Überfall auf der Sorge in Gera: Haft für beide Angeklagte

Gera.  Zwei Männer haben einen 35-Jährigen auf der Sorge in Gera überfallen. Nun erhielten sie vor Gericht die Quittung dafür.

Der jüngere Angeklagte ist zu einer Jugendstrafe verurteilt worden.

Der jüngere Angeklagte ist zu einer Jugendstrafe verurteilt worden.

Foto: Tino Zippel

Das Landgericht Gera hat am Dienstag zwei Männer wegen eines Raubüberfalls im Geraer Stadtzentrum zu Haftstrafen verurteilt. Beide haben einen Mann überfallen, der gerade 900 Euro am Geldautomaten abgehoben hatte. Nachdem er mit den Räubern verhandelt und ihnen 100 Euro gegeben hatte, gelang ihm die Flucht.

„Geld her oder ich stech‘ Dich ab!“

Der 20-jährige Angeklagte hatte am Abend nach Himmelfahrt auf der Sorge in Gera den 35-Jährigen bedrängt: „Geld her oder ich stech‘ Dich ab!“ Nach längerer Diskussion – der 22-jährige Angeklagte war inzwischen dazugestürmt – gab der Überfalle 100 Euro heraus. Während der jüngere damit zufrieden war, forderte der ältere, weiteres Geld abzuheben. Für die neunte Strafkammer unter Vorsitz von Harald Tscherner begann in diesem Moment eine neue Tat.

Das Gericht verurteilte den Älteren zu fünf Jahren Freiheitsstrafe. Er habe zwar unter 3,27 Promille Alkohol gestanden, sei aber wegen der Gewöhnung nicht vermindert schuldfähig. Vergleiche der Verteidigerin Stefanie Biewald mit dem tags zuvor verhängten Strafmaß von fünfeinhalb Jahren der Kammer für 73 Fälle des sexuellen Missbrauchs der Enkeltochter, wies Tscherner zurück: „Die Überlegungen sind nicht zielführend. Es geht immer um den individuellen Schuldvorwurf. Gerechtigkeit gibt es sowieso nicht, weil die Fälle nicht vergleichbar sind.“ Das Urteil bleibt unter der Forderung der Staatsanwaltschaft von sechs Jahren und drei Monaten.

Einweisung in die Entzugsklinik

Der jüngere Angeklagte, der den Raubüberfall ausgelöst und auch das Messer geführt hatte, erhielt unter Einbezug einer vorherigen Verurteilung und einer weiteren Tat eine Jugendstrafe von drei Jahren und neun Monaten. Er wird in die Entzugsklinik eingewiesen, um seine Alkohol- und Drogensucht zu behandeln. „Was haben Sie in Ihrem Leben auf die Reihe gebracht? Fast nichts. Keine Schule, keine Ausbildung, auf der Straße gelebt“, fasste Tscherner zusammen. Er habe nun die Chance, Verantwortung für sein Leben zu übernehmen. Bei einer erfolgreich absolvierten Therapie kommt der 20-Jährige, der nach Jugendstrafrecht behandelt wurde, frei. Die Staatsanwaltschaft wollte vier Jahre Jugendstrafe, Verteidiger Peter Tuppat nur die Einweisung in die Entzugsklinik.

Der jüngere Angeklagte erklärte den Verzicht auf Rechtsmittel, die Staatsanwaltschaft und der ältere Angeklagte gaben keine Erklärungen ab.