Schwedischer Radprofi Sara Mustonen vom SSV Gera bereitet sich in Ostthüringen auf Rio vor

Gera  Radsport Die Schwedin Sara Mustonen kam der Liebe wegen nach Ostthüringen, schloss sich im September 2015 dem SSV 1990 Gera an und bereitet sich auf den Ostthüringer Straßen auf ihren zweiten Olympiastart im Sommer in Rio vor.

Die Schwedin Sara Mustonen ist seit 2015 Mitglied beim SSV Gera. Foto: Andreas Rabel

Die Schwedin Sara Mustonen ist seit 2015 Mitglied beim SSV Gera. Foto: Andreas Rabel

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2011 fuhr sie die Thüringen-Rundfahrt, lernte Ostthüringen kennen. Dass sie aber einmal in Gera wohnen würde, hätte sie sich nicht träumen lassen. Doch der Liebe wegen kam Sara Mustonen vor zwei Jahren nach Gera, schloss sich im September 2015 dem SSV Gera an.

Für das olympische Straßenrennen in Rio de Janeiro ist die 35 Jahre alte Profirennerin als Helferin von Emma Johansson (32), der Olympiazweiten von London 2012, gesetzt – auch wenn die schwedischen Meisterschaften noch ausstehen. „In Schweden gibt es nicht so viele Profifahrerinnen“, sagt sie. Für das schwere Straßenrennen in Rio mit einem acht Kilometer langen Anstieg, bringt sie sich rund um Gera, im Holzland, auf den Strecken der Thüringen-Rundfahrt in Schwung.

Erst Dressurreiterin, dann Vizemeisterin im Boxen

„Ich hoffe, dass wir als schwedisches Nationalteam die Thüringen-Tour bestreiten, das wäre kurz vor Olympia optimal“, sagt sie, zumal Johansson die Tour im vergangenen Jahr gewinnen konnte. „Emma ist schon eine ziemlich komplette Fahrerin, sie kommt vor allem besser über die Berge als ich.“ Sara Musonen, im südschwedischen Städtchen Höganäs aufgewachsen, sieht sich als Allrounderin, „meine Stärken liegen eher im Sprint“. Zum Radsport kam sie allerdings spät und über Umwegen. Zunächst saß sie als Dressurreiterin im Sattel, wechselte als 15-Jährige zum Boxen, kämpfte sich in die Amateur-Nationalmannschaft, war Vizemeisterin, doch nach einer Ellbogenverletzung musste sie das Handtuch werfen. Dass sie einmal Boxerin war, helfe ihr auch beim Radsport: „Im Sprint geht es hart zu, da musst du robust sein, austeilen und auch mal was einstecken können.“ Nach dem Aus im Ring verdiente sie in Stockholm ihr Geld als Kurierfahrerin, war schnell schneller als ihre Kollegen. „Da hat man mich entdeckt“, sagt sie und lacht. Da war sie 25, in dem Alter haben andere ihre Karriere schon hinter sich. Als Radsportlerin sieht sie sich seit Mitte 2006, im November unterschrieb sie in Italien beim S.C. Michela Fanini ihren ersten Profivertrag und hat von Anfang an kein Problem damit, ihre Kräfte in den Dienst der Mannschaft zu stellen, Helferdienst zu verrichten. Und wenn es Rennen und Rennsituation erlaubte, dann tritt auch sie in die Pedale, gewann zum Beispiel die Polen-Rundfahrt, ist vierfache schwedische Kriteriumsmeist­erin, startete bei Olympia 2008 in Peking und sechsmal bei der WM. Doch am liebsten hat sie die Eintagesrennen. „Meine Lieblingsrennen sind die Frühjahrsklassiker, wie die Flandern Rundfahrt, Oloop het Nieuwsblatt oder Gent-Wevelgem“, sagt sie. Gestern war sie für einen Tag in Gera, Wäsche waschen, Tasche packen. Die Katar-Rundfahrt hat sie in den Beinen, bereits heute ist sie in Richtung Alicante unterwegs. Ihr Team Liv-Plantur ist das Frauen-Profiteam von Giant-Alpecin, für das der Geraer John Degenkolb fährt. Und wenn sie sich nach Südspanien aufmacht, ist ihr das nicht einerlei. „Wir wohnen im selben Hotel wie die Männer, wir werden auch die Strecke nach Calp nehmen“, sagt sie.

Ein Schock sei es gewesen, als sie von dem Unfall hörte – ein Touristenauto war auf die Gegenfahrbahn gekommen und ungebremst in die Trainingsfahrer gerast. Natürlich drückt sie John Degenkolb die Daumen, dass er bald wieder Rennen fahren kann – und vielleicht sieht man sich ja mal in Gera.