Geraer Tafel gibt 250 Tonnen Lebensmittel im Jahr aus

Die Chefin der Geraer Tafel Giselda Schädlich (links) und die langjährige Mitstreitein Christine Feller auf dem Gelände in der Zwötzener Straße. Die Geraer Tafel sucht dringend ein neues Domizil.

Die Chefin der Geraer Tafel Giselda Schädlich (links) und die langjährige Mitstreitein Christine Feller auf dem Gelände in der Zwötzener Straße. Die Geraer Tafel sucht dringend ein neues Domizil.

Foto: Peter Michaelis

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Gera.  Sie sitzt über der Jahresabrechnung 2019. Ruhe hat die Tafel-Chefin nicht. Ständig klingelt das Telefon. Giselda Schädlich informiert die Anruferin über die neuen Ausgabezeiten der Lebensmittel. Sie wurden geändert. „Viele Löcher säumen den Hof und die Zufahrt zu uns. Bei Regen und im Dunkeln sieht man sie nicht.“

Seit Jahresbeginn gab es bereits 20 Neuanmeldungen von Familien, informiert die Leiterin. Sie ist froh, dass viele Freiwillige die Tafel unterstützen, ob als ehrenamtliche Mitarbeiter oder als großzügige Spender, so Privatpersonen und Unternehmen. Miete muss pünktlich gezahlt werden, Nebenkosten stehen an. Vergangene Woche brauchte der Sprinter, eines von sechs Tafel-Fahrzeugen, die die Waren holen, neue Bremsen. Im Jahr werden etwa 250 Tonnen Lebensmittel umgeschlagen. „Wir versorgen monatlich 3000 Bedürftige, darunter über 550 Kinder, gegen einen kleinen Obolus mit Milchprodukten, Gemüse und Obst sowie mit Backwaren. Erwachsene zahlen 2,50 Euro und Kinder 0,50 Cent pro Abholung“, ergänzt Schädlich.

Spendenbereitschaft ist enorm

Ohne Hilfe von außen könnte die Tafel nicht überleben. Die Spendenbereitschaft im vergangenen Jahr war enorm. „Dazu haben die Berichte in der Zeitung und das Benefizkonzert im August 2019 im Hofwiesenpark beigetragen.“ Von der Veranstaltung habe man sich mehr versprochen. Leider kamen zu wenig Besucher. Ein Abschlussbericht liegt noch nicht vor. „Zum Weihnachtmarkt gab es noch einmal eine Tombola mit jenen Sachspenden, die bei der Aktion im August nicht weggingen. Erst wenn alle Einnahmen gegen die Ausgaben gerechnet sind, kann ich sagen, was das Benefizveranstaltung uns brachte.“ Solange bleibe das Extra-Konto bestehen.

Große Sorgen bereitet der Leiterin der katastrophale Zustand des Objektes. Unwirtlich sieht es aus. Putz bröckelt von der Fassade. Alles ist beengt. Die Bedürftigen müssen im Freien stehen, egal ob es regnet, schneit oder die Sonne scheint. Mitarbeiter müssen draußen die Kisten reinigen. Zum Glück bleibt bis jetzt der kalte Winter aus, sonst würden wieder die Leitungen eingefrieren.

Auch Christine Feller kennt die Probleme. Seit 20 Jahren arbeitet sie ehrenamtlich bei der Tafel. „Ich musste sie viele Jahre in Anspruch nehmen. Deshalb will ich etwas zurückgeben.“ Auf dem Gelände war früher das Werk 4 der Textima. Wo heute Ausgabe und Lager von uns sind, befand sich damals der Sozialtrakt, erzählt sie.

„Es wäre ein Segen, wenn wir endlich umziehen könnten“, wünscht sich Ilona Dajek. Sie arbeitet im Kramstübchen. Dort finden sich Kleidung, Möbel und Gebrauchsgegenstände, die sozial schwachen und hilfsbedürftigen Menschen vorbehalten sind. „Die Räume platzen aus den Nähten“, so die 64-Jährige.

Fünf Objekte habe sich die Tafel-Chefin schon angesehen. Das Passende war noch nicht dabei. „Wir benötigen etwa 2000 Quadratmeter auf ebenem Gelände, das gut erreichbar ist, abgeschlossene Räume, um Gemüse und Obst sowie Backwaren und Milchprodukte aus hygienischen Gründen zu trennen. Die Ausgabe sollte künftig nicht mehr im Freien erfolgen. Auch Lagermöglichkeiten sind unabdingbar. Mehr als 2000 Euro Miete im Monat ist allerdings nicht drin“, zählt Giselda Schädlich auf. Sie ist froh, dass die Tafel von der Stadt bei der Suche nach einem neuen Standort Unterstützung erfährt.

„Improvisation und Hingabe sind vonnöten, um die Arbeit der Tafel am Leben zu erhalten“, meint die Chefin.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.