Kurssturz

Börse: So viel verlieren Anleger wegen der Ukraine-Krise

Alexander Klay
| Lesedauer: 6 Minuten
Was sind Aktien und wie entsteht ihr Preis?

Was sind Aktien und wie entsteht ihr Preis?

Erklärung von Aktien und Zusammenhängender Begriffe

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Berlin.  Aktienkurse sind wegen des Kriegs in der Ukraine drastisch gefallen. Wie viel haben Anleger verloren – und was ist jetzt wertvoller?

Die russische Invasion in der Ukraine hat am Donnerstag weltweit einen Kursrutsch an den Börsen ausgelöst. Besonders schwer traf es die Aktien russischer Unternehmen. Zeitgleich stürzte die Landeswährung Rubel auf ein neues Rekordtief. Auch an den Handelsplätzen im Westen waren die Schockwellen deutlich zu spüren. Dagegen stiegen die Preise für wichtige Rohstoffe und Nahrungsmittel auf mehrjährige Höchststände. Die Entwicklungen im Überblick.

Ukraine-Krise – Alle News zum Krieg

Aktien: Das bedeutet der Krieg für Anleger

Während in der Ukraine am Donnerstag die ersten Schüsse fielen, setzte an der Moskauer Börse eine Flucht der Anleger aus dem russischen Markt ein. Der Kurs des RTS-Index, der die 50 größten börsennotierten Unternehmen des Landes umfasst, stürzte am Vormittag drastisch von 1061 auf 612 Punkte ab. Innerhalb von sechs Tagen büßte das russische Börsenbarometer 60 Prozent ein.

Weniger schwer, aber dennoch deutlich zu spüren waren die Auswirkungen auch in Europa und den USA. Der deutsche Aktienleitindex Dax verlor in der Spitze über 5,6 Prozent und fiel nach Handelsbeginn zum ersten Mal seit fast einem Jahr unter die Marke von 14.000 Punkten. Bis zum Handelsschluss konnte der deutsche Leitindex seine Verluste auf 3,96 Prozent verringern und schloss bei 14.052,10 Punkten.

Ähnliche Verluste verzeichnete der Eurozonen-Leitindex Euro Stoxx 50. Gefragt waren dagegen Anteilsscheine des aus Airbus hervorgegangenen Rüstungsunternehmens Hensoldt – die Aktie legte in der Spitze um 13 Prozent zu. Analyse: Aktien, Gold, Anleihen: Wie sich die Ukraine-Krise auswirkt

Als am Nachmittag deutscher Zeit die US-Börsen öffneten, setzte sich die Talfahrt dort fort. Das wichtigste Börsenbarometer, der Aktienindex Dow Jones Industrial, verlor bereits innerhalb der ersten 30 Minuten 2,31 Prozent und notierte bei 32.367,93 Punkten. Die Verluste summieren sich binnen einer Woche inzwischen auf sieben Prozent.

Damit sind die gesamten Kursgewinne der vergangenen zwölf Monate dahin. Sie waren Ausdruck der wirtschaftlichen Überholung, nachdem die Wirtschaft die schlimmsten Folgen der Corona-Pandemie übwunden hatte.

Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf Euro, Dollar, Rubel

Wie auf dem Aktienmarkt ist Russland auch am Devisenmarkt für den Angriff auf das Nachbarland abgestraft worden. Der Wert der Landeswährung Rubel stürzte gegenüber dem Dollar um neun Prozent ab und erreichte damit ein neues Rekordtief. Die russische Notenbank sah sich gezwungen, Interventionen anzukündigen. Sie werde die Finanzstabilität des Landes und die Geschäfte der Finanzinstitutionen „mit allen nötigen Instrumenten“ aufrechterhalten. Ziel sei es, die „Lage zu stabilisieren“.

In weitaus geringerem Umfang verlor auch der Euro an Wert. Die Europä­ische Zentralbank (EZB) setze den Referenzkurs für die Gemeinschaftswährung auf 1,1163 Dollar fest – das waren rund 1,8 Cent weniger als am Mittwoch. Entsprechende Gewinne verzeichnete im Gegenzug der US-Dollar. Die in Krisenzeiten gefragten Währungen Yen und Schweizer Franken verteuerten sich ebenfalls.

