Todesopfer

Ukraine-Krieg: Erschreckende Zahlen über gefallene Soldaten

Miguel Sanches
| Lesedauer: 3 Minuten
Reportage aus der Ukraine: Kampf an der Front

Reportage aus der Ukraine: Kampf an der Front

Die Stadt Mykolajiw, im Süden der Ukraine, wird seit Monaten vom russischen Militär angegriffen. FUNKE-Reporter Jan Jessen fährt an die Front zwischen Mykolajiw und Cherson. Dort spricht er mit einem Soldaten und einem Presseoffizier der Armee.

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Berlin   10.000 ukrainische Soldaten sind schon im Ukraine-Krieg gefallen. Russlands Blutzoll soll höher sein: "Sie sterben wie die Fliegen."

Im Ukraine-Krieg erleiden beide Seiten horrend hohe Verluste. Der ukrainische Verteidigungsminister Olexij Resnikow erklärte, "jeden Tag werden bis zu 100 unserer Soldaten getötet und bis zu 500 verwundet." Russland machte zuletzt Ende März Angaben über gefallene Soldaten.

Unbestritten ist, dass die Russen mehr Todesopfer als die Ukraine zu beklagen haben und dringend neue Soldaten brauchen. Im Juni ist der Krieg auf den Schlachtfeldern in der Ost-Ukraine in einer "tödlichen Zermürbungsphase", die von "Artillerie-Duellen und Stellungskämpfen" dominiert wird, wie der Militärblogger Jomini of the West twittert.

In Kiew erklärte ein Berater von Präsident Wolodymyr Selenskyj am Samstag, dass etwa 10.000 ukrainische Soldaten getötet worden seien. Olexij Arestowytsch antwortete in einem Youtube-Interview mit dem russischen Oppositionellen Mark Feygin auf die Frage, ob man von dieser Zahl ausgehen könne: "Ja, so in etwa."

Opferzahlen: 15.000 bis 32.000 russische Soldaten gefallen?

Im April hatte Kremlsprecher Dmitri Peskow eingeräumt, dass die russischen Verluste der so genannten Spezialoperation "bedeutend" und eine "riesige Tragödie" seien. Die britische Regierung schätzte Ende Mai die Zahl der gefallenen Soldaten auf 15.000, die ukrainische Zeitung "Kyiv Post" beziffert sie aktuell mit 31.900.

Mindestens 3.000 Tote sind aufgrund von Traueranzeigen belegt, nach einem Bericht aus Russland liegen überdies an die 40.000 Beschwerden von Angehörigen vor, die Soldaten vermissen. Die können aber auch verletzt oder in ukrainischer Gefangenschaft sein. Mitunter führen schon Begriffe zu Missverständnissen. Wenn im Englischen von Casualities die Rede ist, können kampfunfähige Militärs wie auch Tote gemeint sein.

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Grob gesagt, braucht die Ukraine Waffen, vor allem Munition und die Russen in erster Linie neue Soldaten. Anders als Selenskyj hat Kremlchef Wladimir Putin keine Mobilmachung in Gang gesetzt. Aber er lässt Kämpfer rekrutieren und lockt mit hohen Soldversprechungen. Außerdem hat das Parlament in Moskau auch die Altersbegrenzung für Vertragssoldaten aufgehoben. Vorher galt ein Höchstalter von 40 Jahren.

Putin scheut eine Mobilmachung, braucht aber neue Soldaten

Das amerikanische "Institute for the Study of War" spricht im einem Lagebericht von einer "aggressiven Zwangsmobilisierung" und beruft sich unter anderem auf den ukrainischen Sicherheitsdienst SBU. Russische Kriegsgefangene berichteten, dass sie von einem privaten Militärunternehmen unter der Annahme rekrutiert worden seien, dass sie Sicherheitsdienste erbringen sollten. Stattdessen seien sie an die Front geschickt worden.

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Gerade der Häuserkampf wie derzeit in Sewerodonezk ist für den Angreifer unweigerlich mit hohen Verlusten verbunden. „Sie sterben wie die Fliegen“, notiert der Luhansker Gouverneur Serhij Hajdaj auf Facebook. „Die Russen haben wesentlich mehr Verluste als die Ukrainer“. Das Verhältnis liege „bei eins zu zehn“. Überprüfen lassen sich die Zahlen nicht, aber eines ist offensichtlich: Das große Sterben im Kampf um den Donbass. Der Blutzoll ist hoch – und zwar für beide Seiten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf www.waz.de