Kriegsverbrechen

Ukraine-Krieg: USA haben Hinweise auf Deportationen

Miguel Sanches
| Lesedauer: 2 Minuten
Selenskyj: "Mariupol ist komplett zerstört"

Selenskyj: "Mariupol ist komplett zerstört"

Auch am Freitag haben Helfer versucht, die schätzungsweise noch 200 Zivilisten aus dem von russischen Truppen belagerten Stahlwerk im ukrainischen Mariupol zu evakuieren. Nach ukrainischen Angaben konnten bis zum Abend 50 Zivilisten herausgebracht werden. Laut Präsident Wolodymyr Selenskyj ist die Stadt "komplett zerstört".

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Berlin   Seit Beginn des Ukraine-Kriegs wird der Vorwurf laut, dass russische Soldaten Zivilisten verschleppen. Die USA haben Hinweise darauf.

Die USA haben nach eigenen Angaben Hinweise darauf, dass Ukrainerinnen und Ukrainer von russischen Truppen gewaltsam nach Russland verschleppt werden. Das Verhalten sei "skrupellos", kritisierte Pentagon-Sprecher John Kirby. "Ich kann nicht sagen, wie viele Lager es gibt oder wie sie aussehen", schränkte er ein.

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Solche Vorwürfe gibt es im Ukraine-Krieg seit Langem, leicht verifizierbar sind sie nicht. Auch die US-Amerikaner hielten sich lange zurück und sind sich erst jetzt zweifelsfrei sicher, dass an den Gerüchten, Klagen und Berichten was dran ist. Zuletzt forderte die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Luise Amtsberg (Grüne), Aufklärung.

Ukraine-Krieg: Bis zu 1,2 Millionen Menschen verschleppt?

Laut der Menschenrechtsbeauftragten des ukrainischen Parlaments, Ljudmila Denissowa, wurden seit Kriegsbeginn "mehr als 1,19 Millionen unserer Bürger, darunter mehr als 200.000 Kinder, in die Russische Föderation deportiert".

Ausharren und Bleiben ist eine zunehmend riskante Alternative, wie die Kriegsverbrechen in Butscha gezeigt haben. Die russischen Soldaten differenzieren mithin nicht zwischen Kämpfenden und Zivilisten.

Jeden Tag fliehen denn auch Menschen aus den Kampfgebieten. Wohin, ist eine Frage der Opportunität, der Risikoabwägung. Meist schlagen sie sich Richtung Westen durch.

Andere zieht es Richtung Norden in die Ostukraine oder weiter in den Osten: nach Russland. Der Bürgermeister von Mariupol, Wadym Boitschenko, warf Russland vor, ukrainische Bürger unter dem Deckmantel der Evakuierung zu verschleppen.

Verschleppungen in der Ukraine: Eklatanter Bruch des Völkerrechts

Es gibt glaubhafte Berichte, wonach die russischen Truppen Busse mit Flüchtlingen, die sich unterwegs Richtung Westen wähnen, in den Osten "umgeleitet" haben; gegen den Willen der Betroffenen. Die Grenzen zwischen "abschieben", "verschleppen", "deportieren", "entführen" oder "evakuieren" sind fließend.

Wer in einem Bombenkeller in Mariupol von russischen Soldaten aufgegriffen wird, stellt womöglich keine Fragen. Zur Wahrheit gehört, dass es manchen gelungen ist, über Umwege wieder nach Westeuropa zu kommen, zum Beispiel über das Baltikum oder über die Türkei.

Solche Berichte häufen sich. "Sie müssten zwingend Gegenstand der internationalen Untersuchungen zu russischen Kriegsverbrechen sein", sagte Luise Amtsberg unserer Redaktion. "Sollten diese Personen gegen ihren Willen nach Russland verbracht worden sein, wäre das ein erneuter eklatanter Bruch des Völkerrechts."

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Wo die Menschen untergebracht werden, ist nicht immer klar - manchmal landen sie in Sachalin im äußersten Osten. Im Volksmund heißt es, um auf der Insel – im Zarenreich als Strafkolonie berüchtigt – zu überleben, müsse man betrunken oder verrückt sein.

Dieser Artikel erschien zuerst auf www.waz.de