Ukraine-Krieg

Ukraine-Krieg: Warum Selenskyi nicht mit Putin reden will

Miguel Sanches
| Lesedauer: 2 Minuten
Tschechische EU-Ratspräsidentschaft fordert Kriegsverbrecher-Tribunal zu Ukraine

Tschechische EU-Ratspräsidentschaft fordert Kriegsverbrecher-Tribunal zu Ukraine

Nach der Entdeckung hunderter Gräber in zurückeroberten Gebieten der Ukraine hat die tschechische EU-Ratspräsidentschaft die Einsetzung eines internationalen Kriegsverbrecher-Tribunals gefordert.

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Berlin   Verhandlungen – nicht um jeden Preis. Aus drei Gründen will Ukraines Präsident Selensky nicht mehr mit Putin über einen Frieden reden.

Die Ukraine schließt Friedensverhandlungen mit Russland und ein Spitzentreffen auf höchster Ebene aus. In Kiew stellte Präsidentenberater Mychajlo Podoljak laut ukrainischen Medien klar, beides ergebe aus drei Gründen derzeit keinen Sinn:

  • Kremlchef Wladimir Putin werde doch nur versuchen, Geländegewinne festzuhalten und zu legitimieren.
  • Russland wolle eine Atempause, und sich im Ukraine-Krieg militärisch neu zu formieren und danach die Angriffe wieder aufzunehmen.
  • Die Regierung in Moskau müsse für Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden.

Zu Beginn des Krieges hatte man sich noch auf Verhandlungen eingelassen und gerade ein Treffen der Präsidenten beider Staaten gefordert. Das Misstrauen ist seither allerdings größer geworden. Das knallharte Nein nach der erfolgreichen Gegenoffensive der letzten Tage zeugt aber von einem neuen und gestärkten Selbstbewusstsein.

Wie zur Bestätigung der Ukraine sagte der britische Militärstabschef Sir Tony Radakin in der BBC, Putin habe alle seine militärstrategischen Ziele verfehlt. Er wollte die Ukraine unterwerfen – "das wird nicht geschehen". Er wollte die Kontrolle über die Hauptstadt übernehmen – "wir haben gesehen, dass das schon früher gescheitert ist." Die Nato sei auch nicht geschwächt, sondern gestärkt worden.

Inzwischen fühlt sich die Ukraine stark genug, knallharte Bedingungen für Gespräche zu setzen. Aus ukrainischer Sicht setzt ein Treffen Putins mit Präsident Wolodymyr Selenskyj voraus, dass die russischen Truppen den Rückzug antreten. Ferner müsse Russland über Reparationszahlungen und die Herausgabe von Kriegsverbrechern verhandeln, so Podoljak.

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Im "Handelsblatt" kritisierte der Historiker Heinrich August Winkler deutsche Forderungen nach einem Waffenstillstand an die Adresse der Ukraine. Sie zeugten von einer "erschreckenden Naivität". Es sei nicht Aufgabe Deutschlands, so Winkler, "der Ukraine Vorschläge über Waffenstillstandsverhandlungen zu machen".

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Dieser Artikel erschien zuerst auf www.morgenpost.de