Nein und Ja zu JVA in Aga

Über 100 Einwohner von Aga diskutieren über geplante Justizvollzugsanstalt mit möglichem Standort Aga. Vertreter des Thüringer Justizministeriums , Justizvollzugsbeamte aus Hohenleuben und Bürgermeister geben offen Antwort auf besorgte Anfragen.

Bürgerversammlung zur geplanten JVA in Aga.

Bürgerversammlung zur geplanten JVA in Aga.

Foto: zgt

Aga. "Ich bin für eine JVA in Gera , aber nicht in Aga."

Diese Position von Cornelia Gräser, die die wirtschaftlichen Vorteile des Baus einer Justizvollzugsanstalt durchaus akzeptierte, jedoch den Landschaftscharakter des Naherholungsgebietes Aga dadurch nicht zerstört sehen will, vertraten viele Einwohner von Aga. Über 100 Frauen und Männer waren am Donnerstag der Einladung des Ortsteilrates Aga gefolgt, um mehr über die geplante Justizvollzugsanstalt von Sachsen und Thüringen zu erfahren. Vier Standorte, zwei in Sachsen und zwei in Thüringen, Großenstein/Korbußen und Aga sind für den Bau der Anstalt mit 940 Haftplätzen, davon 80 im offenen Vollzug, im Gespräch. Zehn Experten im Präsidium standen Rede und Antwort.

So erwiderte Herbert Windmüller, Abteilungsleiter Strafvollzug im Thüringer Justizministerium auf Anfragen von Kindergärtnerin Sunhild Riedel, die um die ihr anvertrauten Kinder besorgt ist, oder von Claudia Große, die befürchtet, dass bei diesem Neubau auch "schwere Jungs" nach Aga kommen: "Ich kann Ihre Sorgen nicht wegwischen, ein Restrisiko bleibt immer. Was die Langstrafer betrifft, so ist für diese genügend Platz in der Anstalt Tonna. Auch ist die Zahl der langstrafigen unter den 1840 Gefangenen in Thüringen stabil. Dahingehend brauchen sie keine Sorge haben. Das Profil der geplanten Anstalt bleibt bei fünf Jahren." Sie weise deutlich mehr Sicherheit für Bedienstete und die Bevölkerung auf als Vorgängerbauten. "Neben der Resozialisation der Häftlinge tragen wir zuallererst Verantwortung für die Sicherheit der Bevölkerung." Keinesfalls kämen Häftlinge in Sicherheitsverwahrung hierher.

Der Anstaltsleiter der JVA Hohenleuben, Joachim Fritzsche und die dort tätige Justizvollzugsbeamtin Heidrun Wilke legten ihre Erfahrungen mit Gefangenen und einer Anstalt mitten im Ort dar. "Ich wohne seit 20 Jahren dort", so Heidrun Wilke, "die Freigänger kennen mich, "nie bin ich angegriffen worden." Sie vertrete hier auch die 300 Bediensteten, die um ihre berufliche Zukunft besorgt seien.

Dirk Bergner, Bürgermeister von Hohenleuben (FDP), entkräftete Befürchtungen, dass Angehörige der Gefangenen bei ihren Besuchen "wie marodierende Truppen" durch den Ort ziehen könnten. Er bedauerte, dass Hohenleuben aus der Bewerbung herausgefallen sei und verwies darauf, dass mit der Zahl der Häftlinge die Schlüsselzuweisungen vom Land steigen, dass Handwerker und Gewerbetreibende Aufträge der Einrichtung erhalten. Dagegen argumentierte Harald Tscherner: "Wiegen die Vorteile wirklich die Nachteile auf? Die Immobilien verlieren doch mit einer JVA in Nachbarschaft an Wert, wer wird hier noch investieren oder herziehen wollen?"

Ein "Pro" für die neue Anstalt führte Jürgen Frank, Leiter der JVA Gera an: "Unser Haus steht seit Jahren mitten in der Stadt, keiner stört sich daran. Zudem können Gefangene als ersatzfreie Strafen gemeinnützige Arbeit leisten."

Am meisten trieb die Agaer Bürger wie Thomas Große die Frage um, wer sich denn für die JVA beworben habe und warum die Bürger so etwas als Letzte erfahren. Auch der Agaer Ortsteilbürgermeister Bernd Müller (CDU) sagte, dass er es erst aus den Medien erfuhr. Stadtrat und SPD-Fraktionschef Achim Allgäuer informierte: "Seit Kenntnis über die Ausschreibung führen wir heute die vierte Informationsveranstaltung dazu durch." Ebenso wie Allgäuer sieht Kurt Kröber aus Pölzig in der JVA eine Chance: "Man sollte sie als Großunternehmen sehen. Jeder, der sich heute irgendwo niederlässt, fragt zuerst: "Wieviel Arbeit ist in der Nähe?"

In der Tat, bei dem 160 Millionen Euro teuren Objekt geht es auch um 408 Arbeitsplätze. Am Montag soll beim Treffen des Thüringer und Sächsischen Justizministers eine Entscheidung zum Standort fallen.