Geraer Stadtsteine verteilen sich bis nach Australien

Gera.  Sascha Vogel aus Gera bemalt Steine und versteckt sie an öffentlichen Plätzen. Wer sie findet, darf sie behalten oder andernorts wieder auslegen.

Sascha Vogel (45) aus Gera bemalt Kieselsteine mit farbenfrohen Motiven oder Botschaften und verteilt diese unter dem Titel #Stadtsteine an öffentlichen Orten rund um den Globus.

Sascha Vogel (45) aus Gera bemalt Kieselsteine mit farbenfrohen Motiven oder Botschaften und verteilt diese unter dem Titel #Stadtsteine an öffentlichen Orten rund um den Globus.

Foto: Peter Michaelis

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Alles begann mit einem Urlaub an der Nordsee. „Das war im letzten Jahr. Ich habe dort den Sommer bei meiner Mutter verbracht“, erinnert sich Sascha Vogel. „Mir hat das Richtige, der Stein des Anstoßes gefehlt“, sagt er. Und den hat er zwischen Leuchttürmen, Deichen und Schafen gefunden.

Die Internetgemeinde kennt Sascha Vogel heute unter dem Künstlernamen Sascha Oiseau (französisch für Vogel). Seine kleinen Steinbotschaften können mittlerweile auf der ganzen Welt entdeckt werden. Japan, Australien, Karibik, Thailand, aber natürlich auch in Deutschland, Berlin, Leipzig, Erfurt und vor allem in der Otto-Dix-Stadt. Wie kam es dazu?

Der gebürtiger Berliner – oder wie er zu sagen pflegt: „Ick bin en Berliner Junge, wa?“ – wohnt seit fünf Jahren in Gera. „Ausgebildet wurde ich zum Schilder- und Lichtreklamehersteller“, sagt er. Logos gestalten, das ist für den 45-Jährigen Handwerkszeug. „Ich bin Hobby-Fotograf und achte auf Details“, sagt Sascha Vogel. So fand er den kleinen bemalten Kieselstein an der Nordsee, der sein Leben verändern sollte.

Von den Küsten- zu den Stadtsteinen

„Dort gibt es eine Steingruppe, die heißt Küstensteine“, erinnert er sich. Heute weiß er, es gibt in Deutschland bestimmt 50 bis 70 dieser Steingruppen. Sie sind meist Internetgemeinden und oft auf den Sozial-Media-Plattformen facebook und Instagram aktiv. Sie bemalen kunstvoll Kieselsteine und legen sie an öffentlichen Plätzen aus. Wer den Stein entdeckt, findet auf der Rückseite den Sozial-Media-Namen. Dort kann er ein Foto des Fundstücks posten und den Stein entweder behalten, oder ihn an einem anderen Ort wieder auslegen.

„Das Steinemalen ist nichts Neues“, sagt Sascha Vogel. Das komme aus Amerika und werde von laienhaft bis hochprofessionell betrieben. Oder im berliner Jargon: „Da findest’e Steine, da fällst’e vom Glauben ab.“ Die meisten Steingruppen seien regional begrenzt. „Ich fand es schön, die Steine in die Welt zu tragen. Deswegen der Namen Stadtsteine. Die Motive sind egal“, sagt Sascha Vogel. Die seien nicht auf eine bestimmte Region geeicht, sondern generell auf das Thema Stadt, völlig egal, welche.

Von Büsum in die Karibik

Sascha Vogel gründete die „Stadtsteine“ nach seinem Nordseeurlaub. Jedes Mitglied kann selbst Steine bemalen, mit dem Sozial-Media-Link #Stadtsteine versehen und auslegen. Und jeder kann Mitglied der Gruppe werden. Dabei stehen facebook und Co. für den Geraer nicht im Mittelpunkt des Projekts. „Die Internetgeschichte ist kein Muss, aber es ist für denjenigen schön, der die Steine bemalt. Es lässt sich super verbinden.“

Im Grunde gehe es Sascha Vogel um etwas anderes. „Es ist so einfach, anderen Menschen eine Freude zu machen“, sagt er. „Stell dir vor, du läufst auf die Arbeit und findest so einen Stein, da ist der Tag gerettet.“

In der Otto-Dix-Stadt liegen mittlerweile 40 bis 50 Steine aus, schätzt Sascha Vogel. Weltweit seien momentan zwischen 500 und 600 Stadtsteine im Umlauf. „Einen der ersten Steine habe ich in Büsum an der Nordsee ausgelegt. Der kam von dort nach Dresden, dann nach Swinemünde in Polen und ist jetzt in der Karibik“, sagt er. Zum Bemalen der Steine – die kauft Sascha Vogel mittlerweile im Baumarkt – benutzt er Edding. Eine Frage der Umweltverschmutzung. „Viele bemalen die Steine auch mit Acrylfarben und lackieren sie dann“, sagt der Geraer. Das belaste die Umwelt allerdings sehr und sorge für Kritik.

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