Putin-Kritiker

Alexej Nawalnys Team: Er wurde im Hotelzimmer vergiftet

Berlin/Moskau.  Der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny ist aus dem Koma erwacht. Nun hat er ein Video gepostet, das zeigen soll, womit er vergiftet wurde.

Nawalnys Bewegung hofft auf Wandel bei russischen Regionalwahlen

Die alte Universitätsstadt Tomsk ist eine von vielen Gemeinden und Regionen in Russland, in denen Regionalwahlen stattfinden. Die Opposition hofft, dass der der Regierung angelastete Giftanschlag auf Alexej Nawalny die Bürger wachrütteln werde.

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  • Laut seinem Team wurde Alexej Nawalny in seinem Hotelzimmer in Tomsk vergiftet
  • Nawalny kann laut Charité mittlerweile zeitweise das Bett verlassen
  • Deutsche Ärzte bestätigten, dass der Putin-Kritiker vergiftet wurde
  • Nawalny hatte in einem Flugzeug das Bewusstsein verloren und lag tagelang im Koma
  • Russische Ärzte sprachen vor seinem Transport nach Deutschland lediglich von einer Stoffwechselstörung und warfen Deutschland voreilige Schlüsse vor

Der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny ist seinem Team zufolge in seinem Hotelzimmer in der sibirischen Stadt Tomsk vergiftet worden. Dort habe sich eine Flasche mit vergiftetem Wasser befunden, hieß es im Text zu einem am Donnerstag auf Nawalnys Instagram-Account verbreiteten Video.

Indes hat sich der Gesundheitszustand des Kremlkritikers Alexej Nawalny laut der Berliner Charité weiter verbessert. Er muss nicht mehr beatmet werden und kann sein Krankenbett zeitweise verlassen, teilte die Charité am Montag in Berlin mit.

Alexej Nawalny: Mehrere Labore weisen Nervengift nach

Zuvor hatte die Bundesregierung mitgeteilt, dass zwei weitere Speziallabore in Frankreich und Schweden einen Nervengift-Kampfstoff aus der Nowitschok-Gruppe als Ursache für den Zustand Nawalnys ausgemacht haben. Deutschland hatte im Vorfeld der weiteren Untersuchungen die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OVCW) eingeschaltet. Deren Experten haben demnach ebenfalls Proben von Nawalny entnommen, die nun durch Referenzlabore untersucht werden sollen.

Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte zu den neuen Befunden: „Wir erneuern die Aufforderung, dass sich Russland zu den Geschehnissen erklärt.“ Die deutsche Regierung stehe mit ihren europäischen Partnern „in engem Austausch zu weiteren Schritten“.

Kommentar: Mögliche Vergiftung – Nawalny kritisiert, was Putin wehtut

Nawalny war am 20. August auf einem Flug in Russland zusammengebrochen und in eine Klinik in Sibirien gebracht worden. Später wurde er auf Drängen seiner Familie in die Charité verlegt. Die Bundesregierung teilte nach Untersuchungen in einem Spezial-Labor der Bundeswehr mit, sie sehe es als zweifelsfrei erwiesen an, dass Nawalny mit dem Kampfstoff Nowitschok vergiftet worden sei.

Nawalnys Gesundheitszustand: Mögliche Langzeitfolgen

Am Montag teilte die Charité mit: Nawalny reagiere auf Ansprache, Langzeitfolgen der schweren Vergiftung seien jedoch weiterhin nicht auszuschließen. Lesen Sie hier: Alexej Nawalny ist aus dem künstlichen Koma geholt worden.

Allerdings sei die Symptomatik der durch die Vergiftung ausgelösten Krise „rückläufig“. Insgesamt sei der Zustand Nawalnys „stabil“, hieß es weiter in der Erklärung.

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Nawalny steht in Berlin unter dem Schutz des Bundeskriminalamts (BKA). Das Bundeskriminalamt ist laut Gesetz unter anderem zuständig für den Personenschutz von Mitgliedern der Bundesregierung, aber auch von ausländischen Gästen, beispielsweise bei Staatsbesuchen. In Regierungskreisen hieß es, über diese Regelung im BKA-Gesetz sei es möglich, in dem Fall zu helfen.

(dpa/amw/ba)

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