinter dem "terroristischen Angriff“ der Militärgeheimdienst der Ukraine steckt.

Der Journalist erklärt sich die Ungereimtheiten damit, dass die russischen Ermittlungsbehörden in der aufgeheizten Stimmungslage mitten im Ukraine-Krieg schnell Ergebnisse liefern und vor allem zur ihrer Entlastung dokumentieren müssen, dass der Sprengstoff gut versteckt gewesen sei. Schließlich war das Fahrzeug am Anfang der Brücke sogar durchsucht worden. Es stellen sich kritische Fragen nach der Sicherheit und nach der Effizienz der Kontrollen an der Brücke.

Ukraine-Krise – Die wichtigsten News zum Krieg

Es gibt allerdings eine andere Erklärung, die vieles plausibler erscheinen lässt. Demnach sei die Ladung von zwei Fahrzeugen transportiert und einmal vom DAF auf den International Pro Star umgeladen worden; schon um die Spuren(Suche) zu verwischen. Nach dieser Version wäre nicht die Erklärung fragwürdig, sondern ihre öffentliche Darstellung durch den FSB bloß verwirrend.

Das könnte Sie auch interessieren: Ukraine-Krieg: Putin vom Geheimdienst in die Irre geführt?

Dieser Artikel erschien zuerst auf www.morgenpost.de.