Verluste

Putins Blamage: Totalschaden nach zwei Monaten Ukraine-Krieg

Miguel Sanches
| Lesedauer: 4 Minuten
Trotz ständiger Angriffe Russlands: So Leben die Menschen in Charkiw

Trotz ständiger Angriffe Russlands: So Leben die Menschen in Charkiw

Charkiw ist die zweitgrößte der Ukraine. Vor dem russischen Angriffskrieg hatte sie rund anderthalb Millionen Einwohner. Mittlerweile sind zahlreiche Menschen geflohen, auch im Zuge der neuen russischen Offensive. Doch viele Einwohner harren immer noch dort aus.

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Berlin   Nach zwei Monaten Krieg gegen die Ukraine ist die Bilanz für Russland ziemlich blamabel. Es droht ein Totalschaden auf allen Ebenen.

Am 24. Februar begann der Überfall auf die Ukraine. Was hat Russlands Präsident Wladimir Putin in zwei Monaten erreicht? Die Bilanz einer militärischen, ökonomischen und politischen Fehlkalkulation.

Die Ukraine ist nicht besiegt. Der erhoffte Blitzerfolg blieb aus. Den russischen Truppen gelang es selbst nach dem Rückzug aus dem Raum Kiew bislang nicht, den Osten – Putins Minimalziel – zu erobern.

Die Schlacht um den Donbass könnte nach Einschätzung des US-Militärbloggers "Jomini of the West" in eine "Pattsituation" enden. Die Verteidiger um General Waleryj Saluschnyj haben vieles richtig gemacht

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Zwei Monate Krieg: Putins Bilanz in Ukraine ist blamierend

Die Zeit läuft den Russen davon. Putin steht unter Druck, zum Feiertag am 9. Mai einen Erfolg der so genannten "Spezialoperation" zu vermelden. Die Kämpfe nahmen denn auch am Wochenende zu.

„In Richtung Donezk führt der Feind Angriffshandlungen entlang der gesamten Frontlinie durch“, teilte der ukrainische Generalstab mit. Auf das Stahlwerk Azovstal in Mariupol habe die die Angriffe wieder aufgenommen. Der Feind versucht, den letzten Widerstand der Verteidiger von Mariupol zu ersticken", sagte Präsidentenberater Olexij Arestowytsch.

Russland gegen die Ukraine: Totalschaden auf der ganzen Linie

Russland erlitt große Verluste. Mindestens 20.000 Soldaten sind wohl gefallen oder werden vermisst. Längst dürften mehr Soldaten gestorben sein als im zehnjährigen sowjetischen Militäreinsatz in Afghanistan.

Ukraine-Krise – Die wichtigsten News zum Krieg

Der Rufschaden ist enorm, weil sich die Russen nicht nur militärisch blamiert haben. Nach den Gräueltaten in Butscha werden sie obendrein weltweit wegen schwerster Kriegsverbrechen angeprangert.

Die Unruhe im Apparat ist groß. Putschgerüchte machen die Runde. In den Geheimdiensten mussten Köpfe rollen. Über Sabotage wird spekuliert, seit in drei kriegsrelevanten Industrieanlagen Brände ausgebrochen sind.

Putin hat seine Kriegsziele verfehlt

Trotzdem wird Russland seine Offensive womöglich forcieren und es auf einen langen Abnutzungskrieg ankommen lassen. Zuletzt machte ein General klar, dass Putin sogar eine Ausweitung des Konflikts erwägt: Die Eroberung des Südens und damit einen Zugang nach Transnistrien.

Sanktionen treffen die Wirtschaft hart. Unter Hochdruck versuchen die europäischen Staaten, von russischen Energieexporten unabhängig zu werden.

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Verheerender ist der politische Totalschaden. Wenn Putins beabsichtigt hat, den Westen vorzuführend, dann hat er jedenfalls genau das Gegenteil erreicht:

Die Nato und die EU treten geschlossener denn je auf. Das Zwei-Prozent-Ziel für Rüstungsausgaben, lange Zeit in der westlichen Allianz umstritten, steht plötzlich außer Frage. Die USA ist als Führungsmacht so unumstritten wie schon lange nicht mehr.

Ukraine-Krieg – Hintergründe und Erklärungen zum Konflikt

Finnland und Schweden führte der Ukraine-Krieg vor Augen, wie wichtig eine Rückendeckung der Nato ist. Beide gehören bislang keinem militärischen Block an und erwägen ernsthaft, ihre Neutralität aufzugeben. Auch damit dürfte Putin kaum gerechnet haben.

Der ukrainische Präsident Woldymyr Selenskyj ist zur Symbolfigur der Freiheit geworden.

Putins letzter Trumpf – die Drohung mit Atomwaffen

Kiews Bitten werden erhört. Die Ukraine wird mit mehr, zuletzt auch mit modernen und schweren Waffen versorgt: Panzer, Flugzeuge, Artillerie, Drohnen. Die Liste der Lieferanten umfasst mittlerweile über 30 Staaten.

Putin selbst hat an Autorität verloren. Zweifel an seinem Gesundheitszustand werden laut. Mit der Drohung mit Atomwaffen versucht er, seinen Autoritätsverfall zu stoppen.

Nächste Woche kommt UN-Generalsekretär António Guterres nach Moskau. Die UNO will vermitteln. Können Verhandlungen Putin stoppen? Hat er eine Exitstrategie?

Niemand weiß, wann, wo, wie dieser Krieg enden soll, vielleicht so, wie er vor zwei Monaten angefangen hat? Der inzwischen untergegangene Kreuzer "Moskwa" tauchte vor einer ukrainischen Insel auf und forderte ein Dutzend Verteidiger auf, zu kapitulieren. Sie kabelten zurück, "Russisches Kriegsschiff, fick dich!"

Dieser Artikel erschien zuerst auf www.waz.de.