Ukraine-Krieg

Austin: „Alles tun, damit es nicht in Atomkrieg ausartet“

Dirk Hautkapp
| Lesedauer: 3 Minuten
USA begrüßen deutsche Panzer-Lieferung an Ukraine

USA begrüßen deutsche Panzer-Lieferung an Ukraine

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin hat die Entscheidung der Bundesregierung begrüßt, die Ukraine im Kampf gegen die russischen Streitkräfte mit 50 Panzern vom Typ Gepard zu unterstützen.

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Washington/Ramstein.  US-Verteidigungsminister Lloyd Austin schwört in Ramstein 42 Länder auf Schulterschluss gegen Moskau ein – und warnt eindringlich.

Der Schauplatz, das wichtigste amerikanische Luftwaffen-Drehkreuz in Europa, war von Lloyd Austin mit Bedacht gewählt worden. Der Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten, Hauptantriebsmotor der ukrainischen Selbstverteidigungssmaschinerie gegen den Angreifer Russland, wollte am Dienstag im rheinland-pfälzischen Ramstein im Beisein von Vertretern aus 42 Nationen den Schulterschluss des Westens gegen Moskau zu einem aus seiner Sicht besonders heiklen Zeitpunkt befestigen.

Mark Milley, der Chef des amerikanischen Generalstabs, sagte hinter verschlossenen Türen in Erwartung einer massiven russischen Angriffswelle im Osten und Südosten der Ukraine, dass „die nächsten zwei bis vier Wochen das Ende dieses Kampfes prägen werden”. Der Ausgang der Schlacht entscheide sich durch die Leute, „die heute hier in diesem Raum sind”, sagte der General.

Tenor: Sichern sie, ähnlich wie jetzt auch Deutschland, die Lieferung schwerer Waffen wie Artillerie, Luftabwehr-Raketen, Panzer und Drohnen zu, dann habe Kiew eine Chance. Aber „die Zeit ist nicht auf der Seite der Ukraine”, betonte Milley und erhöhte damit abermals den Druck, bei den militärischen Hilfeleistungen nicht nachzulesen.

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Ukraine-Krieg: USA wollen „Himmel und Erde” in Bewegung setzen

Die Tatsache, dass mit Länder Südkorea und Japan sowie Israel, Kenya und Tunesien auch Nicht-Nato-Staaten teilnahmen, beweise, dass Amerikas Führungsrolle „anerkannt und begrüßt wird”, heißt es in Washingtoner Regierungskreisen.

Pentagon-Chef Austin, der zentrale Mann in der Regierung von Präsident Joe Biden in der Causa Ukraine, würdigte, dass der Westen in den ersten beiden Kriegsmonaten Militärgüter im Volumen von über fünf Milliarden US-Dollar in die Ukraine geschafft habe, 3,7 Milliarden entfielen aus die USA. Aber das sei bei weitem nicht genug.

Die USA wollten „Himmel und Erde” in Bewegung setzen, um Kiew alle nötigen Instrumente an die Hand zu geben, um den Krieg zu gewinnen und auch nach Kriegsende als souveräner demokratischer Staat wehrhaft zu sein. Dazu soll unter den Teilnehmern des Spitzentreffens ein monatlicher jour-fix eingerichtet werden, um den Bedarf der Ukraine genau erfassen und anpassen zu können. Von welcher künftigen Sicherheits-Architektur für das Nicht-Nato-Mitglied Ukraine die USA ausgehen, sagte Austin im öffentlichen Teil des hochkarätigen Treffens nicht.

Offen blieb, inwieweit der jüngste amerikanische Sinneswandel, der auf eine massive und langfristige Eindämmungs-Strategie Russlands hinausläuft, Kritik und Sorgen unter den Verbündeten der USA hervorgerufen hat.

Ukraine-Krieg: Gefahr einer Eskalation wächst

Washington will Russland militärisch auch durch gezielte Sanktionen derart schwächen, dass es „in Zukunft nicht mehr in der Lage ist, seine Nachbarn zu bedrohen und anzugreifen”, sagte Austin.

Damit wächst laut Analysten die Gefahr einer Eskalation des Konflikts. Russlands Präsident Wladimir Putin könnte angesichts großer Rückschläge und Verluste im konventionellen Militärbereich versucht sein, durch den Einsatz kleinerer, taktischer Atomwaffen die Oberhand zu erlangen. Eine Ausweitung des Kriegsgeschehens mit weltweiten Folgen sei dann „nicht auszuschließen”, betonen Experten.

„Wir werden alles tun, damit es nicht einen Atomkrieg ausartet”, sagte Verteidigungsminister Austin am Ende des Meetings in Ramstein. Allein darüber zu reden, wie es Russlands Außenminister Lawrow tat, sei „gefährlich und nicht hilfreich”. Niemand könne einen Atomkrieg gewinnen.

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Dieser Artikel erschien zuerst bei waz.de.