Die Digitalwährung Bitcoin stürzte zeitgleich zum Einmarsch der russischen Truppen in der Ukraine um rund neun Prozent auf 30.500 Euro ab. Im Tagesverlauf machte das wichtigste Kryptogeld die Verluste aber weitgehend wett. Trotz der massiven Kursschwankungen und keinem realen Gegenwert werden Bitcoin & Co. von manchen Anlegern als vergleichsweise sicherer Hafen in Krisenzeiten gesehen.

Öl und Gold: So verändern sich die Preise wegen des Ukraine-Kriegs

Unterdessen hat die russische Invasion in der Ukraine die Nachfrage nach der Krisenwährung Gold stark steigen lassen. Eine Feinunze (31,1 Gramm) kostete am Donnerstag zwischenzeitlich 1949 Dollar – so viel wie seit Januar 2021 nicht mehr. Damals hatte die Corona-Pandemie die Weltwirtschaft mit einer hohen Zahl von Todesfällen fest im Griff.

Noch teurer als ohnehin schon ist Erdöl. Die für Europa maßgebliche Nordseeölsorte Brent verteuerte sich am Donnerstag um neun Prozent. Damit kostete ein Fass (159 Liter) erstmals seit 2014 wieder mehr als 100 Dollar.

An den Tankstellen machte sich der Krieg in der Ukraine noch nicht bemerkbar. Nachdem Super E10 und Diesel am Mittwoch mit Preisen von 1,750 und 1,663 Euro je Liter neue Allzeithochs erreicht hatten, ermittelte der ADAC am Donnerstag vergleichbare Werte.

Aber: „Es ist zu befürchten, dass die Höchstpreise von gestern nicht die letzten bleiben werden“, sagt Kraftstoffmarktexperte Jürgen Albrecht. Ein Benzinpreis von zwei Euro im bundesweiten Tagesdurchschnitt sei aber „in absehbarer Zeit nicht zu erwarten“, so Albrecht. Mehr zum Thema: Spritpreise auf Allzeithoch: Noch nie war Tanken so teuer

Auch andere wichtige Rohstoffe verteuerten sich durch die Ukraine-Krise drastisch. Der Aluminiumpreis etwa erreichte mit 3388 Dollar für eine Tonne einen neuen Rekordstand. Grund für die Entwicklung: Russland ist der weltgrößte Anbieter des Materials, das Bestandteil vieler Industrieprodukte ist.

Krise auch bei Preisen für Nahrungsmittel spürbar

Auch die Bauern in Deutschland gucken mit Sorge auf den Krieg in der Ukraine. Schon im vergangenen Jahr mussten sie wegen der steigenden Energiepreise deutlich mehr für Dünger und Diesel zahlen. Stickstoffdünger sei derzeit bereits exorbitant teuer und knapp, sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied.

Für die Produktion wird Erdgas benötigt. Mit der Verschärfung der Ukraine-Krise zu einem Krieg könnte sich die Lage weiter zuspitzen. „Wir machen uns sehr große Sorgen“, sagte Rukwied. „Wir befinden uns derzeit in einem Blindflug, da keiner weiß, wie sich die Preise für Betriebsmittel und Getreide entwickeln werden.“

Die Ukraine und Russland sind wichtige Exporteure von Getreide. Kriegsbedingte Einschränkungen würden vor allem die Menschen in Arabien, Nordafrika und Asien treffen. Europa kann sich selbst versorgen – genügend Dünger vorausgesetzt.

Der russische Einmarsch in der Ukraine wirkte sich dann auch gleich auf den Weltmarkt aus. Der Preis für ein Scheffel Weizen (27,2 Kilogramm) stieg an der maßgeblichen Rohstoffbörse in Chicago auf 9,35 Dollar. Das ist der höchste Stand seit 2012.

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